Sommerserie: Der Imkerverein Ludwigsburg Ohne Bienen gibt es weder Obst noch Gemüse

Von Claudia Bell 

Wenn sich die schwarz-gelb gestreiften Brummer nähern, bekommen viele Menschen Angst. Völlig zu Unrecht, sagen die Mitglieder des Imkervereins, und halten zum Beweis erst mal ihre Hand in den Bienenschwarm.

Bienen kommunizieren untereinander, indem sie mit ihrem Hinterteil schwänzeln. Foto: factum/Granville
Bienen kommunizieren untereinander, indem sie mit ihrem Hinterteil schwänzeln. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Angefangen hat bei Sabri Yilmaz alles mit einem gepachteten Garten. „Als ich mir das Grundstück vor ein paar Jahren angeschaut habe, dachte ich mir sofort: Hier blüht ja alles so wunderbar - da müssen dringend Bienen her“, erzählt der Pressereferent des Ludwigsburger Imkervereins. Und das, obwohl er damals noch rein gar nichts mit den schwarz-gelben Insekten zu tun hatte. Also besuchte Yilmaz mehrere Schulungen, bildete sich fort und legte sich vor drei Jahren sein erstes Völkchen zu. Mittlerweile hat er fünf davon in seinem Garten stehen und ist eines von 280 Mitgliedern im Imkerverein Ludwigsburg.

Sabri Yilmaz gehört damit zu den Hobby-Imkern, die aus Sicht der erfahrenen Profis alles richtig gemacht haben. Der Vereinsvorsitzende Gerd Molter warnt ausdrücklich davor, sich ohne Vorkenntnisse Bienen zuzulegen. „Wenn man sich nicht richtig um die Bienen kümmert, ist das Volk nach spätestens einem Jahr tot“, warnt er. Man müsse das Volk verstehen lernen und erkennen, ob es den Tieren gut gehe oder nicht. Ein- bis zweimal im Jahr müssten die fleißigen Brummer behandelt und so vor Pilzbefall und anderen Krankheiten geschützt werden.

Honig ist Vertrauenssache

Für Sabri Yilmaz ist die Pflege seiner Bienen eine willkommene Abwechslung zum Alltag. „Ich kann mich super entspannen im Garten und habe auch keine Angst davor, gestochen zu werden“, sagt er. Die Einstellung hat er von Paul Aubert, der seit 31 Jahren Mitglied im Imkerverein ist. ­Gemeinsam mit seiner Frau Heidi besitzt Aubert 18 Völker, die er beim Veterinäramt angemeldet hat. Verkauft werden die Honigprodukte in Honigläden in Schwieberdingen. „Honig ist absolute Vertrauenssache“, sagen beide; nur wenige Produkte seien so komplett unbehandelt und naturrein wie der Honig.

Der Honig ist also die eine Sache; doch was täte die Welt, wenn es irgendwann gar keine Bienen und andere Insekten mehr gäbe? „Es fänden keine Bestäubungen mehr statt, und somit gäbe es auch kein Obst und Gemüse mehr“, bringen es die Ludwigsburger Imker auf einen Punkt. Sie freuen sich daher umso mehr, dass ihr Verein nicht – wie so viele andere Vereine – unter Nachwuchssorgen leidet. Im Gegenteil: die 280 Mitglieder, Tendenz steigend, betreuen rund 1200 Bienenvölker. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei etwa 50 bis 55 Jahren, der Anteil der Frauen steigt von Jahr zu Jahr und liegt derzeit bei etwas mehr als 25 Prozent. „Frauen sind in der Regel doch häufiger im Garten und überlegen sich dann eben, dass ein Bienenstock im Garten und der eigene Honig doch ganz nett wären“, vermutet Molter ob dieser Tatsache.

Paten wären eine win-win-Situation

Die gesellschaftliche Struktur, die sich durchs Vereinsleben zieht, ist überaus gemischt. Vom Richter über den Lehrer, den Handwerker, den Müllwerker, den Rentner oder den Arzt ist alles dabei. Es sind allesamt Menschen, die nach Ansicht von Gerd Molter ein geregeltes Leben führen und sich überlegen, was sie in ihrer Freizeit Sinnvolles anstellen können. Eben solche wie Sabri Yilmaz. „Solche wie ihn bräuchten wir noch mehr in unserem Verein, es ist doch toll, wenn sich Menschen für ­etwas Neues interessieren“, sagt Paul Aubert.

Die Bereitschaft allerdings, sich auch außerhalb der Pflege der eigenen Bienenstöcke zu engagieren, sei bedauerlicherweise nicht besonders hoch. Gerade, wenn sich Neulinge dazu gesellten und sich Bienenstöcke zulegen wollten, wäre es wichtig, von erfahrenen Paten an die Hand genommen zu werden. „Das wäre eine win-win-Situation, bei der jeder vom andern profitieren kann. Aber leider sind unsere älteren Mitglieder von der Idee nicht ganz so begeistert“, bedauert der Vereinsvorsitzende Gerd Molter.

Paul Aubert ist der „Bienenflüsterer“

Dennoch werden alle Neu-Imker von den „alten Hasen“ an die Hand genommen. Neben dem Casa Mellifera zwischen Ludwigsburg und Hoheneck brummt und summt es, hier stehen die Schulungsvölker, mit denen die Imker ihr Hobby erklären. Besuchern, die zum ersten Mal hierherkommen und möglichst nah an die Holz-Bienenhäuser herantreten sollen, wird es etwas mulmig angesichts der vielen umherschwirrenden Insekten. Doch die Bedenken wischt der von seinen Kollegen „Bienenflüsterer“ genannte Paul Aubert mit einer Handbewegung weg. „Keine Angst, die machet nix. Die riechet ihr Herrle.“