Steinenbronn Familie Foroghi schätzt die Sicherheit im Ort

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Seit Mitte Januar leben Flüchtlinge in der Steinenbronner Schulporthalle. Beim Tee erzählt eine Familie von ihren Zukunftsplänen und ihren Hoffnungen.

Die Familie Foroghi aus Kabul lebt seit Mitte Januar in diesem Abteil der Schulsporthalle in Steinenbronn Foto: Malte Klein
Die Familie Foroghi aus Kabul lebt seit Mitte Januar in diesem Abteil der Schulsporthalle in SteinenbronnFoto: Malte Klein

Steinenbronn - Ein Junge, etwa drei Jahre alt, steht im Foyer der Steinenbronner Schulsporthalle. Staunend schaut er den Besucher an. Und diesem wird klar, dass es in der provisorischen Flüchtlingsunterkunft in der Halle um das gegenseitige Kennenlernen geht. Der Reporter trifft die neuen Bewohner der Halle. Sie lernen den Einheimischen kennen. Beide Seiten sind aneinander interessiert. Der kleine Junge zeigt das am deutlichsten.

Zum Heimleiter Jörg Hamm gelangt der Besucher durch die Schulturnhalle, in die provisorische Wände eingezogen sind. Wo bis Dezember das Aufprallen von Bällen zu hören war, brabbeln nun Kinder.

Die Bewohner halten sich an die Hausregeln

Hamm hat sein Büro hinter einer Glasscheibe zur Halle hin. Früher arbeitete der Ingenieur in der Druckindustrie. Jetzt kümmert er sich darum, dass die Flüchtlinge sich eingewöhnen. Gemeinsam mit dem Landkreis-Pressesprecher Dusan Minic berichtet er im Geräteraum über das Leben der Flüchtlinge in der Halle. „In keiner anderen Einrichtung wurden die Hausregeln so gut eingehalten wie hier“, sagt Hamm. Dazu gehört, dass sie ihre Abteile sauber halten, von 22 bis 8 Uhr Nachtruhe ist und es ein Rauch- und Alkoholverbot gibt.

Der Ordnungsamtsleiter Simon Römmich bestätigt telefonisch, dass es mit den Flüchtlingen gut läuft. „Es ist nichts Negatives vorgefallen.“ Römmich ist in der Gemeindeverwaltung für die Flüchtlinge zuständig. „Wir hätten gerne, dass diese Leute in der Anschlussunterbringung bei uns bleiben“, sagt er. Denn sie kennen den Ort und die Verwaltung kennt die Flüchtlinge, die meisten von ihnen Afghanen.

Kleine Kinder spielen, die größeren gehen zur Schule

Während des Gesprächs mit Hamm taucht der kleine Junge im Gang auf. Er bleibt in einiger Entfernung stehen und schaut interessiert, was die Erwachsenen reden. Nach ein paar Minuten ist der Junge verschwunden. Dann ist er wieder da, gemeinsam mit anderen Flüchtlingskindern. Auch sie wollen schauen, wer Fremdes in der Halle sitzt.

Die größeren Kinder gehen schon in die Schule. Die Erwachsenen erledigen in der Halle etwa Putzdienste und helfen dem Hausmeister. Gerade tragen zwei Bewohner eine Turnmatte in die Halle und lehnen sie an eine Wand. Kurz darauf klettern Kinder immer wieder an der Matte hoch und lassen sich zurückrutschen. Der kleine Junge ist natürlich auch dabei.

Die Bibliothek als Lieblingsplatz

Daneben steht die 14-jährige Mahin Foroghi. Sie stammt aus Kabul und ist seit zwei Monaten in Deutschland. „Ich bin froh, hier zu sein. Es ist so friedlich in Steinenbronn und die Leute sind freundlich“, sagt sie auf Englisch. Ihre ältere Schwester Farhat (25) kommt dazu und sagt: „Ich genieße es, hier zu sein. Am Samstag sind wir bei einer Familie eingeladen.“ Die Freude darüber merkt man ihr an. Sie hat schon einen Lieblingsplatz in Steinenbronn. Es ist die Bibliothek. „Ich mag es, dort zu sitzen und in Ruhe zu lesen.“ In Afghanistan hat sie Mathematik studiert und dann für die Regierung gearbeitet. Nun hat Farhat Foroghi klare Zukunftspläne: „Ich möchte Wirtschaft studieren und dann mit diesen netten Deutschen arbeiten.“

Die Schwestern bitten den Besucher in das Abteil ihrer Familie, in dem sie mit den Eltern und zwei Brüdern leben. In ihrer Heimatsprache Paschtu erklärt Farhat Foroghi, wer der Fremde ist. „Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen“, lässt der Vater Guhlam Abbas Foroghi seine ältere Tochter übersetzen. Er bietet Tee an, während Farhat Schokolade und Brot auf den Tisch stellt. Dann beginnt Guhlam Abbas Foroghi zu erzählen: „Ich habe in Afghanistan als Bauingenieur im Straßenbau gearbeitet.“ An Deutschland schätzt er den technischen Fortschritt und möchte gemeinsam mit den Einheimischen arbeiten. „Außerdem wünsche ich mir, dass meine Kinder hier ihre Ausbildung abschließen. In Kabul war es für sie zu gefährlich, zur Schule zu gehen.“ Seine Frau Nilofar war in Kabul Lehrerin. Sie schätzt Deutschland: „Ihr behandelt alle Menschen gleich – egal woher sie kommen. Das ist so menschlich.“

Endlich in Sicherheit

Zum Abschluss sagt Farhat Foroghi zwei Sätze, die erahnen lassen, was die Familie erlebt haben muss: „Sie glauben gar nicht, wie froh wir sind, hier in Sicherheit zu sein. Ich kann das gar nicht in Worte fassen.“

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