Schule und Bildung Hessens Rolle rückwärts bei G8

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Die Diskussionen um das acht- oder neunjährige Gymnasium reißen nicht ab. Hessen erlebt nun einen Trend zurück zu G 9.

G 8 – G 9 – G 8... die Diskussion hört nicht auf. Foto: dpa
G 8 – G 9 – G 8... die Diskussion hört nicht auf.Foto: dpa

Wiesbaden - Es war eine kuriose Allianz von CDU, FDP und Grünen, die im vergangenen Dezember im hessischen Landtag den Weg für eine schulpolitische Wende einleitete: Die 107 Gymnasien im Land sollten selbst bestimmen, ob sie nach der Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit (G8) wieder zu neun Jahren (G9) zurückkehren wollen. „Viele Eltern wünschen sich eine Schullandschaft, die ihnen Wahlfreiheit für ihre Kinder bietet“, begründete die liberale Kultusministerin Nicola Beer damals den Schritt. Am Wochenende nun veröffentlichte der Hessische Rundfunk unter Berufung auf Informationen aus dem Kultusministerium einen Bericht darüber, wie sich die Schulen entschieden haben. Das Ergebnis überrascht alle: Fast jedes zweite Gymnasium will von G8 weg. 39 Gymnasien kehren komplett zur längeren Schulzeit zurück, elf wollen neben dem G8-Zug parallel G9 anbieten.

Für die Entscheidung war eine Zweidrittelmehrheit der Schulkonferenz notwendig, in der Lehrer, Eltern und Schülervertreter sitzen. Auffällig sind die regionalen Besonderheiten: Zwar wollen in Frankfurt fünf Gymnasien zu G9 zurückkehren, in anderen Großstädten wie Wiesbaden, Kassel, Darmstadt und Offenbach bleiben alle Gymnasien bei acht Jahren Schulzeit. In der Provinz und den Kleinstädten geht der Trend in Richtung G9. Aus dem Rahmen fällt das konservativ-katholische Fulda. Alle drei Gymnasien in der Domstadt wollen zurück zur längeren Schulzeit, sie werden nach der sechsten Klasse neben dem G8-Zug die Option G9 anbieten. Erstaunlich ist die Schnelligkeit, mit der sich die Schulen trotz des hohen organisatorischen Aufwands für die Neuerung entschieden haben. Im Schuljahr 2013/14 wird damit Ernst gemacht, aber im Prinzip können sich Gymnasien auch später für G9 entscheiden. Bei der hessischen FDP fühlt man sich als Sieger: Hessen habe nun eine „bundesweit vorbildliche Schulvielfalt“, meint FDP-Fraktionschef Wolfgang Greilich – ähnliches Lob kommt von der CDU. Die SPD kritisiert, dass die „Wahlfreiheit“ nicht in allen Städten gelte. Den Grünen ist ihre Nähe zu Schwarz-Gelb indes wohl unheimlich geworden. Ihr schulpolitischer Sprecher, Matthias Wagner, rüffelte die Regierung: Der Trend zu G9 zeige, „wie krottenschlecht“ sie G8 eingeführt habe.