Raidt schreibt Liebes Väterchen Frost

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Erst hat die Kälte völlig überraschend in Stuttgart Einzug gehalten und präsentiert sich dann noch als großer Angeber.

 Foto: dpa-Zentralbild
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Stuttgart - Sie sind ein grober Klotz, ein ungehobelter Kerl, Sie kennen keine Manieren. Völlig überraschend sind Sie unter dem Decknamen Cooper unangemeldet in Stuttgart zu Besuch gekommen. Niemand konnte mit Ihnen rechnen, es ist schließlich Februar – ein Monat, in dem die Cafés gewöhnlich die ersten Tische rausstellen, die Feldhasen im Schlossgarten zum gemeinsamen Abspecken durch die Anlagen hoppeln und der Frühjahrsputz beginnt.

Aber Sie, liebes Väterchen Frost, machen auf cool, Sie sind das Hoch, das aus der Kälte kommt. Sie sind ein alter Angeber, im ganzen Land bekommen Wettermoderatoren vor Aufregung Schnappatmung: minus zehn, minus 15, minus 20 Grad – die Wetterkarten tragen Dunkelviolett, die Wetterfeen alles Mögliche. Unschuldige Bauern werden genötigt, vor der Kamera Regeln aufzusagen, die ihnen selbst vollkommen unbekannt sind: „Hüpfen im Februar Eichhörnchen und Finken, siehst du schon den Frühling winken.“

In Schwäbisch-Sibirien stehen die Menschen vor unglaublichen Herausforderungen. Kann man in der Eiseskälte gefahrlos joggen? Ein Tübinger Mediziner beruhigt: Kein Problem, es könne lediglich zu lokalen Erfrierungen kommen – etwa an der Nase, den Ohren und im Genitalbereich. Angesichts dieser Einschätzung sei an dieser Stelle dringend vor dem Nacktjoggen gewarnt. Falls Sie dennoch nicht darauf verzichten wollen, tragen Sie bitte ordentlich Frostschutzmittel auf.

Sonst wird es demnächst schwierig, mit der Liebe in Zeiten des Gefrierschranks. Manche sagen, dass bei dieser Kälte ohnehin nur Narren auf die Straßen gehen – aber wenn man abends das staatliche Schunkelfernsehen einschaltet, ahnt man: genau das wird demnächst passieren.

Wenn Sie in diesen frostigen Tagen also beispielsweise im Rosensteinpark dem Zoodirektor begegnen, der mit seinen Eisbären Gassi geht, verhalten Sie sich ruhig. Schauen Sie den Tieren nicht in die Augen, zeigen Sie keine Angst und verkleiden Sie sich bitte nicht als Ringelrobbe. Sonst könnte die Sache schlecht für Sie ausgehen.

Mit bibbernden Grüßen, Erik Raidt