Pforzheim Amazon sucht mehr als 1000 Arbeitskräfte
Andrea Koch-Widmann, 29.01.2012 11:56 Uhr
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Schnelligkeit ist alles: Der Internetversandhändler Amazon baut in verkehrsgünstiger Lage an der Autobahn 8 bei Pforzheim. Foto: dpa
Schnelligkeit ist alles: Der Internetversandhändler Amazon baut in verkehrsgünstiger Lage an der Autobahn 8 bei Pforzheim. Foto: dpa
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Pforzheim - Die Goldstadt Pforzheim hat einen Goldfisch an Land gezogen. Der Internetversandhändler Amazon siedelt sich im Gewerbegebiet Buchbusch nahe der A8 mit einem großen Logistikzentrum an. Das beschert der Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote im Land (7,5 Prozent bei einem Landesschnitt von 3,6 Prozent) rund 1000 sozialversicherungspflichtige feste Arbeitsplätze sowie rund 2000 Saisonjobs.

Das wiederum dürfte den Sozialetat der Stadt deutlich entlasten, wenn Langzeitarbeitslose Arbeit finden. Die Haushaltslage der hochverschuldeten Stadt (über 80 Millionen Euro) wird sich durch eine erkleckliche Erhöhung der Gewerbesteuer verbessern, zudem hat die Stadt rund 17 Hektar Baugrund im Gewerbegebiet Buchbusch an Amazon verkauft. Über die Summe wurde nichts bekannt.

Herkulesaufgabe für Arbeitsagentur und Jobcenter

Gründe genug also für den Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) und die dreiköpfige Bürgermeisterriege, um die Wette zu strahlen, als sie am Freitag zusammen mit Vertretern von Amazon, der Arbeitsagentur und des Jobcenters der Stadt das Projekt im Rathaus vorstellten. Mit dem Bau wurde bereits vor Weihnachten begonnen. Laut dem straffen Zeitplan soll das Logistikzentrum mit den gigantischen Maßen (454 Meter lang, 219 Meter breit) im Herbst in Betrieb gehen.

Baubürgermeister Alexander Uhlig erinnerte an die rekordverdächtig schnelle Arbeit im Vorfeld: "Erstkontakt" am 10. August, Vertragsabschluss am 9.Dezember; am 14.November stellte Amazon den Bauantrag, am 29.November wurde eine Teilgenehmigung erteilt, am 20.Dezember das Baugesuch genehmigt. "In Pforzheim wurde hochprofessionell gearbeitet", waren die Amazon-Vertreter voll des Lobes.

"Ab sofort werden wir mit der Einstellung von Mitarbeitern beginnen", sagte Armin Cossmann, Leiter der deutschen Amazon-Logistikzentren. Er gab damit den Start frei für "die größte Mitarbeitersuche in der Geschichte der Stadt Pforzheim nach Kriegsende", sagte OB Gert Hager. Dieser Herkulesaufgabe werden sich die Arbeitsagentur Pforzheim sowie das Jobcenter der Stadt mit einer Task-Force gemeinsam stellen. "Es gibt ein Büro, eine Telefonnummer, eine Mailadresse", sagte Walter Reiber, der Chef der Arbeitsagentur.

Motivation, Bereitschaft zur Schichtarbeit und körperlicher Arbeit

Reiber geht davon aus, dass man dem Arbeitgeber Amazon rund drei- bis viertausend Mitarbeiter vorschlagen werde, mitsamt den Saisonjobs gehe er von der Prüfung von rund 10.000 Bewerbungen aus. Auch wenn in der Stadt Pforzheim rund 4500 Menschen arbeitslos gemeldet seien (davon rund 1500 bereits länger als ein Jahr), könnte der große Bedarf an Arbeitskräften nicht alleine in der Stadt gedeckt werden.

In die Suche miteinbezogen würden der Enzkreis, der Kreis Calw und der Karlsruher Raum. Bereits im Vorfeld seien schon mehr als 200 Anfragen eingegangen, sagte Reiber. Auch beim Jobcenter hätten schon etliche Langzeitarbeitslose nachgefragt, sagte der Leiter Jochen Wacker. Bei Stundenlöhnen von mehr als 9,30 Euro, eine Zahl, die der Logistikleiter nicht dementierte, ist das allerdings auch kein Wunder. Cossmann machte deutlich, dass mehr als 90 Prozent der Amazon-Mitarbeiter einen erlernten Beruf hätten. Bedingung für die Jobs mit einfachen Tätigkeiten sei dies aber nicht.

Hierfür seien drei Dinge notwendig: "Wir erwarten Motivation, Bereitschaft zur Schichtarbeit und körperlicher Arbeit", sagte der Leiter der Logistikzentren. Er bestätigte, dass auch in Pforzheim die "Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitergeber" (MAG) eingesetzt werde, das heißt eine für den Konzern kostenlose Probearbeit. Die Probearbeiter erhalten keinen Lohn, sondern in dieser Zeit weiterhin Arbeitslosengeld oder HartzIV. Über Zahl und Dauer werde mit der Arbeitsagentur verhandelt.

Kommentare (14)
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APR
21
Wone, 15:04 Uhr

9.50 ist nichts?

Also über diese Beiträge staune ich! 9.50 € sind 19 DM x 160 Stunden sind 3000.- Dm oder eben 1500 €, wohlgemerkt für Hilfsarbeiter, die oft im Leben den bequemen Weg gewählt haben. Die Chancen aber aus einem Arbeitsplatz mit der Zeit mehr zu machen ist mit einer Anstellung wohl eher möglich. Im Großraum Raststatt/Karlsruhe/Pforzheim/Stuttgart dürfte das kein Problem sein. Ich kann nur sagen durch Amazon sind diese Chancen weitaus höher, als wenn man nur mit Silber und Gold dahindümpelt

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JAN
31
Michael Heier, 11:55 Uhr

(Mindest-)Lohn

Ich weiß, 9,30 EUR Stundenlohn sind nicht wirklich viel - aber dennoch deutlich mehr als die 7,89 EUR, die eine Zeitarbeitsfirma einem Lagerhelfer bezahlen würde. Sollte man sich auch einmal vor Augen halten, bevor man über eine absolute Zahlenangabe meckert.

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JAN
30
Quinky, 17:22 Uhr

Amazon

Jeder Arbeitslose sollte auf jeden Fall die Probearbeit ablehnen, da hier Ausbeutung und Sklavenhandel durchgeführt wird. Wer arbeitet soll Lohn bekommen. Auch ist der Staat nicht dafür da, das der Arbeitgeber keinen Lohn zahlen muß, sondern lediglich die Gewinne abschöpfen kann. Die Allgemeinheit soll dann die Lohnzahlung übernehmen. Falls der Bürgermeister weiterhin für Probearbeiten ist, sollte er wegen tausendfachen Sklavenhandel angezeigt werden! Gruß Ernie

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