ExklusivSanierung der Stuttgarter Oper Großer Wurf oder Fass ohne Boden?

Von Thomas Braun 

Die Sanierung des Stuttgarter Opernhauses könnte den Oberen Schlossgarten auf Jahre hinaus zur Großbaustelle werden lassen. Nach StZ-Informationen denken die Träger daüber nach, an der Stelle des heutigen Eckensees eine Interimsoper bauen zu lassen.

Der Eckensee vor der Staatsoper: auf  dieses attraktive Ambiente müssten die Stuttgarter wohl einige Jahre verzichten. Foto: dpa
Der Eckensee vor der Staatsoper: auf dieses attraktive Ambiente müssten die Stuttgarter wohl einige Jahre verzichten.Foto: dpa

Stuttgart - Nach dem Mittleren Schlossgarten, in dem die Bahn sich durch das Erdreich wühlt, droht auch der Obere Schlossgarten zur Großbaustelle zu werden. Am Montag befasst sich der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater erneut mit der Sanierung und Erweiterung des Opernhauses. Unabhängig von städtebaulichen, denkmalschutzrechtlichen und finanziellen Fragen steht eines jetzt schon fest: Für die Zeit der Sanierung des vom Architekten Max Littmann zwischen 1909 und 1912 errichteten Baus braucht die Stuttgarter Oper eine Ausweichspielstätte mit Bühne und 1400 Plätzen für die Besucher. Nach StZ-Informationen ist dafür ein bis zu fünf Stockwerke hohes Gebäude an Stelle des Eckensees im Gespräch, das für etwa fünf Jahre als Interimsquartier dienen soll.

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Dass die Oper sanierungsbedürftig ist, darüber besteht zwischen den Staatstheatern und den Trägern Stadt und Land Konsens. Ebenso klar ist mittlerweile, dass die ursprünglich veranschlagten 18 Millionen Euro allenfalls für eine Schmalspursanierung insbesondere der technischen Anlagen ausreichen würden. Ein Gutachten der Firma Kunkel Consulting, das die Staatstheater in Auftrag gegeben hatten, war im Sommer vergangenen Jahres zu dem Schluss gekommen, dass mehr als 300 Millionen Euro an Investitionen notwendig wären, um die Zukunftsfähigkeit des renommierten Opernhauses zu garantieren. Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, sprach gar von einem „großen Wurf für die nächsten hundert Jahre“.

Von bis zu 600 Millionen Euro ist die Rede

Mittlerweile sollen die kalkulierten Kosten für die Maximalvariante die 400-Millionen-Euro-Grenze überschritten haben. Insider gehen freilich aufgrund von Erfahrungswerten – etwa beim Neubau der John-Cranko-Ballettschule am Urbans­platz und der Sanierung des Schauspielhauses – davon aus, dass es auch bei dieser Summe nicht bleiben wird. Von bis zu 600 Millionen Euro ist die Rede, es gebe vor allem bauliche und somit finanzielle Unwägbarkeiten bei der Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Littmanbaus. Die Befürchtungen sind groß, dass das Projekt zu einem Fass ohne Boden werden könnte. Stadt und Land, so ist es im Staatsvertrag vereinbart, teilen sich die Finanzierung zur Hälfte.