Pottermore.com ist freigeschaltet Harry Potter für alle

Rebecca Müller, 16.04.2012 19:24 Uhr

Stuttgart - „Alles war gut.“ Mit diesem schlichten Satz endet eine der wohl bekanntesten Kinderbuch-Serien der Gegenwart: Harry Potter. Was wie ein Happy End klingt, geriet für viele Fans zu einem Albtraum, denn eine Fortsetzung der Zauberer-Saga schloss Autorin Joanne K. Rowling kategorisch aus. Aus, Schluss, vorbei also? Nicht so ganz – denn seit Samstag können Potter-Fans die Geschichte ihres Helden im Internet noch einmal ganz neu erleben. „Pottermore“ heißt das Web-Portal, das von Rowling mitgestaltet wurde und das „der Ort ist, an dem Fans jeden Alters die Geschichte teilen, daran teilnehmen und die Potter-Welt neu entdecken können“, wie Rowling in einem Onlinevideo sagt.

Gerüchte über Aussehen und Funktionen von Pottermore kursieren schon seit Monaten im Netz. Im Juli 2011 hatte Rowling den Start der Webseite für den folgenden Oktober angekündigt, jedoch noch weitgehend offengelassen, was Pottermore (@pottermore auf Twitter) genau bieten würde. Dass sich die Freischaltung des Portals dann um mehrere Monate verzögerte, lag offenbar an dessen technischer Umsetzung: Bei den zu erwartenden hohen Zugriffszahlen wäre die Site zusammengebrochen, berichtete die britische Zeitung The Guardian. Es folgten ein aufwendiger Umbau und eine Testphase mit rund einer Million Beta-Nutzern.

Am Samstag ist die Seite nun für jedermann freigeschaltet worden – und die Resonanz ist riesig. „Unsere Erwartungen wurden noch übertroffen“, sagt Pressesprecher Mark Hutchinson, genaue Anmeldezahlen werden jedoch geheim gehalten.

Ankunft auf einem fliegenden Motorrad

Hat man sich einmal ein Pottermore-Konto und einen magischen Nutzernamen zugelegt, erscheint zunächst eine Pforte mit einer Art Spielplan, in den die sieben Harry-Potter-Bücher als Symbole eingearbeitet sind. Diesen Plan gilt es abzuarbeiten – allerdings ist zurzeit überhaupt nur das erste der sieben Bücher für Pottermore aufbereitet.

Und so beginnt das Spiel mit dem ersten Kapitel des ersten Buches: Im Ligusterweg in London landet ein fliegendes Motorrad und eine Truppe seltsamer Gestalten liefert ein Baby an einem Haus ab – alles klassischer Potter-Inhalt. Die Geschichte wird in mehr oder weniger statischen Bildern erzählt, zu denen kurze Texte grundlegende Informationen liefern. Man kann die einzelnen Szenen durch Zoomen näher erkunden, zusätzliche – von Rowling bisher nicht veröffentlichte – Fakten zu Charakteren und Orten aufrufen oder sich einfach nur von den liebevoll aufbereiteten Szenen und Hintergrundgeräuschen in die Potter-Welt entführen lassen.

Wer jedoch erwartet, hier die sieben Bücher kostenlos durchschmökern zu können, der wird enttäuscht. Den Volltext bietet Rowling als E-Book oder Hörbuch (bisher nur auf Englisch erhältlich) exklusiv auf Pottermore.com zum Download an. In den ersten drei Tagen erzielte die E-Book-Ausgabe allein einen Umsatz von rund 1.200.000 Euro.

Interaktives Miteinander

Interaktiv wird das Spiel erst in Kapitel fünf. In Ollivanders Zauberstabladen muss der User einige Fragen beantworten, nur so kann der Zauberstab ausgewählt werden. Nach der Fahrt mit dem Hogwarts Express kommt dann für viele Potter-Fans der Höhepunkt schlechthin: die Zuordnung zu einem der vier Hogwarts-Häuser. Der sprechende Hut teilt ein. Wer diese Prüfung besteht, kann gegen Mitspieler im magischen Zweikampf antreten, Zaubertränke brauen und weitere Herausforderungen meistern, mit denen auch Harry, Hermine und Ron im Buch zu kämpfen haben.

Kurzum: Pottermore ist optisch hübsch gemacht, hält sich sicherlich zur Freude vieler Fans sehr genau an die Romanvorlage und hat einige Exklusivinformationen zu bieten, die es sonst nirgendwo zu lesen gibt. Jedoch dauert es recht lang, bis man selbst aktiv in die Handlung eingreifen kann – bis dahin klickt man sich nur stoisch durch die Szenen. Und ob die zusätzlichen Informationsschnipsel auch Nicht-Fans so lange fesseln, dass sie Pottermore bis zum Ende von Buch Nummer sieben treu bleiben, bleibt abzuwarten.