Protokoll des Amoklaufs
Das Land hielt den Atem an
dpa,
11.03.2010 13:13 Uhr
Einschusslöcher in den Fensterscheiben des Autohauses in Wendlingen. Hier tötete Tim K. zwei Menschen. Foto: dpa
9.30 Uhr:
Tim K. dringt in Winnenden in seine ehemalige Schule ein und erschießt während des Unterrichts acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen.9.33 Uhr:
Ein Notruf eines Schülers aus der Albertville-Realschule geht bei der Polizei ein.9.35 Uhr:
Eine Streife mit drei Beamten trifft am Tatort ein und verhindert damit wahrscheinlich ein noch größeres Blutbad. Der Täter feuert auf die Beamten und flüchtet.9.43 Uhr:
Zwei Interventionsteams der Polizei dringen in das Gebäude ein und finden die zwölf Leichen. Auf dem Weg in die Innenstadt erschießt der Amokläufer einen Mann, der im Zentrum für Psychiatrie gearbeitet hat. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 240 Beamte im Einsatz.9.45 Uhr:
Eine Großfahndung auch mit Hubschraubern beginnt.Gegen 9.45 Uhr:
Der Täter ist in die Innenstadt von Winnenden unterwegs. Er kidnappt auf dem Parkplatz der Psychiatrie den 41 Jahre alten Fahrer eines VW Sharan und zwingt ihn mit der Waffe zur Fahrt durch Stuttgart auf die Autobahn 81 in Richtung Süden. Wegen eines Staus lässt der Täter die Geisel Richtung Wendlingen (Kreis Esslingen) von der Autobahn abfahren.Gegen 10.00 Uhr:
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) erfährt im Mainzer Landtag von dem Amoklauf und macht sich per Hubschrauber auf den Weg nach Winnenden.Amoklauf von Winnenden auf einer größeren Karte anzeigen
Kurz vor 12.00 Uhr:
An einer Kontrollstelle der Polizei am Autobahnkreuz Wendlingen bremst der Fahrer in einer Kurve stark ab und fährt auf eine Böschung zu, um sich kurz darauf aus dem rollenden Wagen zu retten und die Beamten zu alarmieren. Der Täter flüchtet zu Fuß zum nahe gelegenen Industriegebiet in Wendlingen.12.01 Uhr:
Der Täter betritt ein VW-Autohaus in Wendlingen, fordert einen Wagen. Als ihm nicht sofort ein Auto gegeben wird, erschießt er einen Kunden (46) und einen Verkäufer (36).12.05 Uhr:
Als der Amokläufer aus dem Autohaus kommt, eröffnet die Polizei das Feuer und verletzt den jungen Mann am Bein, der sich dann auf einem Parkplatz versteckt. Bei dem Schusswechsel werden zwei Beamte in Zivil schwer verletzt.12.30 Uhr:
Die Beamten finden den Täter zwischen einer Wand und einem parkenden Fahrzeug tot auf dem Rücken liegend. Er hat sich nach Erkenntnissen der Polizei selbst gerichtet.12.55 Uhr:
Ministerpräsident Oettinger trifft in Winnenden ein.17.15 Uhr:
Die Leiche des Amokläufers wird abtransportiert.18.45 Uhr:
In Winnenden werden die toten Schüler und Lehrer aus der Schule getragen.19.00 Uhr:
Zum ökumenischer Trauergottesdienst für die Opfer in der katholischen Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden erscheinen hunderte Besucher.
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wann lieben wir wieder den FREIDEN?
"Bin ich froh, wenn dieser Tag freidlich zu Ende geht." Das denke ich zwischenzeitlich jeden Tag in dieser Gesellschaft. Wann kehrt endlich wieder eine gesunde Ruhe in den täglichen Ablauf unseres Alltages ein, ohne dass ständig neue Horrormeldungen und Berichterstattungen erscheinen und zu hören sind. Werden wir nicht alle krank davon, oder sind wir es bereits? Haben wir unseren Riechkolben nicht zu oft und zu tief in jedem Mist stecken? Lasst uns doch miteinander in den Himmel schauen und tief und gesund durchatmen.
Muß das denn sein?
Im anderen Artikel wird der Bundespräsident zitiert, daß eine zu genaue Berichterstattung über den Täter Nachahmungstaten Vorschub leistet. Und hier sieht man ein wunderbares "Protokoll", das den Vorgang der Tat hauptsächlich aus der Täterperspektive schildert. Ich glaube, die Worte unseres Bundespräsidenten beziehen sich unter anderem auf solche "Protokolle".