Skurril Auszeit am Airport

Von Hans-Werner Rodrian 

Flughäfen können mehr, als nur ein Platz für Starts und Landungen zu sein: Das Angebot reicht vom Haarschnitt bis zur exklusiven Fußreflexzonenmassage.

Skurrile Angebote am Flughafen Foto: Pixel/Fotolia
Skurrile Angebote am FlughafenFoto: Pixel/Fotolia

Während des Urlaubs das Auto am Flughafen in die Inspektion bringen? Oder noch schnell die wacklige Zahnplombe reparieren lassen? Wer auf dem Weg in die Ferien ist, der findet eine Vielzahl von Dienstleistungen. Einiges davon kennen allerdings selbst Stammgäste nicht. Wir haben die interessantesten und ungewöhnlichsten Angebote zusammengestellt.

Diverse Flughäfen und ihre skurrilen Angebote

Der Frankfurter Flughafen hat gerade zwei Yoga-Räume für seine Passagiere eröffnet. Matten liegen bereit, auf den Bildschirmen laufen Yoga-Anleitungen zu fernöstlicher Musik. Gedämpftes Licht und das wandfüllende Bild eines Buddha schaffen das passende Ambiente, damit Fluggäste vor dem Ab- oder Weiterflug ganz in Ruhe ihre Übungen machen können. Das Angebot passt in die Zeit. Und der Frankfurter Flughafen steht mit dieser neuen Aktion auch nicht allein. Immer mehr Flughäfen in Europa und der Welt sprechen mit ähnlichen Dienstleistungen Urlauber und Einheimische an. Der Zweck: Die Menschen sollen sich wohlfühlen, sie sollen den Flughafen nicht nur als Möglichkeit sehen, schnell in die Ferne zu fliegen. Man will, dass sie sich auch dort aufhalten - und natürlich dabei möglichst viel Geld ausgeben! Das beginnt bereits bei der Ankunft: Die Frankfurter bieten bundesweit (übers heimische Reisebüro buchbar) einen Limousinenservice an, mit dem man sich von der Haustür bis zum Abflug-Gate chauffieren lassen kann. Der Flughafen Stuttgart kontert mit einem 120 Euro teuren VIP-Paket, das den Gast nach dem Urlaub direkt am Flugzeug mit einem Porsche Panamera abholt; ein Gepäckträgerservice bis vier Gepäckstücke ist inklusive. Für bis zu zwei Personen gibt es den VIP-Service ab 120 Euro, jede weitere Person kostest 50 Euro, bei Familienbuchung ist ein Kind bis zwölf Jahre frei. Auch wer mit dem eigenen Auto kommt, muss es nicht nutzlos in die Garage stellen. Warum nicht dem fahrbaren Untersatz gleichzeitig eine Inspektion gönnen? In München ist das z. B. für die Marken BMW, Audi und Mercedes möglich. In Stuttgart wäscht und tankt der Valet-Parking-Service des Parkhausbetreibers Apcoa nicht nur das gute Stück, sondern bringt es auch in eine Fachwerkstatt.

Ab in die Sonne, aber ohne Wintermantel: Karibik- und Fernosturlauber können auf dem Frankfurter und auf dem Münchner Flughafen ihre dicken Jacken und Mäntel abgeben und sie nach dem Rückflug wieder abholen. Kostenpunkt: ca. 50 Cent pro Tag. Die meisten anderen Flughäfen verfügen über wenigstens eine Gepäckschließanlage. In Stuttgart zahlt man dafür je nach Größe zwischen zwei und sechs Euro. Ob die wackelige Zahnfüllung den Urlaub noch übersteht? An vielen Flughäfen von Düsseldorf über München bis Zürich gibt es direkt am Terminal Zahnarztpraxen. Die Airport Dental Services in Zürich haben zum Beispiel auch samstags und sonntags von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Danach fällt das strahlende Lächeln doch gleich viel leichter. Aber es muss ja nicht gleich ein Notfall sein. Manchmal sind einfach zwei oder drei Stunden totzuschlagen, bis der Flieger startet. Wie wäre es dann mit einem Lounge-Aufenthalt? Dazu muss man nicht First Class gebucht haben und braucht auch keine Einladung von der Airline. In Stuttgart lässt sich etwa für 16 Euro der Zugangscode für die Elli-Beinhorn-Lounge erwerben. Keinen Eintritt zahlt man beim Restaurant Top Air am Stuttgarter Flughafen, das bislang einzige Sterne-Restaurant an einem europäischen Flughafen, Sonntag und Montag ist Ruhetag.

Weitere skurrile Angebote

In München locken die Flughafen-Brauerei samt Biergarten und das Fit & Fly Spa im Hilton-Airporthotel samt beheiztem Indoor-Pool, Sauna, Solarium und vielfältigem Massageangebot. Gratis-Relaxzonen, um noch mal die Beine auszustrecken, bevor es losgeht, findet man auch noch an den Terminals, und kostenlosen Kaffee dazu (bei Gate 38). Sportlich gibt sich der Flughafen Zürich: Dort kann man Fahrräder und Inlineskates ausleihen (vier Stunden kosten 20 CHF/ca. 18 Euro). Soll es danach vielleicht ein Nickerchen sein? Im Transit-Hotel bei den Gates B/D haben Sie die Wahl zwischen einem richtigen Zimmer (drei Stunden 45 CHF/ ca. 40 Euro), einer Liege in der Ruhezone (20 CHF/ca. 18 Euro) oder nur einer erfrischenden Dusche (15 CHF/ca. 13 Euro). Duschen ist auch ein Top-Tipp für alle, die übernächtigt aus dem Flieger steigen. Manchmal ist dafür - wie in Porto und Dubai - nicht mal etwas zu bezahlen. Für kleines Geld zu haben ist in vielen Flughäfen eine Rücken- oder Kopfmassage. Beim Anbieter Be Relax gibt es an 14 Flughäfen die Nackenmassage in einem Massagestuhl bereits für 19 Euro. In Singapur hat der Durchreisende die Wahl zwischen einem Swimmingpool auf der Dachterrasse und dem einzigen Flughafen-Schmetterlingsgehege der Welt.

Immer mehr Airports bieten Durchreisenden luxuriöse Angebote gegen Langeweile. Der Airport von Dubai kann es nicht nur mit vielen Shopping-Malls aufnehmen. Zwei Zen-Gärten bieten Oasen der Ruhe. Und wer 205 US-Dollar (ca. 183 Euro) und zwei Stunden Zeit übrig hat, der bekommt dafür im Timeless Spa im Dubai Airport Hotel eine klassische Jetlag-weg-Massage mit traditioneller Gesichtsbehandlung. Gut dran sind Durchreisende auch in Amsterdam. Auf dem Holland Boulevard des Flughafens Schiphol findet sich die angeblich erste Flughafen-Bibliothek der Welt. Und um frische Luft zu schnappen, gibt es einen Airport-eigenen Garten. Auf dem verkehrsgünstig auf der Polroute nach Fernost liegenden Flughafen Helsinki-Vantaa gibt es zwar keine Bücherei, stattdessen einen Book Swap: Man legt das ausgelesene Exemplar hin und nimmt sich dafür ein anderes mit. Weitere Annehmlichkeiten sind die Duschen in der (kostenpflichtigen) Aspire Lounge, eine Kunstgalerie und futuristische Schlafhülsen (sleep pods) mit Handy-Ladestation. Apropos schlafen: Wer nach einem Langstreckenflug wieder festen Boden betritt, der will oft nichts anderes. Diverse Schlafmodulhotels haben sich darauf eingestellt. In New York, Amsterdam und London stehen sogenannte Yotels ab 32 Euro für ein Schläfchen (drei Stunden) bereit, ein Badezimmer ist im Preis enthalten. Auch in München kann man in Schlafboxen ein schnelles Nickerchen machen; die dortigen Napcabs befinden sich im nichtöffentlichen Bereich des Terminals 2. Vielflieger schwören jedoch auf etwas anderes: einen Friseur. Wer dort wieder aufsteht - frisch gestylt oder mit Nassrasur, fühlt sich gleich wie neugeboren. Und einen Friseur gibt es nun wirklich an jedem Flughafen.

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