Rummelsnuff in Esslingen Das beschde Konzert meines Lebens

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Rummelsnuff knurrt in Esslingen Schlager und begeistert "die jungen Leute". Der Abend wirkt stellenweise wie eine Freakshow, ist aber vor allem: verdammt gute Unterhaltung. Wir haben viele Bilder aus der Dieselstrasse mitgebracht.

Rummelsnuff hat in Esslingen eine tolle Show hingelegt. Weitere Bilder zeigen wir in der folgenden Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 30 Bilder
Rummelsnuff hat in Esslingen eine tolle Show hingelegt. Weitere Bilder zeigen wir in der folgenden Fotostrecke.Foto: Jan Georg Plavec

Esslingen - Über die jungen Leute von heute wurde vor dem ersten Young-River-Concert viel gesprochen, auch in dieser Zeitung. Was diese jungen Leute von heute wollen: unter anderem Unterhaltung mit dem Bodybuilder, Berghain-Türsteher und professionellen Grimassenzieher Rummelsnuff aus Berlin. Das alles ist auch Rummelsnuff nicht verborgen geblieben, weshalb er sich zum einen über die gut gefüllte Dieselstrasse freut und zum anderen mindestens viermal scherzhaft darauf anspielt: dass er endlich mal die jungen Leute hierher hole.

Natürlich hat der Entertainer sich nicht selbst eingeladen, sondern er wurde vor zwei Jahren schon einmal nach Esslingen eingeladen, damals vom Komma. Aber ja: die jungen Leute haben schon Recht, dass sie hier sind, denn Rummelsnuff bietet ganz großes Tennis. Das liegt zum einen an seinem unglaublichen Körperbau: gedrungen, fleischig, durchtrainiert, man möchte sagen: ein Klops von einem Mann, in jedem Fall eine beeindruckende Figur, die mit ihrem Körper umzugehen weiß. Ihre Körperlichkeit hebt die Rummelsnuff-Show von vielen anderen ab, nämlich als Gegenentwurf zur sonst überwiegenden Inszenierung weiblicher Körper. Auf der doch sehr gut ausgeleuchteten Dieselstrasse-Bühne gleitet die Optik wegen Rummelsnuffs Körperbau und virtuos geschnittener Grimassen allerdings immer wieder ins Freakshowhafte ab.

Armdrücken auf dem Rücken

Zweitens ist Rummelsnuff auch ein Gegenentwurf, zumindest ein Spiegel für diese jungen Leute, die eben nicht zu Schleyerhalle-Konzerten gehen. Der 48-Jährige hat kein Problem damit, sich von zwei Blondinen aus der ersten Reihe mit Sonnenblumenöl einreiben zu lassen - im Gegenteil. Der zweite Mann auf der Bühne, Sänger Christian Asbach, bückt sich gegen Ende des Konzerts, damit auf seinem Rücken ein Armdrücken veranstaltet wird. Oder er setzt einer anderen Besucherin eine Schweinsmaske auf und tanzt mit ihr Walzer. Oder singt auf Rumänisch, Französisch, Russisch, Englisch, nicht zu vergessen Italienisch: "Azzurro" wird auch intoniert, ein Adriano-Celentano-Cover. Rummelsnuff, der Kosmopolit.

Was uns zur Musik bringt: die ist neben einem Devo-Cover und ein, zwei Rammstein-haften Einlagen im Wesentlichen Schlager mit elektronischen Tracks drunter, also Halbplayback. Was aber voll okay ist angesichts der Show, die Rummelsnuff und Asbach abziehen. Das ist klassische Bühnenunterhaltung mit DDR- und Arbeitercharme. Rummelsnuff trägt eine Fahrradkette um den Hals, besingt Thüringer Bratwurstdreher ebenso wie Gerüstbauer: "Ein Schrauber hier?", fragt er zwischenrein ins Publikum. Natürlich ist kein Schrauber hier. Gut, mach' mer eben Schunkel-Pogo. Rummelsnuff trägt dazu die unterschiedlichsten Mützen und Masken, er tanzt, pumpt und knurrt ins Mikro.

Auf der Reeperbahn ...

Rummelsnuffs knarzige, tiefe Stimme ergänzt sich gut mit dem Opernhaften seines Bühnenpartners Christian Asbach. Hier erfindet einer gewiss nicht alles neu - macht seine Sache aber wahnsinnig gut. Und bringt je nach Geschmack den schlechtesten oder besten Witz über Metzingen: "Ich war mindestens zwölf Mal dort, in der Outlet City, der Auslass-Stadt." Das wollen wir ihm mal glauben und stellen uns einen dieser Auftritte vor.

"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" ist der Schlusssong des Abends. Spätestens da schunkelt der ganze Saal mit. Man fühlt ein bisschen mit den Dieselstrasse-Leuten, von denen sich der eine oder andere fragen muss, ob die jungen Leute von heute sowas wirklich lieber mögen als musikalisch hochstehenden Jazz? Ja, sie wollen. Diese Show steckt trotz irgendwie ähnlicher Musik und Schunkelei jede Wasen-Party in die Tasche - weil sie all das persifliert und trotzdem ehrlich Spaß macht. Was jetzt so die Kulturschnösel-Erklärung wäre. Man könnte es auch mit den Worten einer Zuhörerin sagen: "Das beschde Konzert meines Lebens".