Nürtingen Drehleiterwagen hat nur noch Schrottwert

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Nach einem spektakulären Unfall Mitte Juni hat das kaputte Feuerwehrauto einen Totalschaden. Die Stadt will nun ein Fahrzeug kaufen, das für Demonstrationszwecke genutzt worden ist. Der Preis liegt bei mindestens 550 000 Euro.

Bei dem Unfall am 14. Juni ist ein 33-jähriger Autofahrer schwer verletzt worden Foto: Andreas Rosar
Bei dem Unfall am 14. Juni ist ein 33-jähriger Autofahrer schwer verletzt wordenFoto: Andreas Rosar

Nürtingen - Das kaputte Drehleiterfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Nürtingen wird nicht wieder gerichtet, da ein Totalschaden vorliegt. Eine Reparatur würde rund 120 000 Euro kosten, der Wert des Autos beträgt aber nur noch etwa die Hälfte dieser Summe. Der Stadt hatten sich mehrere Möglichkeiten für einen Ersatz geboten. Der Gemeinderat hat nun in Abstimmung mit der Feuerwehr beschlossen, ein Vorführauto zu kaufen, das zwischen 550 000 und 590 000 Euro kostet.

Der spektakuläre Unfall liegt bereits einige Wochen zurück. Am 14. Juni, an einem Samstagvormittag in den Pfingstferien, rückte die Nürtinger Feuerwehr gegen 7.30 Uhr wegen eines Brandalarms aus, der sich später als Fehlalarm entpuppte. Der 30-jährige Fahrer des Drehleiterfahrzeugs kippte in einer engen Kurve an der Ecke Neuffener Straße/Steinengrabenstraße wegen überhöhter Geschwindigkeit um: direkt auf den VW Passat eines 33-Jährigen, der auf den Gehweg gefahren war, um dem Löschzug der Feuerwehr freie Fahrt zu gewähren.

Feuerwehren Kirchheim und Metzingen helfen aus

Der Passat-Fahrer erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Mit Blick auf die dramatischen Fotos von der Unfallstelle musste man jedoch froh sein, dass der Mann überhaupt noch lebte. In dem Feuerwehrauto befanden sich drei Floriansjünger, von denen einer leicht verletzt wurde. Für die Dauer der Unfallaufnahme musste der Straßenbereich vor dem Amtsgericht Nürtingen gesperrt werden.

Da die Drehleiter danach nicht mehr einsatzfähig war, halfen die Feuerwehren von Kirchheim und Metzingen zehn Tage lang aus. Mittelfristig wäre das jedoch keine Lösung gewesen, weil es unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich war, die vorgeschriebenen Hilfsfristen für die Menschenrettung und die Brandbekämpfung einzuhalten. Notgedrungen mietete Nürtingen ein Drehleiterfahrzeug an. Die Kosten hierfür belaufen sich auf täglich 226 Euro. Pro Monat muss die Stadt 7000 Euro für die Mietleiter aufwenden.

Stadt setzt auf Zuschüsse des Landes und des Landkreises

Für den Kauf eines Vorführdrehleiterfahrzeugs sprach, dass dieses relativ kurzfristig gekauft werden kann und so Mietkosten gespart werden können. Ein weiterer Vorteil ist die gute Ausstattung von Vorführautos, die zwischen 550 000 und 590 000 Euro kosten. Die Stadt muss diese Summe zunächst voll finanzieren, rechnet jedoch mit späteren Zuschüssen seitens des Landes und des Landkreises in Höhe von insgesamt rund 310 000 Euro. Von der Versicherung erwartet das Nürtinger Rathaus 65 000 Euro für das vollkaskoversicherte Unfallfahrzeug. Bei dieser Kalkulation verbleiben bei der Stadt für die teuerste Fahrzeugvariante unter dem Strich Restkosten von rund 215 000 Euro. Voraussetzung für die Gewährung des Landeszuschusses ist allerdings, dass das Fahrzeug nicht älter als 18 Monate ist und nicht mehr als 20 000 Kilometer auf dem Tacho hat.

Zur Finanzierung des Vorführwagens schiebt Nürtingen die eigentlich in diesem Jahr vorgesehene Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs für 430 000 Euro nach hinten. Die noch fehlenden 160 000 Euro werden nun nachträglich in den Haushalt eingestellt. Geplant war ursprünglich, das im Mai verunfallte Fahrzeug in vier Jahren auszumustern und ein neues zu kaufen.

Oberbürgermeister: Verletzten geht es wieder gut

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, gleich ein neues Drehleiterauto zu erwerben. Die damit verbundene EU-weite Ausschreibung hätte jedoch eine schnelle Anschaffung verhindert, wodurch sich die Kosten für die Mietleiter um ein Vielfaches gesteigert hätten. Bei allem Ärger über die Ausgaben herrscht im Rathaus Erleichterung, dass der Unfall letztlich glimpflich ausgegangen ist. „Allen Beteiligten geht es inzwischen wieder gut“, erklärte der Oberbürgermeister Otmar Heirich in der Gemeinderatssitzung.