Schorndorf Steinfresser stauben Pigmente ab

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Eine Ausstellung in der Schorndorfer Galerie für Kunst macht deutlich, wie nah die Symbiose sein kann, die ein Steinbildhauer und ein Maler künstlerisch eingehen können.

Die Grenzen zwischen Bild und Skulptur fließen in der Ausstellung Foto: Stoppel
Die Grenzen zwischen Bild und Skulptur fließen in der Ausstellung Foto: Stoppel

Schorndorf - Die Fische und das Korallenriff, die Ameisen und die Blattläuse – manchmal bringt das enge Zusammenleben unterschiedlicher Arten in der Natur allen Beteiligten Vorteile. Auf künstlerischer Ebene sind der Urbacher Maler Ehrenfried Frank und der Schorndorfer Bildhauer Christoph Traub jetzt eine solche Symbiose eingegangen.

Was die beiden gemeinsam geschaffen haben, ist unter dem Titel „Von Gemmen und Geophagen“ als Ausstellung des Schorndorfer Kunstvereins in der Reihe Heimspiel bis zum 21. September in der Galerie für Kunst zu sehen. Die Besucher erwartet ein Wechselspiel von Skulpturen und Bildern, die sogar die selbe Materialgrundlage haben. Denn Ehrenfrieds Franks Bilder enthalten jenen Steinstaub, der bei der Arbeit von Christoph Traub an dessen Objekten entstanden ist.

Die Idee sei vor Jahren im Atelier des Bildhauers entstanden, erzählt Ehrenfried Frank. „Er hat mir seine neue Absauganlage gezeigt, und ich habe mir die Säcke mit dem Staub angesehen“, berichtet der Maler. „Fein wie Babypuder“ sei das Material gewesen. Er habe sich schon länger von der Ölmalerei verabschiedet, sei immer wieder auf der Suche nach neuen Pigmenten – und der zermahlene Granit und Dolomit Traubs habe sich dafür als sehr geeignet herausgestellt.

Viele Monate werkelten Frank und Traub an der Ausstellung, besuchten sich in den Ateliers, inspirierten sich gegenseitig bei Farbe und Form. Traub schuf Torsi aus schwarzem Granit, knochenartige lange Objekte, aber auch kleine kugelförmige Wesen auf zwei Beinen, die Ehrenfried Frank zärtlich „Steinfresser“ nennt. Der Maler wiederum brachte einen schwarzglänzenden Stoff ein, den so genannten Asphaltlack. Der eignet sich als Grundierung für das Steinstaubpigment, das Frank in seinem Atelier richtiggehend über die Leinwände schüttet. Das sei „ein bisschen wie Zen-Meditation“, erzählt er. Manchmal müsse man eine Stunde lang überlegen, und dann entstehe eine neue Farbschicht in nur wenigen Minuten.

Die Bilder von Ehrenfried Frank sind daher im wahren Wortsinn vielschichtig. Aus der Ferne wirken sie wie Aufnahmen eines Wüstenplaneten aus großer Höhe. „Ich bin ein alter Landschaftler“, bestätigt Frank diesen Eindruck. Geht man nahe an die Bilder heran, lassen sich fast figurenhafte Formen erkennen. Das Farbspiel mit den schwarzen Lackrändern erinnere ihn an Emailtechniken, sagt Christoph Traub. Es wirke sehr inspirierend auf ihn und sei „auf keinen Fall zufällig entstanden“, wie der Bildhauer betont.

Spannend ist zudem, dass der Bildhauer und der Maler auch beim Aufbau der Ausstellung traditionelle Grenzen überschritten haben. Franks Ölbilder hängen nicht nur an den Wänden, sie liegen auf dem Boden und schieben sich gleichsam in den Raum. Christoph Traubs Objekte wirken wie ein dichtes Geflecht, welches sich im übrigen Raum ausbreitet.

Und in der Mitte der Galerie steht ein kleiner Steinfresser aus Traubs Werkstatt vor einer schwarz glänzenden Pfütze aus Franks Asphaltlack, wie ein scheues Tier an einer Wasserstelle. Eine Symbiose von Farbe und Form, so legt dies nahe, ist nicht nur in der Tierwelt möglich.