Schwerelos und wunderschön Die große Meerjungfrau

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Katharina Hegemann hat sich vor drei Jahren ihre erste Schwanzflosse gekauft. Mittlerweile ist sie selbstständige Nixe auf der Ostalb und hat schon tausend Nachwuchsnixen ausgebildet.

„Ich glaube, wenn man sich Kiemen einbauen könnte, würde ich das tun“: Katharina Hegemann  bei Aufnahmen in Kroatien Foto: Blubberblitz
„Ich glaube, wenn man sich Kiemen einbauen könnte, würde ich das tun“: Katharina Hegemann bei Aufnahmen in KroatienFoto: Blubberblitz

Mutlangen - Nirgendwo scheint das Meer weiter weg zu sein als in Pfersbach. Und doch sitzt hier im Ostalbkreis, in dem 270-Seelen-Weiler bei Mutlangen, die einzige hauptberufliche Nixe Deutschlands. Vergangenen Herbst hat Katharina Hegemann im alten Schulhaus ihr Unterwasserbüro bezogen.

Die junge Frau mit dem Krakenring am Finger schwimmt auf einer Welle des Erfolgs. Die verschiedenen Kurse ihrer Meerjungfrauen-Schwimmschule sind für die nächsten zwei Monate wieder ausgebucht, mit den Versand ihrer Nixenartikel kommt sie kaum hinterher. Die große Nachfrage verwundert niemanden mehr als die Chefmeerjungfrau selbst: „Wenn mir jemand früher gesagt hätte, dass ich eines Tages 40 Kindern in der Woche das Schwimmen mit der Flosse beibringe – dem hätte ich nicht geglaubt.“

Es war Zufall, dass Katharina Hegemann vor gut drei Jahren bei der Suche nach einer Bauchtanz-Verkleidung auf ein Meerjungfrauenkostüm stieß. Oder es sollte so sein, denn der Faszination Meer ist sie schon lange erlegen. Im Grunde fühlt sich die 27-Jährige nirgendwo so sehr daheim wie im Salzwasser. „Wenn ich im Urlaub das erste Mal das Meer sehe, muss ich immer heulen“, sagt sie und lacht.

Noch größer ist die Verbundenheit geworden, seitdem sie sich dank Monoflosse und Beinanzug wie eines der mystischen Unterwasserwesen in ihrem Element bewegen kann. „Wenn ich das im Meer trage, habe ich das Gefühl, wirklich dorthin zu gehören. Alles ist so ruhig. Ich gebe sonst Vollgas und mag den Trubel, aber im Meer habe ich Zeit nur für mich selbst. Ich glaube, wenn man sich Kiemen einbauen könnte, würde ich das tun“, sagt sie.

Dinge für Nixen

Schon bevor sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, war die komplette Freizeit geprägt durch den von ihr gegründeten Meerjungfrauenclub, die Meerjungfrauenschule und den Internetversand für Nixenzubehör. „Ich hatte eine Vollzeitstelle als Grafikerin und bin danach direkt ins Hallenbad gehetzt. Meine kleine Wohnung war gleichzeitig Büro und Lager für den Onlineshop.“ Um sich freizuschwimmen, wagte sie den Sprung ins kalte Wasser und wurde hauptberufliche Nixe.

Momentan steht Katharina Hegemann fast täglich in Badeshorts und Flipflops in verschiedenen Hallenbädern der Region am Beckenrand, um Kindern und Jugendlichen – fast nur Mädchen – das Schwimmen mit der Monoflosse zu zeigen. An diesem Nachmittag sind die Fortgeschrittenen, die sogenannten Seeponys, in Mutlangen an der Reihe. Am rechten Ohr von Sarah glitzert ein kleiner Delfin. Und wie einer dieser Meeressäuger bewegt sich die Achtjährige auch durch das Hallenbad. Fünf Minuten kann sie dank gleichmäßiger Bewegungen mit ihrer Monoflosse im Wasser senkrecht stehen, ohne unterzugehen. Mit ein paar kräftigen Schlägen verschwindet sie in ihrem lila Beinanzug Richtung Beckenboden, um Ringe hochzuholen. Eine Querbahn tauchen? Überhaupt kein Problem. Nach einer Stunde zieht sich das Mädchen völlig erledigt, aber glücklich aus dem Becken. Mit der Leistung hat sie sich schon fast ihr erstes Meerjungfrauen-Abzeichen verdient.

Jetzt muss Sarah nur noch die Trainingsregeln etwas besser können, die vor allem für Sicherheit im Wasser sorgen sollen: „Am Anfang waren wir nach jeder Stunde grün und blau, weil wir ständig von Flossen getroffen worden sind. Deswegen ist vor allem der Anstand wichtig“, sagt Katharina Hegemann, die sich die Regeln sowie die verschiedenen Kursinhalte mit einer Freundin ausgedacht hat.

Eine ausgebildete Schwimmlehrerin oder Ähnliches ist sie nicht. Die Bewegungsabläufe hat sie sich von Meerjungfrau Nathalie abgeschaut, ihre Mentorin. „Sie hat vor 15 Jahren mit dem ,Mermaiding‘ in Deutschland angefangen und lebt mittlerweile auf Teneriffa“, erzählt sie. Die Fortgeschrittenen erlernen Formationen und Choreografien unter Wasser, müssen die Tauchersprache beherrschen oder in 3,80 Meter Tiefe sitzen können.

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