Nürtingen Ehemaliger Flüchtling schenkt Stadt ein Kunstwerk

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Mit einer Stahlskulptur dankt der Freiburger Arzt und Künstler Roland Phleps Nürtingen für die freundliche Aufnahme nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Schlanke Eleganz: die Skulptur harmoniert mit der Architektur des Bads. Foto: Ines Rudel
Schlanke Eleganz: die Skulptur harmoniert mit der Architektur des Bads.Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Fast sieben Jahrzehnte sind vergangen, seit Roland Phleps nach dem Krieg im Jahr 1946 als Heimatvertriebener aus Hermannstadt in Siebenbürgen nach Nürtingen gekommen ist. Doch die Zeit in der Hölderlinstadt ist dem Arzt und Stahlbildner, der sich Ende der 1950er Jahre in Freiburg niedergelassen hat, bis heute in guter Erinnerung geblieben.

Jetzt hat Roland Phleps der Stadt Nürtingen die Stahlskulptur „Dreikantpfeiler“ geschenkt, die vor dem Hallenbad einen festen Standort gefunden hat. „Sie soll ein Ausdruck des Dankes sein für die freundliche Aufnahme der ganzen Familie Phleps“, sagte der Künstler bei der Enthüllung seines Werkes.

Skulptur soll Mahnmal werden für Opfer von Krieg und Gewalt

Die sechs Meter hohe und 600 Kilogramm schwere Konstruktion aus Stahlblech sei gleichzeitig ein Zeichen der Erinnerung. „Erinnerung daran, dass damals Millionen deutscher Kriegsflüchtlinge und Vertriebener die Hilfe selbst notleidender Einheimischer gefunden haben. Sie konnten sich neu verwurzeln, was für beide Seiten oft nicht leicht gewesen ist“, erläuterte Roland Phleps. Vor allem der Nürtinger Arzt Oskar Meier und der damalige Plochinger Chefchirurg Eugen Müller hätten Roland Phleps Vater sehr geholfen, nachdem dieser in Nürtingen nach dem Ende des Kriegs wieder als Mediziner zu praktizieren begonnen hatte, erzählt der ehemalige Flüchtling.

Die Skulptur selbst ist von einfacher, schlichter Schönheit. Ihre schlanke Eleganz harmoniert mit den klaren Formen des Hallenbads aus Beton, Stahl und Glas. „Wir können dem Kunstwerk die Bedeutung eines Erinnerungsmals, vielleicht auch eines Mahnmals geben, wenn wir an die hilfsbedürftigen Opfer von Krieg und Gewalt unserer Tage denken“, meinte Roland Phleps. Der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich sprach dem Bildhauer für ein „ganz besonderes und gewichtiges Geschenk“ seinen Dank aus und freute sich, dass die enge Verbundenheit mit der Stadt Nürtingen auch nach so langer Zeit immer noch Bestand hat.