Schulen in Stuttgart-Möhringen Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Von Tilman Baur 

Schulbürgermeisterin Isabel Fezer hat Vertreter der Schulen ins Bürgerhaus geladen. Es ging um die Zukunft der Einrichtungen. Wir haben die Stimmen nach dem Treffen eingefangen.

Das Königin-Charlotte-Gymnasium hat zwar moderne Physik- und Chemieräume bekommen. Dennoch liegt einiges im Argen. „Wir bräuchten eigentlich schon längst eine komplette Sanierung der Elektrik im Haus“, berichtet Rektorin Andrea Funke-Fuchs. Foto: Tilman Baur
Das Königin-Charlotte-Gymnasium hat zwar moderne Physik- und Chemieräume bekommen. Dennoch liegt einiges im Argen. „Wir bräuchten eigentlich schon längst eine komplette Sanierung der Elektrik im Haus“, berichtet Rektorin Andrea Funke-Fuchs. Foto: Tilman Baur

Möhringen - Das Stichwort lautet „Schulentwicklungsplanung“. Die Stuttgarter Schulbürgermeisterin Isabel Fezer hat diese – wie bereits in Stuttgart-Vaihingen – kürzlich auch im Möhringer Bürgerhaus am Filderbahnplatz vorgestellt. Es ging um die Zukunft der Einrichtungen des Planbereichs „Filder, Mitte, Ost“. Die Treffen finden in allen acht Stuttgarter Planbereichen statt und haben das Ziel, den Verantwortlichen vor Ort das Handeln der Verwaltung zu erklären. Die Stimmung nach dem Treffen schwankt zwischen Hoffnung und Ernüchterung, berichten drei Schulleiter aus Möhringen.

Schulleiterin ist enttäuscht

Ein gemischtes Resümee zieht Ulrich Mittnacht, kommissarischer Schulleiter der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule. Einerseits sei mit der im Bau befindlichen neuen Mensa bereits ein lang gehegter Wunsch seiner Schule in Erfüllung gegangen. Sorgen macht sich Mittnacht allerdings um den geplanten Erweiterungsbau, denn der Planungsbeginn wurde auf Anfang 2019 verschoben. Allgemein müsse man mit dem Erreichten zufrieden sein, vor allem hinsichtlich der angespannten Personalsituation in den Ämtern, die beim Treffen in Möhringen immer wieder thematisiert wurde. Trotzdem: Wichtige Projekte gebe es genug. Zum Beispiel warteten alle Gemeinschaftsschulen sehnsüchtig auf eine gymnasiale Oberstufe vor Ort. „Aber auch dafür bräuchte man Investitionen und Baumaßnahmen“, sagt Mittnacht.

Rektoren hoffen auf Unterstützung der Schulbürgermeisterin

Seine Kollegin Ulrike Wolff, Rektorin der Salzäckerschule, haben die Nachrichten über mangelndes Personal in den Ämtern nicht ansatzweise überrascht. „Das kennen wir schon seit Jahren. Hier an der Schule werden immer mal wieder zwei oder drei Zimmer saniert“, sagt Wolff. Mit diesem Flickwerk müsse man sich leider zufriedengeben – die Verwaltung vertröste meist, was ernüchternd sei. Die größte Sorge der Schulleiterin gilt dem „idealen Betreuungsmodell“ an der Salzäckerschule, dass sich ihrer Meinung nach in Gefahr befinde. Denn das Schulverwaltungsamt plane künftig entweder Halbtags- oder Ganztagsschulen, aber keine flexiblen Modelle. Die Schule bietet eine Kernzeitbetreuung bis 13 Uhr, danach eine flexible Betreuung bis 17 Uhr. Eltern können ihre Kleinen also zwischen 13 und 17 Uhr nach Belieben holen. „Das Modell ist sehr beliebt, die Elternschaft will es behalten“, sagt Wolff, die auf die Unterstützung von Bürgermeisterin Fezer hofft.

Am KCG müsste die komplette Elektrik saniert werden

Große Hoffnungen hatte Andrea Funke-Fuchs, Rektorin des Königin-Charlotte-Gymnasiums (KCG), von vornherein nicht in das Treffen gesetzt. Sie sei aus langjähriger Erfahrung gestählt. Je größer die Projekte, die man verwirklichen wolle, desto schwieriger sei es, so laute die Faustregel seit Jahren. In diesem Jahr sei das ein Vorteil fürs KCG gewesen. Der recht überschaubare Wunsch nach einer besseren digitalen Versorgung – die derzeitige Ausstattung mit Rechnern bezeichnet Funke-Fuchs als „steinzeitlich“ – sei auf offene Ohren gestoßen.

Trotz der bereits gedämpften Erwartungshaltung will Funke-Fuchs eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen. Ihre Begleiter bei der Veranstaltung – unter anderem ein Lehrer und eine Elternvertreterin – seien regelrecht schockiert gewesen. „Es war ein Offenbarungseid“, sagte die Schulleiterin. Denn obwohl das KCG immerhin moderne Physik- und Chemieräume bekäme, seien noch viele Probleme ungelöst. „Wir brauchten eigentlich schon längst eine komplette Sanierung der Elektrik im Haus. Aber das Hochbauamt plant noch nicht einmal.“ Begründet werde das – wie so oft – mit Personalmangel.

Die Schulleiterin rechnet Bürgermeisterin Fezer einerseits hoch an, dass sie Missstände in der Verwaltung deutlich benenne. Befriedigend sei es aber nicht, wenn Themen wie Finanzen und Personalmangel eine Veranstaltung über die Zukunft der Schulen dominierten. „Es war erschreckend, wie wenig es um das Wohl der Schüler ging“, sagte Funke-Fuchs. Vertreter der Riedsee- und der Fasanenhofschule wollten das Treffen nicht kommentieren.

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