SMA-Chef zu Stuttgart 21 "Die Kombinationslösung ist dreimal so gut"

Der Stresstest-Gutachter Werner Stohler wirbt im Streit über Stuttgart 21 für einen Kompromiss zwischen den vorliegenden Konzepten.

Er hat den Stresstest bewertet: Werner Stohler ist Chef des international gefragten Bahnplanungsunternehmens SMA. Foto: dpa
Er hat den Stresstest bewertet: Werner Stohler ist Chef des international gefragten Bahnplanungsunternehmens SMA.Foto: dpa

Stuttgart - Der Stuttgart-21-Stresstest hat einen neuen Akzent in den Streit über den geplanten Tiefbahnhof gebracht. Angeregt durch Schlichter Heiner Geißler hat der Chef der Schweizer Beratungsfirma SMA, Werner Stohler, als Kompromisslösung eine Kombination aus Tief- und Kopfbahnhof vorgeschlagen. Doch die Idee hat nicht nur Freunde gefunden.

 Herr Stohler, Sie haben mit Ihrem Vorschlag einer Kombilösung als Alternative zu Stuttgart21 eine neue Debatte ausgelöst. Wie sind die Reaktionen?

Ich kann gar nicht mehr arbeiten, so viele Anfragen habe ich zu diesem Thema.

Was hat Sie dazu bewogen, mit Heiner Geißler SK 2.2 zu entwickeln?

In Vorgesprächen ist uns klar geworden, dass sich auch nach dem Stresstest die Fronten nicht verändern werden. Deshalb haben wir uns gefragt: Gibt es einen technischen Kompromiss zwischen den Positionen, der zu einem politischen Kompromiss führen könnte? Technisch gesehen fällt einem die Kombilösung praktisch in den Schoß, wenn man unbeschwert herangeht.

Warum ist aus Ihrer Sicht SK 2.2 besser als das Knotenkonzept Stuttgart21?

Die Frage ist, welches Angebot die Bahn in 20, 30, 50 Jahren ihren Kunden offerieren will und welche Anlagen notwendig sind, um dieses Angebot zu machen. Dazu gibt es im Eisenbahnwesen so etwas wie eine goldene Formel: Die Kapazitäten kann man erhöhen, wenn man die Geschwindigkeiten - also die Zugarten - trennt. Diese Überlegung liegt auch der Idee zugrunde, eine neue, durchgehende ICE-Verbindung von Mannheim über Stuttgart bis Ulm zu bauen. Dadurch bekommt man ein geschlossenes System des Schnellverkehrs.

Das hat nach etlichen Jahren zum Konzept Stuttgart21 geführt. Diesem haben Sie im Stresstest das Prädikat "optimale Wirtschaftlichkeit" verliehen. Warum sagen Sie jetzt, eine Kombivariante mit Tief- und Kopfbahnhof wäre besser?

Unsere Frage in der herrschenden Gemengelage war: Was könnte die Bilanz am Ende des Stresstests sein? Diese könnte sein: Stuttgart21 hat bestanden, die Bahn darf bauen und tut das zehn Jahre lang unter Polizeischutz. Oder die Planungen wären auf null zurückgesetzt worden, wenn die Gegner recht bekommen hätten.