Pou erobert die App-Charts Mit Hungerschrei direkt ins Herz

Nadia Köhler, 29.01.2013 08:10 Uhr

Stuttgart - Haustierverbote in der Kindheit verfolgen einen ein Leben lang. Streicheln, füttern, spielen, kümmern – alles Bedürfnisse, die einen ein Leben lang nicht so recht loslassen, wenn man sich nie an Hund, Katze oder Meerschweinchen austoben durfte. Tröstend ist eigentlich nur eines: mit diesem Trauma scheint man nicht allein auf der Welt zu sein. Anders lässt sich der Erfolg der Tamagotchis Ende der 90er Jahre und der bis heute anhaltende Erfolg von Nintendogs nicht erklären. Und schon gar nicht die Tatsache, dass derzeit in den Charts der beliebtesten Apps ein kleines braunes Etwas mit großen kugelrunden Augen ganz weit oben auftaucht. Zurückhaltendere Zeitgenossen bezeichnen es als Kartoffel, andere benutzen eine exkrementellere Bezeichnung. Der Hersteller Zakeh nennt es einfach: Pou.

Pou liebt Sushi-Röllchen und Kirschen

Nein, schön ist Pou nicht, aber niedlich! Mit seinem ersten Hungerschrei quakt er sich einem direkt ins Herz. Sein entzückendes Schmatzen, das er seiner Pflegerin für jedes Pommes, jedes Sushi-Röllchen und jede Kirsche schenkt, sorgt dafür, dass man ihn sogar dann nicht an die Wand wirft, wenn er sich morgens um fünf via Handynachricht quäkend bemerkbar macht, weil er essen oder sauber gemacht werden will.

Und à propos Äußeres: Es kommt ja immer drauf an, was man aus sich macht. Aus Pou kann man ganz viel machen. Vorausgesetzt, man vernachlässigt seine Fürsorgepflicht zu keiner Tages-und Nachtzeit und kämpft sich tapfer und regelmäßig durch Reaktions- und Geschicklichkeitsspiele, die den kleinen braunen Haufen bei Laune halten. Denn nur so lassen sich Stück für Stück hübsche Beauty-Accessoires freischalten. Stuttgarts bestgepflegtes Pou jedenfalls ist längst nicht mehr braun, sondern blau, trägt ein gelbes Hula-Hula-Röckchen, hat akkurat gebürstete, magentafarbene Augenbrauen, eine gelbe Brille in Schmetterlingsform auf der Nase und einen pinken Ascot-Hut auf dem Kopf. Ach ja, und die Tapete in seinem Schlafzimmer trägt inzwischen ein völlig verspultes 60er-Jahre-Fächermuster.

Störend nur, dass die eigenen Kinder nicht so richtig mitspielen. Sie motzen, weil ihr Lieblingsoberteil noch immer nicht gewaschen ist, es Abends – inspiriert durch Pou – nun öfter Sushi gibt und die Conni-App auf dem Smartphone nicht mehr zur Verfügung steht. Fehlt nur noch, dass sie sich ein Haustierverbot wünschen.