Pottermore.com ist freigeschaltet Harry Potter für alle

Von Rebecca Müller 

Das Warten hat ein Ende: Die Harry-Potter-Webseite Pottermore.com ist freigeschaltet. Wir haben sie ausprobiert. Unser Fazit: ein hübsches Spiel, aber kein Knaller.

Mit dem Hogwarts-Express geht es zur Zauberschule. Foto: Pottermore.com 16 Bilder
Mit dem Hogwarts-Express geht es zur Zauberschule.Foto: Pottermore.com

Stuttgart - „Alles war gut.“ Mit diesem schlichten Satz endet eine der wohl bekanntesten Kinderbuch-Serien der Gegenwart: Harry Potter. Was wie ein Happy End klingt, geriet für viele Fans zu einem Albtraum, denn eine Fortsetzung der Zauberer-Saga schloss Autorin Joanne K. Rowling kategorisch aus. Aus, Schluss, vorbei also? Nicht so ganz – denn seit Samstag können Potter-Fans die Geschichte ihres Helden im Internet noch einmal ganz neu erleben. „Pottermore“ heißt das Web-Portal, das von Rowling mitgestaltet wurde und das „der Ort ist, an dem Fans jeden Alters die Geschichte teilen, daran teilnehmen und die Potter-Welt neu entdecken können“, wie Rowling in einem Onlinevideo sagt.

Gerüchte über Aussehen und Funktionen von Pottermore kursieren schon seit Monaten im Netz. Im Juli 2011 hatte Rowling den Start der Webseite für den folgenden Oktober angekündigt, jedoch noch weitgehend offengelassen, was Pottermore (@pottermore auf Twitter) genau bieten würde. Dass sich die Freischaltung des Portals dann um mehrere Monate verzögerte, lag offenbar an dessen technischer Umsetzung: Bei den zu erwartenden hohen Zugriffszahlen wäre die Site zusammengebrochen, berichtete die britische Zeitung The Guardian. Es folgten ein aufwendiger Umbau und eine Testphase mit rund einer Million Beta-Nutzern.

Am Samstag ist die Seite nun für jedermann freigeschaltet worden – und die Resonanz ist riesig. „Unsere Erwartungen wurden noch übertroffen“, sagt Pressesprecher Mark Hutchinson, genaue Anmeldezahlen werden jedoch geheim gehalten.

Ankunft auf einem fliegenden Motorrad

Hat man sich einmal ein Pottermore-Konto und einen magischen Nutzernamen zugelegt, erscheint zunächst eine Pforte mit einer Art Spielplan, in den die sieben Harry-Potter-Bücher als Symbole eingearbeitet sind. Diesen Plan gilt es abzuarbeiten – allerdings ist zurzeit überhaupt nur das erste der sieben Bücher für Pottermore aufbereitet.

Und so beginnt das Spiel mit dem ersten Kapitel des ersten Buches: Im Ligusterweg in London landet ein fliegendes Motorrad und eine Truppe seltsamer Gestalten liefert ein Baby an einem Haus ab – alles klassischer Potter-Inhalt. Die Geschichte wird in mehr oder weniger statischen Bildern erzählt, zu denen kurze Texte grundlegende Informationen liefern. Man kann die einzelnen Szenen durch Zoomen näher erkunden, zusätzliche – von Rowling bisher nicht veröffentlichte – Fakten zu Charakteren und Orten aufrufen oder sich einfach nur von den liebevoll aufbereiteten Szenen und Hintergrundgeräuschen in die Potter-Welt entführen lassen.

Wer jedoch erwartet, hier die sieben Bücher kostenlos durchschmökern zu können, der wird enttäuscht. Den Volltext bietet Rowling als E-Book oder Hörbuch (bisher nur auf Englisch erhältlich) exklusiv auf Pottermore.com zum Download an. In den ersten drei Tagen erzielte die E-Book-Ausgabe allein einen Umsatz von rund 1.200.000 Euro.

Interaktives Miteinander

Interaktiv wird das Spiel erst in Kapitel fünf. In Ollivanders Zauberstabladen muss der User einige Fragen beantworten, nur so kann der Zauberstab ausgewählt werden. Nach der Fahrt mit dem Hogwarts Express kommt dann für viele Potter-Fans der Höhepunkt schlechthin: die Zuordnung zu einem der vier Hogwarts-Häuser. Der sprechende Hut teilt ein. Wer diese Prüfung besteht, kann gegen Mitspieler im magischen Zweikampf antreten, Zaubertränke brauen und weitere Herausforderungen meistern, mit denen auch Harry, Hermine und Ron im Buch zu kämpfen haben.

Kurzum: Pottermore ist optisch hübsch gemacht, hält sich sicherlich zur Freude vieler Fans sehr genau an die Romanvorlage und hat einige Exklusivinformationen zu bieten, die es sonst nirgendwo zu lesen gibt. Jedoch dauert es recht lang, bis man selbst aktiv in die Handlung eingreifen kann – bis dahin klickt man sich nur stoisch durch die Szenen. Und ob die zusätzlichen Informationsschnipsel auch Nicht-Fans so lange fesseln, dass sie Pottermore bis zum Ende von Buch Nummer sieben treu bleiben, bleibt abzuwarten.

  Artikel teilen
3 KommentareKommentar schreiben

Enttäuschung: Nach der ersten Spannung ist der erlebte Eindruck von Pottermore leider ein sehr zwiespältiger. Optisch sicherlich rundherum sehr schön gestaltet, und in Bezug auf die Harry-Potter-Welt sehr stimmig, hält sich das, was 'unter der Haube' steckt, in Grenzen. Die Interaktivität in der Buchstrecke beschränkt sich darauf, Bildebenen zu wechseln und ein paar Gegenstände zu finden und einzusammeln. Das Highlight sind sicherlich die Zusatzinformationen, welche einen Einblick in den Schaffensprozess von J.K. Rowling geben. Viele 'neue' Details zu den Figuren, Orten etc. waren allerdings vorher bereits im Harry-Potter-Wiki zu finden. Irgendwann kann man dann auch einen eigenen Zauberstab kaufen, Hogwarts betreten und sich vom Sorting Hat in ein Haus sortieren lassen - nette kleine Spiele in denen über Fragen und Antworten eine Auswahl getroffen wird - die aber ohne Wiederholung bleiben. Und ab da bricht Pottermore ein. Jetzt bleibt nur noch, sich zu Duellieren oder Zaubertränke zu brauen, und damit Punkte für sein Haus zu sammeln - Tätigkeiten die in ihrer Monotonie schnell langweilig werden, vor allem weil sie ohne Varianten immer das gleiche Schema abspulen. Noch dazu ist das Tränkebrauen verbuggt - um den Prozess abzuschließen muss man häufig die Spracheinstellung auf Englisch ändern. Auch Duelle sind manches mal vorbei, ohne daß man auch nur den eigenen Zauber ausgewählt hat. Vielleicht verzeihlich, berücksichtigt man, daß Pottermore noch im Beta-Stadium ist. Doch das Feedback-Formular und generell die Möglichkeit, Rückmeldungen zu Pottermore zu geben halten sich in engen Grenzen. In der Hilfe steht beispielsweise, daß 'Wenn es ein wirkliches Problem mit der Website geben sollte, sind wir wahrscheinlich schon dabei, es zu beheben. Du musst uns also nicht extra darüber informieren.' - angesichts der bestehenden Bugs ein etwas überheblich klingendes Statement. Bis hierhin sind mit viel Glück 3 Stunden vergangen. Wendet man sich nun der Community zu, um weitere Interaktionsmöglichkeiten zu finden, läuft man auch hier schnell gegen eine Mauer. Die einzige Möglichkeit, eigene Texte einzubringen ist das Kommentieren an verschiedenen Pinnwänden - oft zeitversetzt, so daß ein Dialog nur schwerlich zustande kommt. Und zwar kann man anderen Spieler(inne)n Freundesanfragen senden, doch auch da hört es schon auf - persönliche Nachrichten oder dergleichen - Fehlanzeige. Das mag an Pottermores Vorsatz für den Jugendschutz liegen - grundsätzlich sicher ein wichtiger Aspekt so einer Plattform. Aber hier wird man insgesamt doch letztlich zum Zuschauerdasein verdonnert, und darf sich die Zeit mit den wenigen belanglosen Spielchen vertreiben. Und so sieht im Moment auch mein Fazit für Pottermore aus - auf den ersten Blick sehr hübsch, aber leider mit mäßigem Inhalt, wenig Interaktivität und noch weniger 'social networking' - je nachdem wie schnell man ist, warten ab 1-3h nur noch Wiederholungen. Wird das ganze mit der Einarbeitung des Inhalts weiterer Harry-Potter-Bände besser? Inhaltlich kurzfristig vielleicht, langfristig müssten vor allem die letzteren beiden Aspekte von Interaktivität und Community stark erweitert werden, um einen Wiederbesuchswert zu erhalten - oder handelt es sich letztlich, wie schon an anderer Stelle vermutet, doch nur um eine große Promotionplattform für die e-Books und Hörbuchversionen von Harry Potter, bei der die angemeldeten Teilnehmer letztlich vor allem als kauffreudiges Publikum gesehen werden?

wo bleibt die Fantasie?: Ich will gar keine Zusatzinformationen. Wenn es nicht im Buch steht, dann soll die Autorin es besser für sich behalten. Gute Bücher sollten die Fantasie der Leser anregen, alles was nicht drinsteht 'darf' man sich selber ausdenken. Also, entweder reinschreiben oder stillbleiben.

Vornamen: Ha ha, sehr kreativ mit Vornamen die Dame: erst Harry, jetzt Barry...

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.