Pferdefleisch in Deutschland Viel Eisen, kaum Cholesterin

Eva-Maria Manz und Cedric Rehman, 15.02.2013 09:20 Uhr

Stuttgart/Berlin - Pferd hat in Rinderlasagne nichts zu suchen. Aber viele essen das fettarme Fleisch mit voller Absicht. Rossschlachter wie der Waiblinger Metzger Rolf Beerwart weisen auf die hohen Qualitätsstandards für Pferdefleisch in Deutschland hin. Die Schlachter arbeiten oft als Familienbetriebe, die bereits in der dritten oder vierten Generation geführt werden und ihre Produkte aus der Region beziehen. Beerwart zum Beispiel führt die Waiblinger Metzgerei fort, die sein Großvater 1945 gegründet hat. Die meisten Pferdemetzgereien haben eine treue Stammkundschaft, die besonders auf die Qualität des Fleisches Wert legt. Der Prenzlauer Rossschlachter Frank Plaumann sagt: „Pferdefleisch schmeckt sehr gut, wer es kennt, schätzt es. Der Geschmack liegt irgendwo zwischen Rind und gutem, nicht zu strengem Wild.“

Aus Pferdefleisch kann man so gut wie alles machen. Der Waiblinger Metzger Rolf Beerwart verkauft Kotelett, Steak, Filet, Knackwurst, Lyoner und auch einen schwäbischen Rostbraten. Den würden aber ausgerechnet schwäbische Wirtshäuser so gut wie nie bei ihm bestellen. „Der Schwabe ist da komisch“, sagt Beerwart. Seine Kunden sind stattdessen zum einen Gastronomiebetriebe aus dem kulinarisch offenbar etwas aufgeschlossenerem Bayern, zum anderen private Verbraucher aus der Region.

Pferd essen? Reine Kopfsache

Früher habe Pferdefleisch als Arme-Leute-Essen gegolten, sagt Rolf Beerwart. Das hat eine lange Tradition, die bis ins achte Jahrhundert zurück geht. Papst Gregor III. sprach 732 ein Verbot des Verzehrs von Pferden aus: Das sei „unrein und verabscheuungswürdig“. In der Folge waren es jahrhundertelang nur die Armen, die in der Not Pferdefleisch aßen – bis in die Hungermonate nach dem Zweiten Weltkrieg. „Ich glaube, dass sich deshalb heute manche noch genieren, Pferdefleisch zu kaufen“, sagt Rolf Beerwart. Heute habe der Verzicht auf Pferdefleisch oft eher emotionale Gründe. Es sei die Hemmung, ein Tier zu essen, dass geritten werde, meint Beerwart. „Bei Schwein oder Rind haben wir ja kein Problem, dass ist aber nur Kopfsache.“

Die Rossschlachter verkaufen ihr Fleisch im eigenen Laden, auf Märkten und vor allem auch im Internet. Zudem liefern sie an Hotels und Veranstalter. Rolf Beerwart und Frank Plaumann können sich nicht vorstellen, weshalb es offenbar in Rumänien günstiger war, in die Fertiggerichte Pferdefleisch zu schummeln. „In Deutschland ist es heute recht teuer und aufwendig, Pferde zu schlachten. Wir kaufen unsere Tiere generell selber, wir bekommen sie aus unserer direkten Umgebung“, erklärt der Prenzlauer Metzger Frank Plaumann. Sein Waiblinger Kollege Rolf Beerwart würde ebenfalls niemals Fleisch aus Osteuropa kaufen. „Unsere Pferde kommen aus einem Umkreis von maximal 200 Kilometern“, sagt er. Wie es in Osteuropa zugehe, könne man nicht beurteilen. „Deshalb kann ich es auch nicht meinen Kunden zumuten“, meint Rolf Beerwart.