Restaurant Berg Die großen Fußstapfen passen dem Nachfolger

Eva Drews, 09.07.2012 09:50 Uhr

Stuttgart - In dem unscheinbaren Haus in der Heslacher Gebelsbergstraße 97 hat sich alles geändert – auch wenn es nicht sofort ins Auge fällt. Nach wie vor ist der Raum von weißen Wänden und dunklem Holz dominiert.Neu ist der Stuck,weg sind die großen Spiegel, die das frühere Restaurant Breitenbach prägten, und neu ist der Chef: Es ist Philipp Berg, Breitenbachs Freund und früherer Restaurantleiter und Sommelier. Konsequenterweise heißt das feine kleine Restaurant (35 Plätze) nun nach ihm: Restaurant Berg.

Breitenbach, der vor einem guten halben Jahr Vater geworden ist, hat sich ins Sindelfinger Knote und aus der Sterneküche zurückgezogen, und damit hat natürlich auch erst einmal sein früheres Lokal in Heslach dieMichelin-Auszeichnung verloren. Sie zurückzuerobern ist nicht Bergs Ziel, sagt er: „Wir wollen uns unter dem Sterneniveau bewegen.“ Dennoch hat er gleich zwei sterneerfahrene Köche engagiert: Der eine kommt aus der Zirbelstube, der andere arbeitete in den Backnanger Stuben, und beide waren zuvor auch schon Köche bei Breitenbach. Und so viel sei vorab verraten: diesesNiveaumerktman auch derKüche des Berg stark an.

Außergewöhnliche Begeisterung

Philipp Berg selbst empfiehlt dazu mit außergewöhnlicher Begeisterung Weine – selbst den eingefleischten Weinskeptiker amTisch ködert er amTestabendmit seinen präzisen Vorschlägen, die uns allesamt viel Spaß machen, zumal elf Euro für vier verschiedeneWeineeinfairesAngebot sind.Die Stachelbeeraromen des Sauvignon blanc vonEllwanger ergänzenwundervoll die fantasievolleVorspeiseVariationvonLachsund Gurke mit Wasabi-Eis (16 Euro). Und der Barbera d‘Alba von Malvirà harmoniert herrlichmitdemBoefbourguignonvomheimischen Hirschen mit Selleriepüree und kaltgerührtenPreiselbeeren(faire 19Euro).

Hübsche, winzige Kartoffelcroissants begleiten das Schmorgericht. Überhaupt isst bei Berg auch das Auge gerne mit. Besonders neugierig macht uns auf der Karte das Pochierte Landei von der Burg Schaubeck mit Maiscreme und Kümmelcaramel (10Euro), das von Popcorn gekrönt auf dem Tisch erscheint. Auchwenn’s arg nach Mutterns Küche und eher zweifelhaften Konsistenzen klingt: es schmeckt außergewöhnlich. Die Eier der Burghühner, erzählt Berg, habe er dem Bottwartaler Grafen nach einemFrühstück auf der Burg aus den Rippen geleiert. Selbstverständlich serviert Berg sie mit Wein vom Grafen Adelmann, der weißen Cuvée Loewe von Schaubeck.

Als uns selbst der Nachtisch, der uns beimLesen nicht unbedingt zu einer Sünde verführt hätte (Ananascarpaccio mit Kokoseis und Basilikumpesto für elf Euro sowie Schokolade mit Erdbeeren und Rhabarbersorbet für zwölf Euro), wohlig seufzenlässt, sindwiruns alles andere als sicher, obBergdenVorsatzhaltenkann, sternlos zu bleiben. So, Herr Berg, wird das nichts. Von uns bekämen Sie den Stern. Sofort.

Restaurant Berg, Gebelsbergstraße 97, 70199 Stuttgart-Heslach. Reservierung empfohlen unter Tel. 0711/6 40 64 67. Geöffnet Dienstag bis Samstag ab 17.30 Uhr. www.bei-berg.de

Die Bewertung:

Küche *****

Service *****

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.