New York
Jung, schwul und obdachlos
Akiko Lachenmann,
08.09.2010 07:07 Uhr
Wohnen unterm Kreuz: Jonathan fühlt sich sicher bei der schrillen Regenbogenfamilie. Foto: Falke
""Sie werden im Schlaf bepinkelt, getreten und geschlagen.""
Heidi Neumark über das Schicksal der Obdachlosen
Jeden Abend verwandelt sich das Souterrain der Kirche in das Wohn- und Schlafzimmer einer Regenbogenfamilie. Ihre zehn Mitglieder sind zwischen 17 und 23 Jahre alt - und "schräg", wie Heidi Neumark über ihre Schützlinge zu sagen pflegt. Die 56-jährige Pfarrerin in Blumenrock und Trekkingsandalen kümmert sich um diejenigen, die in New Yorks Armenhaus den schwersten Stand haben: Obdachlose Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle. Sie werden häufiger als andere diskriminiert und missbraucht. Nicht einmal in gemeinnützigen Einrichtungen sind sie sicher. "Sie werden im Schlaf bepinkelt, getreten, geschlagen und das sogar in einem katholischen Männerwohnheim", weiß Neumark. Die Selbstmordrate unter ihnen ist alarmierend, ebenso der Anteil an HIV-Infizierten.
In New York, der vermeintlich liberalsten Stadt Amerikas, suchen sie Zuflucht. Mehrere Tausend sollen laut einer Schätzung der National Gay and Lesbian Task Force auf der Straße leben. Sie kommen aus Waisenhäusern, Pflegefamilien, Elternhäusern, in denen sie nicht länger erwünscht sind, aus Gegenden, wo Politiker Homosexualität eine "Gefahr der nationalen Sicherheit" nennen und christliche Eiferer Parolen predigen wie "Gott hasst alle Schwule". Die Zahl der Homophoben ist in den USA hoch. Die jüngste Umfrage des Meinungsinstituts Gallup ergab, dass nur jeder zweite Amerikaner homosexuelle Beziehungen für "moralisch akzeptabel" hält.
Es ist ein Schutzraum, kein Therapiezentrum
Über die Vergangenheit spricht keiner der Kirchenbewohner gern. Was zählt, ist die Gegenwart. Im Gemeindesaal steht das Essen bereit: Chili con Carne und Maiskuchen in Styroporschüsseln. Alle reden und löffeln gleichzeitig, fallen sich ständig ins Wort. Zu Tisch geht es vor allem um die weniger existenziellen Fragen des Lebens: Wie viel Fett benötigt eine gute Creme fraîche? Welche Musikvideos sind gerade angesagt. Nur auf Nachfrage fallen Nebensätze, die ahnen lassen, was die Jugendlichen durchgemacht haben.
Josephine sagt: "Meinem Vater gefiel es nicht, dass ich ein Mädchen sein wollte." Mit 13 Jahren musste sie in eine Pflegefamilie. Claudio erzählt, dass er im Bundesstaat Michigan von einem Waisenhaus zum nächsten gereicht wurde. "Keine gute Kindheit", sagt Jonathan und schweigt. In einem Lebenslauf, den er für ein Collegestipendium verfasst hat, steht: "Ich bin ein Meister der Meditation. Das habe ich durch meine Mutter gelernt, die mich in einem fort mit Flüchen und Gewalt einzuschüchtern versuchte."
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Eine Frage der Moral
Ein guter Artikel über eine gute Initiative. Mit ihren Moralvorstellungen hängt ein großer Teil der Amerikaner noch im Mittelalter. Bigotterie ist Alltag in der Immer-Noch-Führungsmacht der Welt. Es ist erschreckend, aber wahr wie provinziell und rückwärtsgewandt eine große Gruppe von Amerikanern denkt. Ich war oft genug in den USA um zu wissen, dass aufgeklärte, liberale und weltoffene Amerikaner v.a. in den Metropolen über ihre Landsleute im geistig-moralischen Bible-Belt entsetzt sind
Vorsicht Religion!
Es ist furchtbar, was Religionen anrichten. Es lässt sich gar nicht mehr in Worte fassen, welches Leid das Christentum über homosexuelle Menschen gebracht hat. Die evangelikale Bewegung aus den USA ist die schlimmste von allen. Wer einmal den Bibelgürtel mit seinen hassgeifernden Predigern besucht hat, der will von Jesus nie wieder was wissen.
Danke
für diesen Artikel. Es ist schrecklich, was dort geschieht. Gut, dass sich einige einsetzen, dieses Elend ein wenig zu mindern. Das New Yorker Projekt zeigt, was LGBTQI's auch in den USA erleiden. Auf dass es hier niemals soweit komme. Setzen wir uns immer dafür ein! equality