InterviewPolizistin Tania Kambouri „Die nehmen diesen Staat nicht ernst“

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Die Streifenpolizistin und Autorin Tania Kambouri beklagt eine zunehmende Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber der Polizei – vor allem durch junge islamische Männer.

Tania Kambouri wurde als Kind griechischstämmiger Eltern in Deutschland geboren. Sie fährt bis heute Streife in   ihrer Heimatstadt Bochum. Foto: Sascha Kreklau
Tania Kambouri wurde als Kind griechischstämmiger Eltern in Deutschland geboren. Sie fährt bis heute Streife in ihrer Heimatstadt Bochum.Foto: Sascha Kreklau
Stuttgart – - Tania Kambouri ist in diesen Tagen die wohl gefragteste Polizistin Deutschlands: Seit der Veröffentlichung ihres Buches „Deutschland im Blaulicht. Notruf einer Polizistin“ ist die 32-Jährige häufig zu Gast in deutschen Talkshows. In ihrem Buch schildert Kambouri die Probleme, denen sie beim Streifendienst in Bochum begegnet. Eine Gruppe bereitet aus Sicht der griechisch-stämmigen Beamtin besonders häufig Ärger.
Frau Kambouri, in Ihrem Buch beklagen Sie die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Polizisten – vor allem ausgehend von Männern mit Migrationshintergrund. Schildern Sie einmal eine typische Situation.
Es sind meist Routineeinsätze – etwa wenn wir eine Verkehrskontrolle machen. Häufig beschweren sich diese Männer über die Kontrolle und folgen unseren Anweisungen nicht. Wenn wir auf der Straße im Einsatz sind, rufen sie sofort Freunde und Verwandte und bedrängen uns. Das geht bis zu dem Punkt, dass wir uns zurückziehen müssen – aus der Befürchtung, den Einsatz nicht bewältigen zu können. Meist haben wir Probleme mit jungen Männern aus muslimisch geprägten Ländern. Da fehlt der grundlegende Respekt gegenüber der deutschen Staatsgewalt.
Woher kommt das aus Ihrer Sicht?
Sie bekommen das schon in ihrem Elternhaus vermittelt. Sie identifizieren sich nicht mit dem deutschen Staat – obwohl sie in Deutschland geboren sind oder schon lange hier leben. Manche sagen offen: „Scheiß auf Deutschland“. Sie benehmen sich, als wäre es nicht ihr Staat, als wären sie hier nicht willkommen. Dabei weiß ich als Tochter einer griechisch-stämmigen Familie, dass jeder in Deutschland eine Chance hat, etwas zu werden – auch wenn man ausländisch aussieht.
Die problematischste Gruppe sind aus Ihrer Sicht also junge muslimische Männer...
Da muss ich kurz einhaken: Es sind, soweit ich das erkennen kann, Männer aus muslimisch geprägten Ländern. Ob sie praktizierende Muslime sind, kann ich nicht immer sagen.
Nun zählen diese Männer zur größten Einwanderergruppe in Deutschland. Wird die Zahl ihrer Straftaten nicht auch deshalb als höher wahrgenommen? Gibt es dazu belastbare Zahlen?
Das ist schwer zu sagen, denn die Kriminalitätsstatistik erfasst den Migrationshintergrund nur teilweise. Aber wenn ich mir ansehe, wer in unserem Revier am meisten Ärger macht, dann sehe ich ein klares Muster. Wir haben auch Probleme mit Russen und Polen. Aber wenn die straffällig werden, kommen sie meist aus sozial niedrigen Schichten. Bei straffälligen Männern aus muslimisch geprägten Ländern ist das nicht so klar verknüpft, da sehe ich ein grundlegenderes Problem. Dabei muss ich sagen: Die meisten Muslime in Deutschland sind gut integriert!
Sie berichten von ihren Erfahrungen aus Bochum. Wie erklären Sie sich, dass die Integration von Muslimen in Stuttgart, einer der Großstädte mit dem höchsten Ausländeranteil Deutschlands, so gut funktioniert hat?
Das ist schwierig zu sagen, ich bin auch keine Sozialwissenschaftlerin. Aber ich denke, es hat auch etwas mit Bildung, mit den Jobmöglichkeiten und einer allgemein guten Perspektive zu tun.
Was müsste aus Ihrer Sicht anders gemacht werden?
Ich denke, die Kindergartenpflicht muss kommen. Die Kinder müssen von klein auf mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut gemacht werden. Gegen die, die schon auffällig geworden sind, müssen wir härtere Strafen verhängen. Wenn die nach der fünften Straftat zum Antiaggressionstraining geschickt werden, lachen die sich kaputt! Die nehmen diesen Staat nicht ernst. Und wir Polizisten brauchen mehr Vertrauen und Unterstützung von der Politik. In manchen Gegenden, das muss man sagen, haben wir schon verloren. Da trauen sich die Kollegen mit einem einzelnen Streifenwagen kaum noch rein.
Im Zuge der Flüchtlingskrise kommen nun verstärkt die zu uns, die sie am kritischsten sehen: Junge Männer aus muslimisch geprägten Ländern. Wie sehen Sie das?
Ich war anfangs positiv gestimmt und habe auch die Sicht vertreten, dass wir Flüchtlingen helfen müssen. Aber seit ich wieder Streife fahre, habe ich eine kritischere, differenziertere Sicht auf den Flüchtlingszustrom. Wir erleben es nicht selten, dass Flüchtlinge, die erst seit wenigen Tagen im Land sind, Straftaten begehen.
Das Bundeskriminalamt hat kürzlich eine Lageübersicht veröffentlicht, wonach Flüchtlinge nicht mehr Straftaten begehen, als die deutsche Bevölkerung.
Meine Diensterfahrung und auch die meiner Kollegen ist eine andere. Ich könnte mir vorstellen, dass da etwas gefälscht oder beschönigt wurde, um keine Angst in der Bevölkerung zu schüren. Ich habe ja Verständnis, dass die gedrängten Zustände in den teilweise trostlosen Unterkünften zu aggressivem und frustriertem Verhalten führen. Das ist zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehbar. Aber wenn dieses Verhalten zu Gewalt und Kriminalität auf unseren Straßen führt, können wir das nicht akzeptieren. Solchen Leuten sollte das Bleiberecht entzogen werden.
Sie sind der Ansicht, das BKA fälscht die Zahlen zur Gewalt von Flüchtlingen? Haben Sie konkrete Hinweise dafür?
Nun ja, solche Zahlen über kriminelle Handlungen von Flüchtlingen sind politisch nicht gewollt. Ich denke auch, dass viele Beamte in führenden Positionen von der Politik gesteuert oder wenigstens beeinflusst werden. Denn wer die Wahrheit bei diesem Thema sagt, wird schnell in die Nazi-Ecke gestellt. Dazu kommt, dass in Nordrhein-Westfalen erst seit Kurzem erfasst wird, ob ein Täter Flüchtling ist. Ich kann nur sagen: Meine Kollegen und ich, wir gehen täglich auf die Straße. Wir wissen, was dort passiert.