O-Ton Berlinale Wilde im Adlon

Ariana Zustra, 15.02.2013 14:50 Uhr

Stuttgart/Berlin - Mausi“, stupst eine Frau in Paillettenkleid und Glitzerstilettos eine andere an, „wer ist das?“ Micaela Schäfer stakt gerade vom roten Teppich, während sich Typen an sie drücken, um Fotos mit ihren Smartphones zu knipsen. „Ein Nacktmodel“, antwortet die andere Frau. „Ist die bekannt?“ – „Ja, schon“. Die Promijägerin schiebt sich durch die Horde und erbeutet ein Foto mit der Ex-Dschungelcamp-Teilnehmerin.

„Los Banditos Films goes wild“ lautet das Motto dieser Aftershow-Party der Berlinale. Die Stuttgarter Produktionsfirma Los Banditos Films hat an diesem Abend ins Hotel Adlon Kempinksi am Branderburger Tor eingeladen. Wie passen die jungen Wilden ins Edelhotel? „Wir machen das Adlon eben zu unserem Adlon“, sagt der 35-jährige Chef Timo Mayer. Lebensgroße Nashorn- und Gepardenfiguren markieren in den Hochglanzfluren ihr Revier, im Ballsaal flimmern Raubtiere über die Leinwand. Dem Ruf der Wildnis folgten entsprechend Partylöwen, Silikonmiezen, Botoxbären. Fleischbeschau, frei zum Abschuss.

Vor 13 Jahren hat Mayer mit seinem Kumpel Benjamin Eicher die LB Films gegründet. Sie begannen ihr Schaffen mit düsteren Hip-Hop-Musikvideos und abseitigen Low-Budget-Streifen wie „Schaffe, schaffe, Scheiße baue“ über eine Ufolandung in Stuttgart. Anfangs ernteten sie viel Ablehnung. „Vielleicht hatten die Leute Angst vor unseren Stoffen. Wir haben uns Banditen genannt, um zu provozieren. Wir waren der Sturm und Drang des deutschen Films“, sagt Mayer. Mit Mut, Enthusiasmus und Plackerei erkämpften sich die Underdogs einen Weg nach oben. Heute produziert die kleine Independent-Firma auch Werbefilme und handelt mit Lizenzen für internationale Spielfilme. Vor zwei Jahren hatten sie den richtigen Riecher und stellten sich binnen weniger Tage auf den Trend 3D-Produktion ein. Mittlerweile sind Los Banditos eine der weltweit führenden Filmfirmen im Bereich Tier- und Naturdokumentationen in 3D. Sie produzieren für die NBC Universal Studios London, National Geographic hat auch schon angefragt.

Schmetterlingsdokus und Böse-Buben-Filme

Schmetterlinge einerseits, Böse-Buben-Filme andererseits – für die beiden kein Widerspruch. „Wir lieben das Extreme, wir wollen mit unseren Themen anecken“, sagt der 38-jährige Eicher. „Diese Energie wollen wir positiv nutzen und auf bedrohte Tiere und Naturräume aufmerksam machen.“ Sie blieben sich dabei selbst treu, sagen sie. „Wir werden immer Banditen bleiben.“

Als Dankeschön an alle Filmschaffenden, die sie unterstützen, organisieren die Stuttgarter seit sechs Jahren eine Feier auf der Berlinale. Was 2007 in einem kleinen Hotel mit 300 Gästen begann, hat sich inzwischen zu einer der größten Partys der Filmfestspiele gemausert. „Die Banditen wissen halt, wie man feiert“, sagt Mayer. In diesem Jahr scheuten sie keine Kosten und Mühen. Nur für Promis zahlen sie nicht.

Etwa 1600 kommen, 1200 sind auf der Gästeliste. Stars wie Gérard Depardieu, Veronika Ferres, Til Schweiger oder Moritz Bleibtreu lassen sich trotz Einladung nicht blicken. Dafür tauchen die Ex-Millionärsgattin Tatjana Gsell und ihre Busenfreundin Djamila Rowe auch ohne Einladung auf. Weitere Gäste: die Ex-Dschungelcamp-Exotin Indira Weis, der Playboysenior Rolf Eden mit jungen Früchtchen, der Partykönig Michael Ammer, die Ex-DSDS-Kandidatin Annemarie Eilfeld, der Ex-Star-Search-Sieger Martin Kesici, diverse Castingdauerkandidaten, Realityshow-Opfer, Soapsternchen. 120 Fotografen, Journalisten, TV-Teams, meist von der Regenbogenpresse, lassen sie nicht aus den Augen. Der Andrang übertrifft sogar die Veranstaltungen von Bunte oder BMW. Ähnlich viele Besucher verbucht nur „Movie meets Media“ von Sören Bauer im Ritz-Carlton, die Vorzeige-Promiparty der Festspiele.