Projekt Sternenpark Schwäbische Alb Im Dunkeln ist gut funkeln

Von adt 

Der Nachthimmel über der Schwäbischen Alb ist ein schützenswertes Gut. Eine Initiative kämpft darum, das Biosphärengebiet zum Sternenpark zu erklären. Als Vorbild gelten die Eifel und das Westhavelland.

Auf der Schwäbischen Alb lassen sich Sterne noch ungestört beobachten. Foto: Till  Credner
Auf der Schwäbischen Alb lassen sich Sterne noch ungestört beobachten.Foto: Till Credner

Esslingen. - Der moderne Mensch hat die Nacht zum Tag gemacht. Er ist, zumal in einer dicht besiedelten und industrialisierten Umgebung, vom Licht umzingelt. Natürliche Dunkelheit ist im Gegenzug zu einem raren Gut geworden. Und zu einem schützenswerten Gut: Eine Initiative will jetzt wenigstens das letzte schwarze Loch in der Region erhalten. Die Schwäbische Alb soll zum Sternenpark werden.

Andernorts ist das Dunkel schon zur Auszeichnung geworden. Der Naturpark Westhavelland bei Berlin ist seit der letzten Woche Deutschlands erster Sternenpark, ein sogenanntes Dark Sky Reserve. Vorgestern ist der Nationalpark Eifel zum Dark Sky Park, einer Vorstufe des Dark Sky Reserve, ernannt worden. Die Auszeichnungen werden von der International Dark Sky Association (IDA) vergeben, die das Prädikat Sternenpark auch lichtarmen Gebieten in den USA und in Großbritannien verleiht.

Ein lichtempfindliche Intitiative

Wenn es um den natürlichen, im wahrsten Sinne des Wortes von künstlichen Lichtquellen unbehelligten Nachthimmel geht, dann braucht auch die Schwäbische Alb ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Dieser Ansicht ist Matthias Engel, der mit seiner auf ehrenamtlicher Basis arbeitenden Initiative Sternenpark Schwäbische Alb nach denselben greift. Seit rund zwei Jahren arbeiten er und seine Mitstreiter auf das Ziel hin.

„Wir müssen uns nicht vor den anderen Regionen verstecken“, sagt der Hobby-Astronom. Im Schulterschluss mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb will Engel den Nachthimmel über dem ehemaligen Münsinger Truppenübungsplatz in der internationalen Sternenpark-Liga etablieren. „Für Besucher aus den Ballungszentren ist es ein ganz besonderes Erlebnis, einen ursprünglichen Sternenhimmel zu sehen, wie er in der Stadt schon lange nicht mehr sichtbar ist“, sagt der gelernte Maschinenbauingenieur und Hobby-Astronom aus Stuttgart.

Vorreiter gibt es schon

Im Westhavelland und in der Eifel haben die Parkverwaltungen seiner Einschätzung nach das Potenzial erkannt, das in der Auszeichnung steckt. Denn nicht nur für ausgewiesene Astronomen ist im Dunkeln gut funkeln. „Im Sternenpark muss es ja nicht alleine nur um das Sternengucken gehen. Mit dem werbewirksamen Etikett eines Sternenparks versehen, ließen sich auch Wanderungen durch die natürliche Nachtlandschaft touristisch gut vermarkten“, sagt Engel. Vor allem die Gebiete des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Münsingen, aber auch das Große Lautertal um Indelhausen und die südlich davon gelegene Region um Ittenhausen und Zwiefalten-Upflamör eigneten sich seiner Einschatzung nach ideal als Sternenreservat.

„Die Idee, den natürlichen Nachthimmel zu schützen, verträgt sich besonders gut mit den Idealen, für die das Biosphärenreservat steht“, sagt Engel. Der Schutz der Dunkelheit würde auch dem Schutz der dort lebenden Menschen dienen. Falsches Licht zur falschen Zeit störe den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und unterdrücke die Bildung des Ruhe-Hormons Melatonin. „Die Folge ist, dass wir schlechter schlafen“, sagt Engel. Licht mit hohen Blauanteilen würde zudem zur Todesfalle für Insekten, die damit nicht nur in der Nahrungskette fehlen, sondern auch beim Bestäuben der Pflanzen ausfallen würden.

Am Weg zum Ziel wird noch gearbeitet

Hinsichtlich der touristischen und naturschützerischen Potenziale stimmt Petra Bernert, die Biosphären-Geschäftsführerin, mit der Sternenpark-Initiative überein. Sie will sich in den nächsten Tagen mit Engel und seinen Mitstreitern zusammensetzen und das weitere Vorgehen absprechen. „Mir ist noch nicht so recht greifbar, wie wir die Idee des Sternenparks praktisch unterstützen können“, gibt sie zu.

Zumindest in dieser Hinsicht muss Engel nicht lange überlegen. „Zur Zeit stellen alle Gemeinden ihre Straßenbeleuchtung auf LED um. Dabei spielt leider hauptsächlich die Effizienz des Leuchtmittels eine Rolle, nicht aber die Vermeidung von Lichtverschmutzung. Dafür fehlt vielerorts noch die Sensibilisierung“, sagt er. Hier ließe sich der Hebel ebenso ansetzen wie an Strahlern, die Werbeplakate von unten her in Szene setzen würden, oder an den vielen nächtlichen Firmenbeleuchtungen.

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