Rosensteintunnel in Stuttgart Schlagabtausch über umstrittene Trasse

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat am Dienstag die 1645 Einwände gegen den Rosensteintunnel in Stuttgart behandelt. In der harten Debatte sprachen sich die Stadträte von CDU, SPD, Freien Wählern und der FDP für das Projekt aus. Grüne und SÖS/Linke argumentierten gegen den Bau.

Der Rosensteintunnel soll die Pragstraße täglich von 20 000 Fahrzeugen entlasten. Foto: Michael Steinert
Der Rosensteintunnel soll die Pragstraße täglich von 20 000 Fahrzeugen entlasten.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - In einer kontroversen Debatte hat der Ausschuss für Umwelt und Technik am Dienstag die 1645 Einwände gegen den Rosensteintunnel behandelt. Die Diskussion soll in der nächsten Woche fortgesetzt werden. In der langen Debatte sprachen sich die Stadträte von CDU, SPD, Freien Wählern und der FDP für das 200 Millionen Euro teure Verkehrsprojekt aus. Grüne und SÖS/Linke argumentierten gegen den Bau der Röhren.

Mit dem Bau des 1,1 Kilometer langen Tunnels unter dem Rosensteinpark werde der letzte Abschnitt eines wichtigen Verkehrskonzepts für die B 10/27 verwirklicht, erklärte Bau- und Umweltminister Matthias Hahn. Dieses habe der Gemeinderat 1997 beschlossen. Mit dem Bau des Pragtunnels und dem sechsspurigen Ausbau der Heilbronner Straße seien andere Teilstücke bereits verwirklicht worden.

Für den Rosensteintunnel, der das Neckarknie und die Pragstraße von viel Verkehr befreie, „gibt es keine Alternative“, so Hahn. Die beiden Röhren mit vier Fahrspuren entlasteten Bad Cannstatt, Rot, Berg und Zuffenhausen und erschlössen wichtige Gewerbe- und Industriestandorte an der B 10. Die Stadt baue aber keineswegs nur Straßen, so der Bürgermeister. In den Straßenbau seien seit 1998 gut 195 Millionen, in den Ausbau des Nahverkehrs hingegen im selben Zeitraum 552 Millionen Euro geflossen.

Die gegen den Tunnelbau eingelegten Einwände konzentrierten sich auf wenige Themen, erläuterte Arnold Maiwald vom Stadtplanungsamt. Die Anregungen seien aber alle beantwortet und entkräftet worden. Deshalb empfehle die Verwaltung, der Beschlussvorlage ohne Änderungen zuzustimmen. Im Wesentlichen befürchteten die Kritiker des Projekts einen Zuwachs an Verkehr, Schadstoffen und Lärm. Die Schadstoffwerte an der oberen Pragstraße seien allerdings sehr problematisch. An der Neckartal- und der Schönestraße verringerten sich die Stickoxidwerte, vor der Wilhelma gebe es nach dem Tunnelbau nur noch zwei statt vier Fahrspuren.

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Zeitgemäß ist anders: Statt immer nur die Symptome zu behandeln, sollte man vielleicht was gegen die Ursachen unternehmen. In den Ausbau des ÖPNV zu investieren, wäre sinnvoller und zeitgemäßer, als den Straßenverkehr(vorübergehend) zu entlasten.

Räder müssen rollen.: 1969 hat Stuttgart zur Verbesserung des Verkehrsflusses eine Straße am Schlossplatz eröffnet mit der Folge, dass sich in der Umgebung des Schlossplatzes der Verkehrsfluss verschlechterte. Die Straße musste wieder aufgegeben werden. Das Phänomen, dass eine Verbesserung des Verkehrsflusses auf einem Abschnitt unter Umständen bei einem gegeben Streckennetz den gesamten Verkehrsfluss verschlechtert, ist bekannt unter dem Namen Braess Paradoxon. http://www.druiden-orden.de/uploads/media/Braess-Paradoxon.pdf . Es ist jetzt schon klar, dass dieser Tunnel weiteren Verkehr anziehen wird. Sollte es gelingen, diesen erweiterten Verkehr wieder durch aufwendige Maßnahmen vor und nach dem Rosensteintunnel flüssiger zu machen, wird er voraussichtlich noch weiter zunehmen, falls nicht die wirtschaftliche Entwicklung für einen Rückgang sorgt. Der Umstand, dass weit mehr Menschen die mehr oder weniger rasche Fahrt durch Stuttgart vorziehen einer lebenswerten Stadt nicht nur in den privilegierten Lagen, hat viele Wurzeln, und er ist ein verlässlicher Unterstützer jedweder Straßenbaumaßnahme zur 'Verringerung der Belastung durch den Straßenverkehr' und einer erleichterten Fluchtmöglichkeit raus aus der Stadt, raus aus dem Ballungsgebiet, auch wenn das jeweils nur kurzfristig Erfolg hat. Es ist ein Aufenthalt im Hamsterrad, aber jedem einzelnen ist das lieber als die Alternativen. Man kann sich ja einen bequemeren Wagen kaufen, viel schneller, als es der Öffentliche Nahverkehr schaffen wird, wirklich attraktiv zu werden. Sollte Stuttgart im schlechtesten Fall eine gleichmäßigere, aber insgesamt erhöhte Verkehrsbelastung erreichen mit den geplanten Maßnahmen, noch vorangetrieben durch eine mit S21 während und wahrscheinlich auch nach der Bauzeit anhaltende Verschlechterung des öffentlichen Nahverkehrs, so können immerhin Spaziergänge im dann ruinierten Rosensteinpark und Schlossgarten durch den Anblick der dort geplanten Yuppi Wohnanlagen einen bescheidenen Ausgleich bieten, sollte das Geld nicht mehr reichen zur Flucht in die ECE Mall Milaneo. Rosensteinpark und Schlossgarten sind letzlich Opfer der zu einem Teil an solchen Schätzen nicht mehr sehr hängenden Bevölkerung, vermehrt um den Teil, der sich durch'Parkerweitern mit S21' hat reinlegen lassen, von Profis wie auch von Laien. Der andere Teil, der auch wegen der Verkehrsprobleme ein wirklich sehenswertes Naherholungsgebiet erhalten wollte, ist zu klein, und hat zu wenig Einfluss, um seine für eine lebendige, nicht nur Geld verdienende Stadt wesentlich bessere Art zu leben erhalten zu können.Die Herrschaften, die von klimatisierten Räumen in klimatisierten Fahrzeugen in andere klimatisierte Räume gelangen, und die es eh nicht unter einen Baum in einem öffentlichen Park zieht, haben, wie etwa Architekt Ingenhoven, ein Anwesen im Grünen mit einem Privatwäldchen direkt vor der Haustür. Es fehlt schon ganz lange an einem Konzept, das noch andere Faktoren als die Sicherung des Wirtschaftsstandortes im Blick hat. Wenn es ein solches gäbe, hätte es kein Geld zu Verfügung, nicht in der Menge, um ernsthaft mit den Plänen des 'Wirtschaftsstandorts' zu konkurrieren.

Alternative: ich habe noch nie von einer Alternative gehört. Einige Stuttgarter glauben wirklich ich stelle mich jeden Morgen eine halbe Stunde an einer Ampel (Wilhelma) an. Ich schleiche durch die Stadtgebiete, wie sooooo viele ander auch. Und mit unserem Frust sind wir mit Sicherheit nicht die Autofahrer die man sich in der Stadt wünscht. Nein, wir sind laut und stinken im Stehen. Und alles nur weil es für Otto-Normal-Verbraucher NICHT möglich ist ein Haus in Stuttgart zu bauen. Dies ist nur den richtigen Kapitalisten vorbehalten. Welche aber sowieso nicht um 7.00 Uhr zur Arbeit gehen und die Straßen verstopfen...

Blatt für Betonköpfe: 'Über die wegen des Tunnels zunehmende Verkehrsbelastung in Stuttgart und die dadurch steigende Luftverschmutzung (derentwegen sogar Häuser abgerissen werden sollen) kein Sterbenswörtchen. Wer soll sowas abonnieren?'______Ist doch klar: Die Betonköpfe, die hier als klartext, Im etc. kommentieren und Wahlkampf für Turner machen. Die Kommentare mit den Hohlphrasen 'Typisch Dagegen Partei' oder 'die Highlights aus der Öko-Szene' sprechen doch für sich. Diese Klientel freut sich auf 30.000 Fahrzeuge mehr. Und im Möhringer Redaktionshaus merkt man davon sowieso nichts.

Bitte um Hilfe...: CDU-Stadtrat Philipp Hill: '....Dank des Tunnels könne der heute Wohngebiete belastende Schleichverkehr auf der B10/27 gebündelt werden.' Welches Wohngebiet meint der Herr Hill eigendlich? Meint er Die Häuser die wegen der Abgasbelastung von der Stadt abgerissen werden sollen? Weiterhin sagt Herr Hill: 'Die höhere Leistungsfähigkeit der Tunnelstrecke ist auch für den Wirtschaftsverkehr eminent wichtig.“ --> 'Wirtschaft vor Menschen', noch fragen!?

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