Krankheit Depressionen gehören nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Ihr zufolge erkrankt jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression – pro Jahr sind das ungefähr 5,3 Millionen Menschen. Dabei erhält nur eine Minderheit eine optimale Behandlung.

 

Kinder Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Der Suizid ist nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache in der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen – sowohl in Deutschland als auch weltweit. Hierzulande sterben der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge jährlich rund 600 junge Menschen durch Selbstmord. Viele dieser Todesfälle könnten durch frühzeitiges Eingreifen verhindert werden, betonen Psychologen.

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Seine App soll unter anderem auswerten, wie häufig ihre Nutzer Whatsapp öffnen. Der Gedanke dahinter: Depressive kommunizieren auch online anders als gesunde Menschen. „Als ich depressiv wurde, hab’ ich mein Handy gar nicht so oft benutzt“, sagt zum Beispiel die 17-jährige Laura. In der vierten Klasse erkrankte sie zum ersten Mal an Depressionen. „Also, es gab Tage, da wollte ich es einfach nicht sehen. Und wenn ich dann Whatsapp benutzt habe, war es maximal eine Stunde am Tag.“

Sprache als Diagnoseinstrument

Daneben soll auch die Sprache Hinweise darauf geben, ob jemand auf eine Depression zusteuert. Studien mit erwachsenen Probanden haben ergeben, dass Erkrankte beispielsweise öfter in der Ich-Form schreiben als Gesunde, dass sie mehr negative Wörter verwenden und ihre Sätze kürzer werden. Aus diesem Grund soll Lüttkes App neben dem Nutzungsverhalten auch den Inhalt einzelner Whatsapp-Chatverläufe analysieren. Dabei soll ein Algorithmus die Kurznachrichten unter anderem in Hinblick auf die Grammatik und die Emotionen, die darin mitschwingen, bewerten. Sogar Emojis könnten theoretisch in das Ergebnis der Analyse mit einfließen.

Der Vorteil einer solchen App liegt auf der Hand: Einmal installiert, könnte sie kleinste Veränderungen im Verhalten erkennen – ohne dass der Nutzer etwas dazu beitragen muss. „Im Vorfeld einer Depression deuten normalerweise viele verschiedene Symptome darauf hin, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Lüttke. Bis jetzt müssen Betroffene diese Marker, wie sie in der Forschung genannt werden, selbst erkennen. Bis jemand feststellt, dass es ihm nicht nur gesundheitlich, sondern auch seelisch schlecht geht, kann es mitunter aber lange dauern.

Zwar gibt es bereits heute Apps, die den mentalen Zustand ihres Nutzers bewerten, wenn er sie regelmäßig mit Daten füttert. Doch bei Depressionen kommt der Rückfall in der Regel erst nach zwei bis sieben Jahren. „Und wer hat schon Lust, über zwei Jahre lang Fragen zu seinem Gesundheitszustand zu beantworten?“, sagt Lüttke.

Aufforderung zum Sport

Seine App soll Daten im Hintergrund analysieren und nur, wenn sich das Verhalten ändert, als eine Art Frühwarnsystem fungieren. Wie genau, steht noch nicht fest. Zum einen könnte die App ihren Nutzer einfach auf die negativen Veränderungen aufmerksam machen. Zum anderen könnte sie ihm konkrete Vorschläge machen – ihn zum Beispiel auffordern, Sport zu treiben oder Freunde zu treffen. Das sei vor allem im Frühstadium der Krankheit sinnvoll, sagt Lüttke.

Aber nicht nur für den Betroffenen selbst, auch für den behandelnden Therapeuten könnte die App eine Entlastung sein. Anhand der Daten könnte er beispielsweise auch leichter herausfinden, welche Aktivitäten die Verfassung seines Patienten positiv oder auch negativ beeinflusst haben. Wie aber sieht es mit dem Datenschutz aus? Die sensiblen Daten könnten ja auch Krankenversicherungen dazu verleiten, höhere Beiträge einzufordern oder Boni zu streichen. „Die Daten werden von uns anonymisiert ausgewertet“, sagt Lüttke. „Uns interessiert nicht, was der Nutzer mit wem schreibt. Die App soll nur herausfinden, wie es ihm geht und ihm das zurückspielen.“

Ob die Ergebnisse auf Wunsch des Patienten auch mit dem Arzt oder den Eltern geteilt werden können? Das sei eine Option, über die man vor der Programmierung der App nachdenken könne, sagt Lüttke. Von einer verpflichtenden Vernetzung oder gar einer Weitergabe der Daten an Dritte hält er nichts.

Warten auf die Genehmigung

Doch noch ist seine Anwendung nicht programmiert – und die Pilotstudie, mit der er herausfinden möchte, ob und wie sich eine Depression auf die Nutzung von Whatsapp auswirkt, nicht genehmigt. 60 Probanden sollen an der Pilotstudie teilnehmen: 30 Kinder und Jugendliche mit Depressionen und 30 gesunde Teilnehmer. Den Antrag bei der Ethikkommission der Universität Tübingen, die die Studie autorisieren muss, hat Lüttke bereits gestellt. Derzeit fehlt es aber auch an finanziellen Mitteln.

Um die Studie durchführen zu können, sind rund 29 000 Euro nötig. Ein Teil davon könnte über die Crowdfunding-Plattform Startnext zusammenkommen. Dort hat Lüttke eine Aktion initiiert, die noch bis zum 4. Februar läuft: www.startnext.com/whatsapp-against-depression.

Jugendliche sind oft betroffen

Krankheit Depressionen gehören nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Ihr zufolge erkrankt jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression – pro Jahr sind das ungefähr 5,3 Millionen Menschen. Dabei erhält nur eine Minderheit eine optimale Behandlung.

Kinder Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Der Suizid ist nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache in der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen – sowohl in Deutschland als auch weltweit. Hierzulande sterben der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge jährlich rund 600 junge Menschen durch Selbstmord. Viele dieser Todesfälle könnten durch frühzeitiges Eingreifen verhindert werden, betonen Psychologen.

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