Skatehalle in Bad Cannstatt Skater entwerfen ihre eigene Halle

Von Marta Popowska 

Bei der neuen Skateanlage neben dem Jugendhaus Cann in Bad Cannstatt soll nichts mehr schief gehen, daher planen die Betroffenen alles selbst – und überraschen dabei mit einigen Inneneinrichtungs-Details.

Hoch hinaus wollen Stuttgarts Skater künftig in Bad Cannstatt. Dort entsteht eine 750 Quadratmeter große Skatehalle neben dem Jugendhaus Cann. Foto: dpa, Lg/Leif Piechowski
Hoch hinaus wollen Stuttgarts Skater künftig in Bad Cannstatt. Dort entsteht eine 750 Quadratmeter große Skatehalle neben dem Jugendhaus Cann.Foto: dpa, Lg/Leif Piechowski

Stuttgart - Eine marode Skatehalle und viele ungeliebte Anlagen: die Stadt Stuttgart und ihre Skater blicken nicht wirklich auf eine Liebesgeschichte zurück. Bei der neuen Skatehalle, die seit Mitte Dezember hinter dem Cannstatter Bahnhof entsteht, soll jetzt aber alles anders werden.

Angesichts vergangener Fehler und Versäumnisse ist der Wille groß, dieses Mal nicht an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeizubauen. Nach vier Jahren Planung, die nicht immer ideal verlaufen sind, geht es nun fast schon rasant voran. Mit im Projektboot sind die Macher des Stuttgarter Skateshops Arrow & Beast. Den Innenausbau übernimmt die Berliner Firma Yamato Living Ramps, die ausschließlich Skateanlagen baut.

Die neue Skatehalle wird 750 Quadratmeter groß sein

Der grau-gelbe Neubau ist nicht zu übersehen. Links neben dem Jugendhaus Cann steht die Skatehalle prominent auf dem Bahngelände direkt hinter dem Cannstatter Bahnhof. „Wir haben hier einen tollen Standort gefunden“, betont der Geschäftsführer der Jugendhaus gGmbH, Sieghard Kelle. Die Gesellschaft ist Bauherr der 750 Quadratmeter großen Halle. Das Areal bietet auf zwei Etagen einen Kiosk, eine Lounge mit Schließfächern, einen Raum für Juroren sowie eine große Balkonempore, von der aus der wichtigste Teil des Gebäudes überblickt werden kann: der Skatebereich.

„Für die Skatehalle in Bad Cannstatt haben wir uns von dem urbanen Look einiger der berühmtesten Streetskate-Locations inspirieren lassen“, erklärt Lennie Burmeister von Yamato Living Ramps. 130 Kubikmeter Beton werden verbaut. Miniramps und eine Bowl, eine Schüssel aus Beton, wird man in der Halle vergeblich suchen. Zwar soll es auch klassische Skatepark-Elemente wie Geländer oder Schanzen geben, doch was errichtet wird, ist eine urbane Anlage, die mit Hydranten und Lüftungsschächten eher an eine Straßenlandschaft erinnert. „Wir setzen zusätzlich auf den Einsatz von besonderen Materialien wie Granit-Kanten oder farbigem Beton“, sagt Lennie Burmeister. Ein Element soll eine Art Hommage an die einst über die Grenzen Stuttgarts berühmt-berüchtigten „Red Banks“ werden. Die kegelförmigen Elemente aus roten Pflastersteinen, die an der Lautenschlager Straße standen, wurden 2012 entfernt.

Die Halle soll im Mai oder Juni eröffnen

Für die Ideen verantwortlich sind die Macher des Stuttgarter Skateshops Arrow & Beast sowie ehemalige Mitglieder des Pleite gegangenen Vereins Boost, der die marode Skatehalle an der Frachtstraße in Bad Cannstatt betrieben hatte. „Wir wussten, dass die Halle in Planung war und haben uns bei Sieghard Kelle vorgestellt“, sagt Oliver Merkelbach, einer der zwei Geschäftsführer von Arrow & Beast. „Für uns ist das eine einzigartige Gelegenheit. Man kann bei so etwas viel falsch machen“, sagt Merkelbach und erinnert an Anlagen wie den ungeliebten abschüssigen Park im Rotlichtviertel oder die Halle am Pragfriedhof, bei der wegen des Lärmschutzes für rund 1,7 Millionen Euro ein Dach nachgerüstet werden musste. Die Anlage hatte bereits 1,8 Millionen Euro gekostet.

Zwar sollen die Skater aus dem Umfeld von Arrow & Beast den Betrieb übernehmen, doch stehe die Halle laut Kelle auch anderen Veranstaltern offen, die sich mit Ideen an die Jugendhausgesellschaft wenden können. Er hofft, im Mai oder Juni eröffnen zu können. Auf ein Datum will er sich wegen der langen Vorgeschichte nicht festlegen. Der Standort für die neue Halle steht bereits seit 2011 fest. Doch bis der erste Spatenstich erfolgen konnte, vergingen vier Jahre. Nachdem für das anfängliche Budget von einer Million Euro kein Unternehmen gefunden werden konnte, stockte man den Betrag auf 1,4 Millionen Euro auf.

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