Schwerer Unfall in Stuttgart-Feuerbach Waggons rasen in Bahnhof Feuerbach

Von hog/ema/rmu/the 

Update: Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen: Hätte die Bahn die herrenlosen Waggons nicht rechtzeitig nach Feuerbach umgeleitet, wären sie Richtung Hauptbahnhof gerollt. Der S-Bahn-Verkehr normalisiert sich derweil langsam.



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Stuttgart - Nach dem folgenschweren Unfall am Bahnhof Feuerbach rätseln die Verantwortlichen der Bahn noch über die Ursachen des Unglücks. „Die Bundespolizei hat die Ermittlungen übernommen“, sagte Bahnsprecher Martin Schmolke am Vormittag auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung. Bisher könne man noch nichts zum Unfallhergang sagen.

Sicher sei jedoch, so Cora Thiele von der Bundespolizei, dass es auf der Strecke zwischen Kornwestheim und Feuerbach ein Gefälle geben müsse. „Sonst wären die Wagen überhaupt erst nicht in Bewegung geraten“, mutmaßte Thiele. Wären die Waggons vom zuständigen Fahrdienstleiter in Zuffenhausen nicht Richtung Feuerbach umgeleitet worden, wären sie in Richtung Hauptbahnhof gerollt. Im Laufe des Tages will die Bundespolizei zu genaueren Informationen über den Unfallhergang gelangen.

Aktuell seien die Experten der Eisenbahnuntersuchungsstelle des Bundes (EUB) auf dem Weg zur Unglücksstelle, sagte Schmolke. „Wir müssen uns jetzt vor allem die Statik des beschädigten Daches anschauen.“

Um 4.05 Uhr in der Nacht auf Freitag hatten sich nach Angaben der Polizei die drei Güterwaggons am Güterbahnhof Kornwestheim selbstständig gemacht und sind Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof gerollt. Der zuständige Fahrdienstleiter der Bahn bemerkte die unkontrolliert fahrenden Waggons und leitete sie zum Bahnhof Feuerbach um, wo sie mit voller Wucht auf einem Abstellgleis auf einen Prellbock krachten. Dabei sprangen sie aus den Gleisen und kamen schließlich an den Säulen des Bahnsteigdachs an Gleis 1 zum Stehen. Dabei beschädigten sie eine Oberleitung und das Bahnhofsdach, das nun einsturzgefährdet ist.

Fahrdienstleiter entdeckte die herrenlosen Waggons

Der Fahrdienstleiter hatte die herrenlosen Waggons entdeckt, weil die sogenannte Gleisfreimeldeanlage im Stellwerk unvermittelt die Strecke, die die Waggons genommen hatten, als besetzt angezeigt hat. Wohin die Waggons ohne das Eingreifen des Bahn-Bediensteten gerollt wären, ob sie womöglich sogar den Hauptbahnhof hätten erreichen können, ist unklar. „Der Mann hat auf jeden Fall weiteren Schaden verhindert“, sagte Bahn-Sprecher Schmolke.

Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand, allerdings mussten drei Menschen aus dem angrenzenden Bahnhofsgebäude in Sicherheit gebracht werden, teilte die Bundespolizei mit. Sie sprach von „erheblichem Sachschaden“, eine genaue Höhe konnte allerdings noch nicht genannt werden.

Der Kornwestheimer Rangierbahnhof ist nach dem Mannheimer Rangierbahnhof der zweitgrößte in Baden-Württemberg. Für gewöhnlich werden die Waggons dort über einen so genannten Ablaufberg „abgedrückt“, gewinnen in einem Gefälle immer mehr an Fahrt, um unten in die entsprechenden Gleise geleitet und ausgebremst zu werden. Obwohl auf Rangierbahnhöfen bei Nacht gearbeitet wird, hat offenbar niemand in Kornwestheim bemerkt, dass sich die drei Waggons gelöst hatten und Fahrt aufnahmen. „Genau dieser Umstand wird jetzt untersucht, dazu können wir noch gar nichts sagen“, erklärte Bahnsprecher Martin Schmolke. Die Waggons waren mit Altschienen beladen und sind bis Feuerbach etwa sechs Kilometer gerollt.

Zugausfälle und Verspätungen

Wegen des Unfalls müssen sich Bahnkunden auf dieser Strecke auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen, teilte die Bahn mit. Die Züge der Linien S4, S5 und S6 sind betroffen.

Die S4 und S5 fahren mittlerweile wieder planmäßig, halten allerdings nicht in Feuerbach. Während der Hauptverkehrszeit zwischen 16 und 19 Uhr endet die S4 stadteinwärts in Zuffenhausen und wendet dort in die Gegenrichtung - sie fährt also nicht zwischen Schwabstraße-Zuffenhausen-Schwabstraße. Die S5 verkehrt während der Hauptverkehrszeit planmäßig im 15-Minuten-Takt allerdings ohne Halt in Feuerbach. Die S6 endet stadteinwärts in Zuffenhausen und wendet dort.

Die meisten R-Bahnen enden derzeit in Kornwestheim beziehungsweise in Bietigheim-Bissingen. Der VVS schlägt als Alternativen die Linie U15 ab Zuffenhausen Kirchtalstraße vor, ab Hohensteinstraße können Fahrgäste mit der U7 und U15 Richtung Stuttgart fahren. Zwischen Feuerbach und Stuttgart-Zuffenhausen besteht zusätzlich ein Buspendelverkehr.

Auch der Regionalverkehr ist betroffen. Die IRE der Linie Karlsruhe - Stuttgart - Karlsruhe verkehren planmäßig. Die RE der Linie Würzburg - Stuttgart - Würzburg verkehren planmäßig ab 14:12 Uhr Abfahrt Heilbronn. Die RE der Linie Karlsruhe – Stuttgart enden in Kornwestheim und wenden dort in die entgegengesetzte Richtung. Die RE der Linie Heidelberg – Stuttgart enden in Kornwestheim und wenden dort. Die RB der Linie Heilbronn – Stuttgart enden ab 14:23 Uhr Ankunft Bietigheim in Bietigheim-Bissingen und wenden dort. Die RB der Linie Neckarelz – Stuttgart enden in Bietigheim-Bissingen und wenden dort.

Stadtbahnen sind sehr voll

Viele Fahrgäste steigen auf die Stadtbahn um, deshalb sind vor allem die Bahnen der Linien U7, U6 und U15 sehr voll. „Auf der Linie U15 setzen wir einen zusätzlichen Zug ein, außerdem haben wir zwischen den Bahnhöfen Zuffenhausen und Feuerbach einen Buspendelverkehr eingerichtet“, sagt Susanne Schupp, Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen AG. „Bei diesem hohen Verkehrsaufkommen ist es schwierig, den Fahrplan zu halten“, weshalb sich Fahrgäste auf volle Bahnen und Wartezeiten einstellen müssten.

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119 KommentareKommentar schreiben

nun wird´s wirklich gefährlich: Personaleinsparungen bedeuten übermüdetes Personal ode hektisches Personal. Immer mehr soll mit immer weniger Menschen in immer kürzerer Zeit geleistet werden. Um Geld zu sparen, dass bei S21 verpulvert wird. Gewinnbringend ( und da in unglaublich hohen Beträgen) ist es nur für einige wenige Immobilien Investoren, Einkaufszentrumsbetreiber, der Manager und Lobbyisten. es geht nicht mehr nut um ein paar 'Unannehmlichkeiten' die wir Bürger deshalb in Kauf nehmen müssen, sondern bei diesen gavierenden Unfällen ín der letzten Zeit, wird es nun wirklich gefährlich und lebensbedrohlich. Der nächste Zwischenfall (vermutlich in ein paar Wochen...mittlerweile werden die Abständemzwischen den Unfällen ja immer kürzer...)passiert dann vielleicht tagsüber wenn Tausende unterwegs sind. Vielleicht kapiert´s dann auch Ihre Zeitung endlich, dass Wirtschaftlsinteressen nicht Alles bedeuten. Ich arbeite übrigens im Gesundheitsbereich. Auch da passieren schon lange lebensgefährdende (und beendende!) Zwischenfälle, die den Einsparungen geschuldet sind. Die Oberärzte a.D. die neulich in Ihre Zeitung zu Wort kamen, haben das doch auch wieder nur schön geredet und sich nicht getraut die wahren Verhältnisse zu benennen. Diesbezüglich war ein Artikel in der 'Zeit' vor ein paar Wochen mutiger. P.S.: Deshalb kaufe ich die und nicht Ihre Zeitung!

typisch Befürworter: da passiert ein Unfall, eindeutig im Zusammenhang mit den Bauarbeiten zu S21 und die Befürworter behaupten natürlich gleich wieder es hätte nichts mit ihrem Lieblingsprojekt zu tun. Hallo? Es waren Schienen auf den Wagons!!!

Ach ja ..... alle Jahre wieder ....: ... und hier: ------------------> http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/baden-wuerttemberg_artikel,-Bahnverkehr-lahmgelegt-Polizei-ermittelt-_arid,133924.html <----------------------- und hier: ---------------------> http://www.thw-ludwigsburg.de/art2010_03_23/art2010_03_23.html <----------------- Mal ganz abgesehen von den Entgleisungen im Stuttgarter Hauptbahnhof, was stimmt denn da nicht? Da kann einem angst und bange werden. ____________________________________________________________ Pressemeldung vom 23.03.2012 -------------------------------------------------------- Anlässlich seines 30. Bundesverbandstages verleiht der Fahrgastverband PRO BAHN im niedersächsischen Bad Salzdetfurth seine diesjährigen Fahrgastpreise für das Jahr 2012. In diesem Jahr werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Art für den öffentlichen Verkehr auf Schiene und Straße einsetzen oder eingesetzt haben. Auch heute prägen Menschen das System des öffentlichen Verkehrs. Der Fahrgastverband PRO BAHN zeichnet jetzt zum 7. Mal Personen aus, die engagiert dafür arbeiten, dass der öffentliche Verkehr attraktiver wird und dass die Menschen kommen. ------------------ u.a. Dr. Rüdiger Grube (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG) Für die Wiederentdeckung des „Brot und Butter“-Geschäfts bei der Deutschen Bahn AG. ____________________________________________________________ Es ist einfach nur noch unglaublich! Nachdem die online-Redaktion meinen Kommentar am 30.11.2012 nicht freigeschaltet hat, nun der 2. Versuch meinen Kommentar zu platzieren.

Ich fasse mal zusammen:: - Es gibt keinen Eisenbahner pro S21 - niemand ist für die eigene Abschaffung - Natürlich hängt auch dieser Unfall mit S21 und der Abschaffung der Bahn zusammen - wenn nicht direkt, dann in jedem Falle indirekt (Fokussierung auf und Finanzierung von unsinnigen Projekten - Geld für sinnvolle Projekte und Personal ist dann nicht mehr da). Je mehr an falschen Stellen gespart wird, desto mehr passieren solchen Sachen - ist doch logisch! - Ein Zwergenbahnhof für eine Landeshauptstadt als Zukunftsprojekt durch zu bekommen ist, wie wenn ich zu meinem Chef sage, ich will jetzt nur noch halbtags arbeiten, dafür aber mehr Geld - Das Spekulationsobjekt S21 ist wie anderer Unsinn strikt abzulehnen, heute und für alle Tage.

Alles im Griff: Das waren wohl die bestrangierten Güterwagen der Bahn ;o)

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