NS-Vergangenheit Insel Mainau Dunkle Flecken im Blütenmeer

Von Wolfgang Messner 

Es gab Dinge, zu denen gab der Mainaugraf keine Auskunft. Nach Jahrzehnten des Wegschauens stellt sich die Adelsfamilie Bernadotte aber nun ihrer NS-Geschichte.

Lennart Graf Bernadotte starb 2004 mit 95 Jahren. Foto: dpa 3 Bilder
Lennart Graf Bernadotte starb 2004 mit 95 Jahren.Foto: dpa

Insel Mainau - Es gab Dinge, zu denen gab der als leutselig bekannte Mainaugraf keine Auskunft. Und wenn sich Lennart Graf Bernadotte äußerte, dann nur sehr knapp und zurückweisend. Zu den dunklen Flecken gehört die Geschichte der Blumeninsel während der NS-Zeit. Diese war für den ehemaligen schwedischen Prinzen Bernadotte weniger ruhmreich verlaufen als andere Lebensphasen. Doch selbst nach seinem Tod ist das Vergessen nicht eingetreten. Ganz aktuell sind die verdrängten Jahre wieder ins Bewusstsein gerückt.

Die Insel im Bodensee hatte der Organisation Todt des Rüstungsministers Albert Speer und danach dem Vichy-Regime um die schillernde Figur Jacques Doriot gedient. Die Organisation Todt war eine nach ihrem Chef Fritz Todt benannte Bautruppe, die für Wehranlagen und Rüstungsprojekte in großem Maßstab Zwangsarbeiter und KZ-Gefangene einsetzte. Nach dem ursprünglichen Plan sollte auf der Mainau ein exklusives Erholungsheim für höhere Offiziere und Rüstungsindustrielle entstehen. Dafür wurde das Schloss renoviert und teures französisches Mobiliar herbeigeschafft. Wegen der heranrückenden Alliierten wurden die Pläne nie verwirklicht.

Französische KZ-Häftlinge fanden hier den Tod

Nach Kriegsende nutzte die französische Militärregierung die Mainau und auch die Reichenau, um kranke französische KZ-Häftlinge aus Dachau und anderen Konzentrationslagern kurieren zu lassen. Kurz vor der Befreiung war in Dachau Typhus ausgebrochen, und die Franzosen brauchten abgeschlossene Areale, um die möglicherweise Infizierten unter Quarantäne zu halten. Rund 4000 Häftlinge waren so, ausgemergelt und oft schwerstkrank, an den Bodensee gekommen. Während die weniger Geschwächten auf der Reichenau untergebracht wurden, kamen die schweren Fälle auf die Mainau. 33 dieser KZ-Opfer sind hier an den Folgen der Lager gestorben. Graf Lennart hatte diese Toten bereits 1946 exhumieren und auf den Konstanzer Friedhof umbetten lassen. Später wurden die sterblichen Überreste nach Frankreich zurückgebracht.

Graf Lennart hatte die Mainau als kleines Paradies gedacht. Wegen der Heirat mit seiner ersten Frau Karin Nissvandt, einer Bürgerlichen, war er aus der schwedischen Thronfolge ausgeschieden und hatte stattdessen 1932 die verwilderte Insel Mainau übertragen bekommen. 1907 war das Eiland durch Einheirat vom Haus Baden auf das schwedische Königshaus übergegangen. Der damals 23-Jährige Lennart, der schon oft auf der Insel seine Ferien verbracht hatte, fand Gefallen daran, die Mainau zu einem Fremdenverkehrsort aufzubauen.

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9 Kommentare Kommentar schreiben

'Dunkle' Flecken ohne Ende: Ob ich das noch erleben darf, dass wir eines Tages mal nicht mehr fast täglich mit diesem Mist belästigt werden?

Alte Geschichten: Haben wir heute keine anderen Probleme, als Ereignisse vor über 60 Jahren immer wieder neu aufzuwärmen? Wie lange soll das noch weiter gehen!! Wir haben doch momentan wirklich andere Probleme. PS: Momentan wird Saudi Arabien von wem auch immer wieder ordentlich aufgerüstet. So kann kein Frieden geschaffen werden!

Bon Hoefer: Die Aussage, daß die CDU in BaWü die direkte Nachfolgepartei der NSDAP ist, ist mir neu. Ich glaube kaum, daß er (sie oder es) diese Aussage auch öffentlich machen würde, wenn er sich nicht hinter der Anonymität verstecken könnte. Geschichtslosigkeit wäre noch das Harmloseste, was ihm vorzuwerfen wäre !

unglücklich: Die Überschrift 'Französische KZ-Häftlinge fanden hier den Tod' ist auch sehr unglücklich gewählt. Da sollte sich der Journalist überlegen was er da geschrieben hat.

Graf: Ich frage mich, wen das heute noch interessiert! Ich empfehle einen Blick in den Kalender: Das Nazi-Regime ging vor nunmehr 67 (!!!) Jahren unter. Und der Graf ist seit sieben Jahren tot. Ja, ich meine mich zu erinnern, einmal irgendwo etwas davon gelesen zu haben, dass er eine gewisse 'Affinität' zu den Nazis gehabt haben soll ... In längst vergangenen Zeiten. Dass die Familie nun aufgefordert wird, sich zu diesem Thema zu äußern - nun ja. An deren Stelle würde ich überhaupt nicht reagieren - ungefähr nach dem österreichischen Motto: 'Das ignorieren wir noch nicht einmal.'

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