Absurder geht’s kaum: „Arsen und Spitzenhäubchen“ im Alten Schauspielhaus überzeugt mit mörderischen Irrwitzigkeiten einer netten Verbrecherfamilie.

Da vertrauen zwei Massenmörderinnen einem Massenmörder an, dass sie zwölf Männer umgebracht haben, und jener Unhold kann sie mit dreizehn Mordopfern noch übertreffen. Dazu kichern Zuschauer im Alten Schauspielhaus wohlig oder lachen lauthals. Der Mensch kann sich allen Ernstes über Fürchterlichkeiten schrecklich amüsieren, zumindest über die Schrecklichkeiten in einer Komödie. „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring, der Klassiker unter den schwarzen Komödien, spielt im New York der 40er Jahre, wurde 1941 uraufgeführt und 1944 mit Cary Grant in der männlichen Hauptrolle verfilmt. Der ursprüngliche Titel lautete „Leichen in unserem Keller“, und dieses „unserem“ verweist auf etwas Allgemeines, auf verborgene, gruselige Geheimnisse in Familien. Die Schwestern Abby und Martha Brewster (Annette Mayer und Bettina Franke) beherbergen einsame alte Männer, um sie mit Holunderwein, der ein paar Spritzer Arsen, Strychnin und Zyankali enthält, abzumurksen. Sie wollen alten, einsamen Menschen zu ihrem Frieden verhelfen und sehen sich als Wohltäterinnen. Absurder geht’s nicht.

 

Klassiker aus den 40er Jahren, der mit Cary Grant in der Hauptrolle verfilmt wurde

Siegfried E. Mayer (Ausstattung) hat den Ort solcher Monströsitäten einleuchtend eher gemütlich als spooky gestaltet. Man schaut in ein viktorianisches Zimmer, in dem die Schwestern mit Rüschenärmeln und ondulierten Frisuren agieren.

Franke und Mayer spielen die unerhörten Mörderinnen ganz wunderbar mit boshafter Nettigkeit. Sie haben drei Neffen, den das Theater hassenden Theaterkritiker Mortimer (Jörg Pauly), den psychisch kranken Teddy (Andreas Klaue), der die Leichen in den Keller schafft, und Jonathan (Dirk Waanders). Letzterer, ein Schwerkrimineller, stiefelt bedrohlich als eine Art Frankensteins Monster über die Bühne. Sein Kumpel, der Arzt Dr. Einstein (Marius Hubel), hat ihm per Operation ein neues Gesicht verpasst, das Jonathan aber nicht mehr haben möchte, da in ihm jedermann Frankensteins Monster zu erkennen glaubt. Wie ein Uhrwerk im besten Sinne läuft die Inszenierung von Robin Telfer ab. Gespielt wird mit alltagsnaher Normalität, als wäre nicht alles unglaublich seltsam und gruselig. Die Darsteller überdrehen nie, und das ist gut so.

Die Inszenierung läuft rund und amüsiert vortrefflich

Hat das alles einen Sinn, der über das Amüsante hinausgeht? Gut, Familien haben nicht selten die sprichwörtlichen Leichen im Keller. Doch in diesem Stück ist alles so irrwitzig, dass über schaurige Geheimnisse nur noch gegickst, gekichert und heftig gelacht werden kann.

Weitere Termine 12.12. bis 27.1.