Stadtteilzentrum in S-Ost Im Gasparitsch ist Eigeninitiative erwünscht

Von kan 

An der Rotenbergstraße in Stuttgart-Ost hat ein neues Stadtteilzentrum eröffnet. Auf die Beine gestellt hat es eine Handvoll Menschen mit viel Eigeninititiave. Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen.

Die Vereinsmitglieder haben zum Teil selbst Geld in das neue Stadtteilzentrum Gasparitsch an der Rotenbergstraße gesteckt. Foto: Veronika Kanzler
Die Vereinsmitglieder haben zum Teil selbst Geld in das neue Stadtteilzentrum Gasparitsch an der Rotenbergstraße gesteckt. Foto: Veronika Kanzler

S-Ost - Wie passen Erwachsenenbildung, Partys sowie politische und soziale Angebote zusammen? Mit dem Anspruch, diese und viele weitere Veranstaltungen anzubieten, hat der Verein für kulturelle und soziale Eigeninitiative das selbstverwaltete Stadtteilzentrum Gasparitsch an der Rotenbergstraße 125 in Stuttgart-Ost gegründet. „Angefangen hat alles vor zwei Jahren. Damals waren wir gerade mal zu dritt, hatten aber schon die Vorstellung, einen Verein zu gründen und Räume wie diese zu eröffnen“, erzählt der Vorsitzende Sören Kienzle, immer bedacht zu erwähnen, dass er zwar Vorsitzender sei, aber „alle Mitglieder das gleiche Stimmrecht haben und der Verein als Ganzes im Vordergrund steht“.

Sie haben klein angefangen und einmal im Monat ein Nachbarschafts-Frühstück im Klingenbachpark veranstaltet. „Es gab immer ein Kommen und Gehen von Mitgliedern. Schlussendlich sind doch mehr geblieben“, sagt Kienzle. Kennengelernt haben sich die heutigen Vereinsmitglieder durch gemeinsame Freunde und bei Demonstrationen. „Wobei es uns wichtig ist“, so Kienzle, dass das Gasparitsch und der Verein politisch unabhängig seien.

Kaffee und Getränke gegen Spende

Heute zählt der Verein rund 35 Mitglieder, die auch an der Finanzierung des Stadtteilzentrums beteiligt sind. „Das Konto hat nie mehr als 200 Euro angezeigt – trotz diverser Aktionen“, erzählt Marion Schöndienst, die ebenfalls Mitglied des Vereins ist. Um das Projekt voran zu bringen, habe jedes Mitglied selbst Geld reingesteckt. Obwohl auch dieser Betrag nicht für die Miete reiche, bekam der Verein für kulturelle und soziale Eigeninitiative die Räume zur Verfügung gestellt. „Der Vermieter hat uns eine Vorlaufzeit gewährt“, freut sich der 25-jährige Vorsitzende.

Mit einem Partykeller für Konzerte, einem Info-Café mit Büchern und Magazinen zum Ausleihen und Kaufen sowie einem separaten Raum mit Küche für Veranstaltungen wollen sie das Stadtteilzentrum dauerhaft finanzieren. „Wir bieten Kaffee und andere Getränke gegen eine Spende an“, erklärt Kienzle. Jeder sei willkommen, etwas mitzubringen. Denn wenn alle sich beteiligten, sei genug für jeden da – und je mehr sich beteiligten, desto mehr sei eben möglich. „Diesen Ansatz haben wir seit Beginn und er hat sich immer bewährt“, erzählt Kienzle.

Rund 350 Besucher zum Auftakt

Die Räume an der Rotenbergstraße 125 waren kahl und ohne Mobiliar. „Das Meiste wurde gespendet, einige Sachen haben wir auf dem Sperrmüll gefunden“, so Schöndienst. Der Eröffnungstag am Samstag hat viele Menschen aus der Nachbarschaft angezogen: einige aus Neugier, die Mehrheit sind Unterstützer des Vereins. Es gab Kaffee und Kuchen, eine Spielecke für Kinder, Kinderschminken und viele Infos.

Rund 350 Besucher waren es, die sich am Samstag die Räume zeigen ließen, draußen im kleinen Garten die Sonne genossen und bei Kaffee und Kuchen der Musikerin Bea Bacher zuhörten. Später wurde der Partykeller von vier Bands eingeweiht. „Wir sind sehr glücklich, dass das Zentrum Gasparitsch so viele Menschen aus der Umgebung angezogen hat“, freute sich der Vereinsvorsitzende zur Eröffnung.

Benannt nach einem Widerständler gegen die Nazis

Das selbstverwaltete Stadtteilzentrum in Stuttgart-Ost wurde nach einem Mann benannt, der während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen Hitler leistete. Hans Gasparitsch wurde 1918 in der heutigen Haußmannstraße geboren. Mit 17 Jahren wurde er mit Freunden erwischt, als sie an Skulpturen im Schlossgarten die Botschaft „Hitler=Krieg“ malten. Gasparitsch wurde ins Gefängnis und danach in ein Konzentrationslager gebracht. Nach zehn Jahren kam er 1945 zurück nach Stuttgart. Danach schrieb er unter anderem für die kommunistische Zeitung „Volksstimme“. Im Jahr 2000 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er starb 2002.

Sonderthemen