Pferdefleisch für Arme? Die Empörung ist groß

Von dpa 

Der Vorschlag, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen, kommt nicht gut an. "Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser.

Der Vorschlag, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen, kommt nicht gut an. Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser. Foto: dpa
Der Vorschlag, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen, kommt nicht gut an. "Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser.Foto: dpa

Berlin - Der Vorschlag, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen, hat eine Welle der Empörung ausgelöst. „Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser. Es sei entwürdigend, wenn Produkte, die die Mehrzahl der Verbraucher ablehne, als gut genug für Bedürftige eingestuft würden.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer hatte vorgeschlagen, aus den Läden genommene Produkte wie Lasagne mit undeklarierten Pferdefleisch-Anteilen nicht voreilig zu vernichten. Er regte an, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen.

Ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums sagte am Freitag, es reiche nicht aus, solche Produkte nur neu zu kennzeichnen. Lückenlos geklärt sein müsse auch, woher alle Zutaten stammten. Daher sähen etwa die Tafeln eine Weitergabe zu Recht sehr kritisch.

"Kann man nicht Hartz-IV-Beziehern andrehen"

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, sagte: „Wenn die Menschen in Deutschland das nicht essen wollen, weil sie völlig verunsichert sind, was da überhaupt drin ist, oder wenn sie es auch nur eklig finden, dann kann man das jetzt nicht Hartz-IV-Beziehern andrehen.“

Fischer verteidigte seinen Vorschlag. „Wenn Sie so wie ich in Afrika ständig Menschen sterben sehen, dann haben Sie ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln“, sagte der Entwicklungspolitiker. Er wolle nicht, dass diese Produkte vernichtet würden - stattdessen sollten sie lieber von Menschen gegessen werden. Er habe auch positive Rückmeldungen bekommen.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer kritisierte, Tafeln seien keine „Resterampe der Republik“. „Nie im Leben wäre Herr Fischer auf die Idee gekommen, die Pferdefleischprodukte für die Verwendung zum Beispiel im Abgeordnetenrestaurant des Bundestages oder auf dem CDU-Bundesparteitag zu empfehlen.“

Tipp-Geber besser schützen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte angesichts des Skandals einen besseren Schutz für Mitarbeiter, die auf Verstöße hinweisen. Diejenigen, die einen Tipp an die Aufsichtsbehörden gäben, dürften nicht damit bestraft werden, dass sie ihre Existenz verlören, sagte der Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg. Ein wirksamer Informantenschutz bedeute, „dass die Hemmschwelle für kriminelles Handeln automatisch erhöht wird“.

Die Opposition im Bundestag attackierte Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) für ihr Krisenmanagement. Sie reagiere immer erst dann, wenn eine Krise schon da sei, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber hielt der Ministerin vor, mit Scheinmaßnahmen darüber hinwegzutäuschen, dass Schwachstellen nicht beseitigt würden.

Aigner kündigt Konsequenzen an

Aigner sicherte erneut zügige Konsequenzen zu. „Wichtig ist, dass wir alles tun, um zu verhindern, dass sich ein solch dreister und skandalöser Etikettenschwindel in Zukunft wiederholt.“ Sie betonte, die Verbraucher und nicht der Handel seien Opfer des Skandals. Laut ZDF-Politbarometer halten 84 Prozent der Wahlberechtigten strengere Gesetze und Kontrollen zu Kennzeichnung und Qualität von Lebensmitteln für richtig.

Die deutschen Behörden entdecken in Lebensmitteln immer mehr undeklariertes Pferdefleisch. Bisher seien von 569 auf Pferde-DNA untersuchten Proben 44 positiv gewesen, teilte das Bundesverbraucherschutzministerium am Freitag mit.

In den Edeka-Läden wie auch erstmals bei der Discount-Tochter Netto wurde das Tiefkühlprodukt Penne Bolognese im 750-Gramm-Beutel aus dem Handel genommen, wie Edeka am Freitag mitteilte. Auch der Discounter Aldi Süd nahm ein weiteres Gericht vorsorglich aus den Regalen: In der „Lasagne 400 g“ seien Spuren von Pferdefleisch nachgewiesen worden. Der Cuxhavener Hersteller Wingert Foods rief am Freitag Zigeuner-Hacksteaks der Marke Maitre Corbell zurück. Es kann dem Unternehmen zufolge nicht ausgeschlossen werden, dass darin Anteile von Pferdefleisch enthalten sind.

 

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6 KommentareKommentar schreiben

nicht freigeg. (ch)Fleisch für arme: Alles gespielte Heuchelei der 'Gutmenschen'. Aus ihrer eigenen Tasche geben sie wenig und fahren lieber selbst ihren Mercedes oder BMW. Tanken für 150 Euro, aber einem Verkäufer von Trottwar gehen sie aus dem Weg. Heuchler allesamt. Aber Bahnhofsgegener sind halt so. Wissen zu allem einen Rat, aber nach einer Demo starrt die Stadt vor Dreck. Würde man mir so eine Lasagne schenken oder für 50 Cent zum Kauf anbieten, meine Kühltrihe wäre voll. Das ist doch kein Gammelfleisch, sondern nur nicht dem Inhalt nach deklariert. Wie hoch ist denn überhaupt der prozentuale Anteil von Pferdefleisch in so einer Packung?

Die Gutmenschen meckern wieder..: Was soll die Heuchelei? Ärmeren etwas zu geben, was Reichere nicht mehr brauchen, funktioniert bei der Altkleidersammlung und den Möbeldepots des Roten Kreuz seit Jahren. Viel Perverser ist es doch, sog. Wenigverdienern für andere minderwertige Lebensmittel, wie Fischstäbchen, Chickennuggets, Formfleischkunstschinken und Analogkäse das Geld aus der Tasche zu ziehen... ..dann doch lieber verschenken..

bravo Herr Fischer: Da können wir als ehrenwerte (cdu) Gesellschaft auch Rattenfleisch für unsere HartzIVer und Amazon Leiharbeiter feigeben. Ist ja nicht gesundheitsgefährdend - und alle mal besser als zu hungern!

Nach einem Arbeitstag diese Meldung: Freitag 16:00 seit 07:00 unterwegs. Noch ne gute Stunde bis Daheim. Durchgeschafft bis auf das grenzwertige Kantinenessen. Nichtknuspriges Schnitzel mit lätschigen Fritten und lummeligem Salat. Wohlwissentlich für den Lohn dieser Arbeit so etwa 40% denen geben zu müssen die scheints das brauchen sonst können sie nicht gut leben.Dann sind sie sich noch zu gut.... Da fällt mir das halbverdaute Schnitzel wieder aus dem Gesicht!

Muffin Tops: die Diskussion erinnert mich an eine alte Seinfeld-Episode, bei der Elaine ein Geschäftsmodell darauf gründet, Die Oberteile von Muffins zu verkaufen ... und die Unterteile an das Obdachlosenasyl zu spenden. http://www.youtube.com/watch?v=_z9NyQnDdz4

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