Soko Stuttgart in Bad Cannstatt Die Toten liegen bei den Pferdetrögen

Von Petra Mostbacher-Dix 

Mitglieder der Feuerbacher Stiftung Zeit für Menschen dürfen hinter die Kulissen der ZDF-Reihe Soko Stuttgart blicken, die im Römerkastell in Bad Cannstatt gedreht wird.

Die SOKO-Pathologie stammt aus einem ehemaligen Krankenhaus. Foto: Mostbacher-Dix
Die SOKO-Pathologie stammt aus einem ehemaligen Krankenhaus.Foto: Mostbacher-Dix

Bad Cannstatt/Stuttgart-Feuerbach - Auch bei den Bavaria Filmstudios regiert die Ökonomie. „Wir filmen gleich mehrere Verhöre hintereinander drei bis vier Tage lang“, beschreibt Hansgert Eschweiler, Pressesprecher der Bavaria Filmgruppe, die Dreharbeiten für die Soko Stuttgart, deren Ermittler immer donnerstags um 18.05 Uhr im ZDF Verbrecher jagen. Er sitzt auf jenem Tisch, an dem sonst Hauptkommissarin Martina Seiffert, gespielt von Astrid M. Fünderich, oder ihre Kollegen Verdächtige befragen. Anstatt der Ermittler stellen die Fragen indes nun die 39 Besucher der Feuerbacher Stiftung Zeit für Menschen.

„Wir bieten unseren Mitgliedern und Menschen, die es interessiert und die vielleicht Mitglied bei uns werden wollen, einmal im Jahr etwas Außergewöhnliches wie diese exklusive Führung“, erklärt der Sprecher des Stifterkreises Jürgen Kaiser. Bei der Soko kümmert sich derweil um die Gruppe ein schwäbisch-rheinländisches Tandem: Neben dem Kölner Eschweiler ist auch ein Stuttgarter dabei, Soko-Produktionsleiter Rolf Steinacker. Der schiebt mit schwäbischem Knitz ein Paneel auf, aber dahinter sind keine Leichen verborgen, sondern denkmalgeschützte Wände. „Hier waren die Pferde an ihren Trögen“, erklärt er. Die Soko wird im Römerkastell gedreht. Auf den – einst von den Römern gegründeten – Fundamenten wurde ab 1904 eine Dragonerkaserne für die Truppen König Wilhelms von Württemberg erbaut.

Pathologie aus ehemaligem Feuerbacher Krankenhaus

Friedlich geht es auch im „Großraumbüro“ zu. „Hier sitzt Seiffert, dort Jo – und da Yvi.“ Eschweiler verweist auf die Schreibtische mit „Fahndungsakten“. „Für jede Rolle der Kommissare gibt es eine Bibel mit dem Charakter der Figur. Jos Schreibtisch müsste unaufgeräumter sein, er ist der Chaot, seine Chefin geht strukturiert vor.“ Aufgeräumt liegen Skalpelle und andere Werkzeuge in der Gerichtsmedizin bereit. Eschweiler öffnet die Kühlzellen einer stählernen Fassade. In einer liegt eine Gummipuppe mit blondlockigen Haaren. „In einem Fall liebte jemand diese Puppe“, erläutert Steinacker lakonisch. „Die Pathologie haben wir vom ehemaligen Feuerbacher Krankenhaus bekommen.“

Das Krankenzimmer auf dem Set freilich wurde nachgebaut, genauso wie das Neckar-Hausboot, auf dem Kommissar Stoll wohnt, oder die Werkstatt von Schrotti, jenem Autotüftler, dem Entertainer Michael Gaedt Lokalkolorit gibt. „Das ist eine Maschine von Gaedt“, so Eschweiler auf ein Motorrad zeigend. Die Kulissen in den Studios sparten Kosten, mache die Crew unabhängig vom Wetter. Das Budget im Blick hat Rolf Steinacker, eine Folge kostet rund 400 000 Euro. Um das zu halten, müssten die derzeit 15 Drehbuchautoren manches umschreiben. „Von zehn geschrotteten Autos müssen zwei raus“, flachst Eschweiler. „Letztlich geht es darum, dass sie die gewohnt hohe Qualität bekommen.“ Einige Besucher nicken. Einer erklärt: „Toll, so ein Blick hinter die Kulissen.“

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