Rätselhafter Waffenfund Rathausmitarbeiter beurlaubt

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Die Stadt Crailsheim hat einen Bediensteten beurlaubt, in dessen Haus eine Waffe gefunden wurde, die vor drei Jahren aus dem städtischem Bestand verschwand. Es bleiben viele Fragen.

Nach dem Winnender Amoklauf Foto: AP
Nach dem Winnender AmoklaufFoto: AP

Crailsheim - Die Stadt Crailsheim hat am Freitag einen Bediensteten „vorläufig beurlaubt“, in dessen Wohnhaus eine Waffe gefunden wurde. Diese war vor drei Jahren aus städtischem Bestand „als verlustig gemeldet“ worden. Seinerzeit war der Mann bei der Waffenbehörde der Verwaltung beschäftigt. „Bis zur weiteren Klärung des Sachverhaltes“, bleibt er außer Dienst. Sollte er angeklagt und wegen Diebstahls oder Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt werden, riskiert der Beschuldigte in einem Dienstrechtsverfahren auch seine Anstellung und seine Pensionsansprüche.

Die Ehefrau des Betreffenden hatte kurz vor Weihnachten bei Aufräumarbeiten im Keller des Hauses die Pistole gefunden. Es handelt sich, so teilte die Polizeidirektion Schwäbisch Hall am Donnerstag mit, um eine Walther mit Magazin und mehreren Schuss Munition. Die Frau alarmierte die Polizei. Schnell hätten die Beamten festgestellt, dass die gefundene Waffe im Rahmen einer Amnestie nach dem Winnender Amoklauf vom März 2009 auf dem Crailsheimer Rathaus abgegeben worden war, von dort aber im Laufe des gleichen Jahres wieder verschwand. „Sie war seither im polizeilichen System ausgeschrieben,“ erklärte die Polizei in Schwäbisch Hall.

Umstände und Motiv der Unterschlagung sind unklar

Weitere Waffen seien bei der gerichtlich angeordneten zeitnah erfolgten Durchsuchung des Hauses nicht gefunden worden. Die Ermittlungen zu den Umständen der Tat und dem Tatmotiv sind noch nicht abgeschlossen. Wie es bei der Crailsheimer Stadtverwaltung hieß, arbeitete der Beschuldigte schon seit zwei Jahren nicht mehr bei der Waffenbehörde, sondern war auf der normalen Behördenlaufbahn inzwischen in einem anderen Amt tätig.

Das Abhandenkommen dieser Pistole steht nicht im Zusammenhang mit dem Waffendiebstahl, der im Sommer 2009 in der Großen Kreisstadt an der Jagst erheblichen Wirbel ausgelöst hatte. Im Juni 2009 waren aus dem Tresorraum im Ordnungsamt der Stadt 15 Waffen und mehrere hundert Schuss Munition entwendet worden. Der Einbruch war spektakulär. Im Tresorraum waren reichlich Pistolen und Revolver, weil nach dem Amoklauf von Winnenden die Waffenbesitzer aufgefordert worden waren, freiwillig ihre Waffen bei öffentlichen Stellen abzugeben. Den Einbrechern kam bei ihrem Raubzug zugute, dass der mit einem Zahlenschloss gesicherte Tresorraum nicht verriegelt war. Ein Mitarbeiter der Behörde hatte versäumt, das Schloss zu schließen.

Diebstahl von 2009 hat nichts mit dem aktuellen Fund zu tun

Der damalige Leiter des Ordnungsamtes wurde daraufhin in den Baubetriebshof quasi strafversetzt. Der damalige Oberbürgermeister Andreas Raab kündigte seinen Rücktritt an, machte dafür allerdings vor allem eine grundlegende Missstimmung im Gemeinderat verantwortlich. Der versetzte Ordnungsamtschef erschoss sich im Juli 2009. Er war – unberechtigterweise, wie sich später herausstellte – anonym der Korruption bezichtigt worden.

Der Rathauseinbrecher wurde im August 2009 von der Polizei gefasst. Ein drogenabhängiger 28-jähriger Mann gestand, auf der Suche nach Bargeld im Rathaus auf den unverschlossenen Waffenschrank gestoßen zu sein. Sämtliche Waffen, die er entwendet hatte, wurden mit der Zeit sicher gestellt. Der Mann wurde im Januar 2010 zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Stadt hat nach eigenen Angaben die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Die Waffen dürfen nur noch von zwei Mitarbeitern gemeinsam angenommen werden. Auch kann ein Mitarbeiter allein den Tresorraum nicht mehr betreten. Einzige Gemeinsamkeiten der beiden Fälle von Waffendiebstahl sind der Tatort Rathaus und der Umstand, dass es sich dabei um zurückgegebene Waffen handelt.

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2 KommentareKommentar schreiben

@Cobar, 15:32 Uhr: Vollkommen richtig. Zumal man davon ausgehen kann, daß die meisten Arbeitnehmer, wenn sie sich eines Waffendeliktes strafbar gemacht hätten, umgehend entlassen würden, selbst wenn die Straftat mit der Firma überhaupt nichts zu tun hätte.

Sonderrechte: in der freeien Wirtschaft wird man wegen Diebstahls/Unterschlagung SOFORT fristlos gekündigt, auch wegen einer alten Maultasche. Aber die Beamtenschaft hat sich hier offenbar wieder Sonderrechte verschafft. Die sofortige Entlassung unter Verlust aller Pensionsanprüche wäre die einzige akzeptable Antwort.

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