Oskar Beck Kolumne Das bittere Ende als Michael Ballast
Oskar Beck, 01.02.2012 19:05 Uhr
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Nicht mehr der Jüngste, trotzdem denkt Michael Ballack noch nicht an Abschied. Foto: dapd
Nicht mehr der Jüngste, trotzdem denkt Michael Ballack noch nicht an Abschied. Foto: dapd
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Stuttgart - Der größte Kuli aller Zeiten war kein Kugelschreiber, sondern Hans-Joachim Kulenkampff. Jahrzehntelang war er unser Quizgott der Fernsehunterhaltung und hat zum Samstagabend gehört wie der ARD-Pfarrer mit dem "Wort zum Sonntag" - und als er im höheren Alter irgendwann Amen sagte, war halb Deutschland wie gelähmt. Eine TV-Illustrierte hat damals den Jungreporter B. mit keinem geringeren Auftrag zu Kuli entsandt als dem, die alte Kanone mit allen Mitteln der Überredungskunst zum Comeback zu zwingen. Wir saßen also eines Abends bei einem Schoppen Wein im Hamburger Brahmskeller - und B. gab dem Maestro Honig, bewunderte sein gutes Aussehen und kam schließlich unverblümt zur Sache: "Wann fangen Sie wieder an?"

Kuli lachte sich tot. "Ich bin zu alt", sagte er und rasselte die wasserdichten Beweise nur so herunter. Er lief die 100 Meter nicht mehr in 11,1 Sekunden. Er stieß die Kugel nicht mehr über 18 Meter. Das Knie tat weh. "Und raten Sie mal", sagte er, "wie daheim die Tennistruppe heißt, der ich angehöre: Sargriege." Das klang alles verdammt plausibel. Und vor allem sehr endgültig. Doch was passiert kurz danach? Das knallharte Gegenteil. Kuli war wieder da. Die Show ging weiter. Er konnte nicht anders.

Warum wir die alte Geschichte erzählen?

Weil dieser Tage die Kritiker von Michael Ballack hemmungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fassungslos fragen, wann dieser sture Bock endlich kapiert, dass er sein Verfallsdatum überschritten hat und es Zeit ist, die Memoiren zu schreiben, das Hündchen spazieren zu führen oder am Chiemsee Frisbee zu spielen.

Unwürdige Auswüchse hat diese menschliche Tragödie angenommen, denn jedes Schmidtchen liest dem Schmidt die Leviten und wirft ihm die hässlichsten Dinge vor - vor allem seine Unfähigkeit, die Gesetze des Geschäfts so zu akzeptieren, wie sie sind: brutal und unmenschlich. Motto: Warum akzeptiert dieser alte Sack nicht, dass Fußball keine Denkmalpflege und die Uhr mit 35 abgelaufen ist?

 

Kommentare (5)
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FEB
02
Linienrichter, 19:05 Uhr

sehr guter Artikel . Einen Oskar für Beck .

Beck schreibt wie kein Zweiter . Weiter so .

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FEB
02
Thomas Maier, 10:26 Uhr

Ballacks schwacher Abgang

Sorry, für den Artikel gibts keinen Oscar, nicht mal für den sonst hoch verehrten Beck. Es ist traurig, was mit Ballack geschieht, Keine Frage. Aber es ist noch trauriger, wenn er einer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, weiter macht und sich zum Schluss der Lächerlichkeit preis gibt. Wie ein in die Jahre gekommener Clown. Wer allerdings die Ballackschen Eskapaden im Lauf der Jahre verfolgt hat, seinen Egoismus, sein Treten nach unten, der wundert sich nicht , dass der Leitwolf nun von der Meute gebissen wird. Ballack selber nahm nie Rücksicht. Weder in der Nationalmannschaft (zusammen mit seinem Bruder im Geiste Frings) noch bei Bayern. Wer Ballack kritisierte, konnte sicher sein, alsbald von seinem Berater zu hören. Ballacks Ich-AG funktioniert halt nur so lange, wie sie erfolgreich ist. Kurz vor der Pleite scheitert sie und dann ist keiner da, der ihnen wirklich nachtrauert. Es ist schlimm, wenn man seinen Abgang erst verpasst und dann versaut. Ähnlich wie bei Mohammad Ali, der sich zum Schluss von zweitklassigen Gegnern vermöbeln ließ. Der aber im Gegensatz zu Ballack ein wirklicher Weltstar warund dies bis heute zeigt. Es wäre Ballack zu gönnen, dass er nachdem er irgendwann mit 40 zu spielen aufhört, sich selber reflektiert, wahre Größe findet und zeigt. Dann fang ichan, ihn sypmathisch zu finden.

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FEB
02
zimbo, 09:26 Uhr

@mk13

bei Oskar Beck muss man in der Lage sein zwischen den Zeilen lesen zu können, was Ihnen offensichtlich nicht gegeben ist... Wie meistens: treffender Kommentar von ihm!

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