Rosensteintunnel in Stuttgart Neuer Bebauungsplan bis zum Sommer
Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 10.02.2011 07:00 Uhr
Der geplante Tunnel soll die vielbefahrene Pragstraße entlasten. Foto: Michael Steinert
Der geplante Tunnel soll die vielbefahrene Pragstraße entlasten. Foto: Michael Steinert
Stuttgart - Der Bebauungsplan für den knapp 200 Millionen Euro teuren Rosensteintunnel wird neu ausgelegt. Das hatte der Bau- und Umweltbürgermeister Matthias Hahn auf der Bürgerversammlung im Stuttgarter Osten Ende Januar überraschend mitgeteilt. Als Grund für diesen ungewöhnlichen Schritt erklärte Hahn, der bisherige Plan enthalte zu hohe Zahlen bezüglich des Lastwagenverkehrs. Man gehe inzwischen von weniger Schwerverkehr auf der Strecke zwischen Zuffenhausen und dem Leuzetunnel aus. Der Bebauungsplan solle noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

Anschließend könnten sich die Bürger in einer weiteren Anhörung zu dem Projekt äußern. Gegen den nun zurückgezogenen Bebauungsplan hatte es weit mehr als 600 Einwendungen von Bürgern gegeben.Im Stadtplanungsamt beruft man sich wegen der Neuauflage auf eine veränderte Faktenlage. "Wir sind in dem Bebauungsplan für den Rosensteintunnel beim Lastwagenverkehr ganz bewusst vom schlimmsten vorstellbaren Szenario für die nächsten 15 Jahre ausgegangen", erklärt Stephan Oehler, Leiter der Abteilung Verkehr im Stadtplanungsamt, auf Anfrage. Diese Prognose habe sich bei näherer Betrachtung allerdings als nicht mehr haltbar erwiesen. Der Unterschied zwischen dem tatsächlich zwischen Zuffenhausen und der B14 am Neckarufer gezählten und dem für die Zukunft prognostizierten Schwerverkehr sei ganz erheblich gewesen.

Konkrete Zahlen nannte Oehler allerdings nicht. "Der Bau des Rosensteintunnels wird schon zu mehr Lastwagenverkehr führen", stellte er klar. "Der Zuwachs wird allerdings nicht so hoch sein, wie wir bisher angenommen haben." Deshalb müssten auch die zum Bebauungsplan gehörenden Lärm- und Schadstoffgutachten noch einmal überarbeitet werden.

Hohe Stickoxidwerte in Wohngebieten


"Wenn es weniger Verkehr gibt, dann wird der Rosensteintunnel erst recht nicht gebraucht", kritisiert Annette Schade-Michl von der Zuffenhäuser Schutzgemeinschaft Krailenshalde. "Nach den vielen Einsprüchen gegen den Rosensteintunnel versucht die Stadt alles, um die Umweltbelastungen herunterzurechnen." Um die viel zu hohen Stickoxidwerte in Wohngebieten aus der Welt zu schaffen, sollten die Gutachten rechnerisch optimiert werden.

Die Bürgerinitiative und der Bürgerverein Zuffenhausen werfen der Stadt - wie berichtet - vor, "den Rosensteintunnel als Maßnahme zur Luftreinhaltung zu verkaufen, obwohl Gutachten das Gegenteil belegen". Die Auswertung der vorliegenden Bebauungsplanunterlagen habe ergeben, dass es nach dem Tunnelbau in Zuffenhausen zu überhöhten Stickstoffdioxidwerten (NO2) mit Grenzwertüberschreitungen in Wohngebieten komme. Betroffen sei auch ein Kindergarten an der Burgunderstraße.

Über diese großflächigen Grenzwertüberschreitungen seien die Stadträte vor der Abstimmung über den Rosensteintunnel überhaupt nicht informiert worden, so die Kritiker. Der höhere Schadstoffausstoß wird nach Ansicht der Kritiker durch das erheblich höhere Verkehrsaufkommen verursacht. Durch den Tunnelbau nehme der Verkehr auf der B 10/27 um 28.000 auf 91.000 Fahrzeuge am Tag zu.

Das südliche Tunnelportal des Tunnelbauwerks soll auf Höhe des Elefantenstegs oberhalb der Stadtbahn-Haltestelle Wilhelma liegen. Dort münden die vier Fahrspuren in die B10. Im Norden liegt die Tunneleinfahrt auf Höhe der Stadtbahn-Haltestelle Rosensteinpark. Über dem Südportal soll später die neue, wegen Stuttgart 21 notwendige Eisenbahnbrücke die Fahrspuren überqueren. Frühestens 2015 sollen täglich 67.000 Fahrzeuge - knapp 20.000 mehr, als heute in der Pragstraße gezählt werden - durch die Röhren rollen. Dank des Rosensteintunnels verringere sich die Verkehrsbelastung in der Pragstraße auf 20.000 Autos am Tag, heißt es bei der Stadt.
Kommentare (15)
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FEB
10
Thomas, 22:57 Uhr

WIlhema

wenn ich mich nicht absolut irre, kommt der Tunnel am oberen ende der Wilhelma direkt unter dem Neubau des Affenhauses raus (bzw. Rohbau). ich glaube allerdings das die nur Angst vor den Demos haben, immerhin soll der Tunnel in offener Bauweise (also eine breite Schneise) durch den Park getrieben werden. Also erst Park weg, dann Berg weg, dann Affenhaus weg, dann Straße mit Deckel hin und Berg samt Park wieder drauf. Straße lockt Verkehr.

FEB
10
Müller, 14:03 Uhr

@NÖRGLER: Doch es gibt Alternativen

@NÖRGLER: Doch es gibt Alternativen. Vielleicht sollte man z.B. einfach wieder anfangen dort zu wohnen, wo man auch arbeitet. Kurze Wege = Weniger Verkehr bzw. er verteilt sich nicht mehr gleich über mehrere Gemeinden/Autobahnen im Ballungsraum. Und wenn man bspw. in der Stadt wohnt, in der man auch arbeitet, ist es eher auch mal möglich die Öfis, statt dem Auto zu benutzen. Damit spreche ich jedoch nur vom Personenverkehr. Aber in Hintertupfingen wohnen und dort die Ruhe und Landluft genießen zu wollen, jedoch wo anders zu arbeiten und dafür durch mehrere Gemeinden oder über Autobahnen, vielleicht noch inkl. der Innenstadt, fahren zu müssen und sich dann noch zu wundern - das funktioniert einfach nicht, wie man jeden Tag wieder aufs Neue sehen kann... In diesem Fall muss man dann in einen der beiden sauren Äpfel beißen.

FEB
10
Kai Tonath, 13:04 Uhr

Zuffenhausen und der Rosensteintunnel

Als erstes muss man feststellen, dass Zuffenhausen so oder so direkt an der B10/B27 liegt - dort wird nichts verändert! Ob nun der Tunnel den Bereich zwischen Wilhelma und Pragsattel vom Verkehr entlastet - und dort zu drastischen Vorteilen für die Anwohner führt - oder nicht - in Zuffenhausen ändert sich garnichts! Was Zuffenhausen helfen würde, wäre höchstens eine LKW-Maut auf 4-Spurigen Bundesstraßen, welche die Abkürzung auf der B10 von Heilbronn richtung Ulm - und umgekehrt - unatraktiver macht! Wie aber so gerne genommen - Protestiert man - vorallem wenn man in den Medien stehen will - dann man gerne auf "Randschauplätzen" - oder will die Dame vielleicht einen Tunnel zwischen Pragsattel und den Autobahnzufahrten zur A81 - Das würde Zuffenhausen vom Verkehrslärm durch die Bundesstraßen tatsächlich ziemlich befreien - Dazu vielleicht noch ein Eisenbahntunnel - dann ist in Zuffenhausen Ruhe!

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