Restaurant Berg Die großen Fußstapfen passen dem Nachfolger

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Der frühere Restaurantleiter Philipp Berg hat das ehemalige Sternerestaurant Breitenbach übernommen.  

Gutes Team: Koch Johannes Daiker (v.li),Chef Philipp Berg und Koch JOD. Foto: Zweygarth
Gutes Team: Koch Johannes Daiker (v.li),Chef Philipp Berg und Koch JOD.Foto: Zweygarth

Stuttgart - In dem unscheinbaren Haus in der Heslacher Gebelsbergstraße 97 hat sich alles geändert – auch wenn es nicht sofort ins Auge fällt. Nach wie vor ist der Raum von weißen Wänden und dunklem Holz dominiert.Neu ist der Stuck,weg sind die großen Spiegel, die das frühere Restaurant Breitenbach prägten, und neu ist der Chef: Es ist Philipp Berg, Breitenbachs Freund und früherer Restaurantleiter und Sommelier. Konsequenterweise heißt das feine kleine Restaurant (35 Plätze) nun nach ihm: Restaurant Berg.

Breitenbach, der vor einem guten halben Jahr Vater geworden ist, hat sich ins Sindelfinger Knote und aus der Sterneküche zurückgezogen, und damit hat natürlich auch erst einmal sein früheres Lokal in Heslach dieMichelin-Auszeichnung verloren. Sie zurückzuerobern ist nicht Bergs Ziel, sagt er: „Wir wollen uns unter dem Sterneniveau bewegen.“ Dennoch hat er gleich zwei sterneerfahrene Köche engagiert: Der eine kommt aus der Zirbelstube, der andere arbeitete in den Backnanger Stuben, und beide waren zuvor auch schon Köche bei Breitenbach. Und so viel sei vorab verraten: diesesNiveaumerktman auch derKüche des Berg stark an.

Außergewöhnliche Begeisterung

Philipp Berg selbst empfiehlt dazu mit außergewöhnlicher Begeisterung Weine – selbst den eingefleischten Weinskeptiker amTisch ködert er amTestabendmit seinen präzisen Vorschlägen, die uns allesamt viel Spaß machen, zumal elf Euro für vier verschiedeneWeineeinfairesAngebot sind.Die Stachelbeeraromen des Sauvignon blanc vonEllwanger ergänzenwundervoll die fantasievolleVorspeiseVariationvonLachsund Gurke mit Wasabi-Eis (16 Euro). Und der Barbera d‘Alba von Malvirà harmoniert herrlichmitdemBoefbourguignonvomheimischen Hirschen mit Selleriepüree und kaltgerührtenPreiselbeeren(faire 19Euro).

Hübsche, winzige Kartoffelcroissants begleiten das Schmorgericht. Überhaupt isst bei Berg auch das Auge gerne mit. Besonders neugierig macht uns auf der Karte das Pochierte Landei von der Burg Schaubeck mit Maiscreme und Kümmelcaramel (10Euro), das von Popcorn gekrönt auf dem Tisch erscheint. Auchwenn’s arg nach Mutterns Küche und eher zweifelhaften Konsistenzen klingt: es schmeckt außergewöhnlich. Die Eier der Burghühner, erzählt Berg, habe er dem Bottwartaler Grafen nach einemFrühstück auf der Burg aus den Rippen geleiert. Selbstverständlich serviert Berg sie mit Wein vom Grafen Adelmann, der weißen Cuvée Loewe von Schaubeck.

Als uns selbst der Nachtisch, der uns beimLesen nicht unbedingt zu einer Sünde verführt hätte (Ananascarpaccio mit Kokoseis und Basilikumpesto für elf Euro sowie Schokolade mit Erdbeeren und Rhabarbersorbet für zwölf Euro), wohlig seufzenlässt, sindwiruns alles andere als sicher, obBergdenVorsatzhaltenkann, sternlos zu bleiben. So, Herr Berg, wird das nichts. Von uns bekämen Sie den Stern. Sofort.

Restaurant Berg, Gebelsbergstraße 97, 70199 Stuttgart-Heslach. Reservierung empfohlen unter Tel. 0711/6 40 64 67. Geöffnet Dienstag bis Samstag ab 17.30 Uhr. www.bei-berg.de

Die Bewertung:

Küche *****

Service *****

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

 

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1 KommentarKommentar schreiben

Preis/Leistung beim Weinmenü deutlich schlechter: Angeregt durch Ihren Bericht vom 09.07.2012 haben wir das Restaurant Berg am 21.07.2012 gleich ausprobiert. Das Essen und der Service waren wirklich ausgezeichnet. Allerdings war das Preisniveau schon sehr deutlich angehoben. Besonders das von Ihnen angepriesene, sehr preiswerte Weinmenü (4 Weine zum Preis von 11 Euro ),wurde bei uns für 29€ / Person in Rechnung gestellt. Dabei wurden uns nicht die von Ihnen probierten Weine (Sauvignon Blanc von Ellwanger und Löwe von Schaubeck von Graf Adelmann) angeboten sondern Weine die im Einkaufspreis eher günstiger liegen. Zur Vorspeise (Jakobsmuscheln mit marinierten Steinpilzen) wurde uns ein Rießling von Drautz Able serviert. Zu dem pochierten Landei mit Steinpilzcreme und Rosamarinkaramell ein Grüner Veltliner aus der Wachau. Nach unserem Geschmacksempfinden hätte die umgekehrte Reihenfolge der Weine (zuerst der Veltliner und dann der Rießling) besser mit den Speisen harmoniert. Leider haben wir Ihren Bericht erst im Nachhinein nochmals gelesen und dabei auch noch den großen Preisunterschied bei der Weinempfehlung bemerkt. Zurück bleibt da doch ein „fader Nachgeschmack“.

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