Stille Helden Der Pazifist

Von Gunther Nething 

Roland Blach ist Friedensstifter von Beruf. Der 44-jährige Familienvater setzt sich gegen Krieg, Gewalt und für die Abschaffung aller Atomwaffen ein.

Roland Blach ist von Kopf bis Fuß auf Frieden eingestellt. Foto: Horst Rudel
Roland Blach ist von Kopf bis Fuß auf Frieden eingestellt.Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Wer zu Roland Blach möchte, kommt um die „Anstifter“ nicht herum. Aber das ist kein Beinbruch, im Gegenteil: Die Stuttgarter Bürogemeinschaft der Deutschen Friedensgesellschaft und Vereinigten Kriegsdienstgegner, deren Landesgeschäftsführer Roland Blach ist, mit dem Bürgerverein der Anstifter, der seinerseits eng mit dem Namen Peter Grohmann verknüpft ist, bildet so etwas wie eine ideelle Symbiose. Und da lässt sich der Bogen locker von der Aufmunterung zur Zivilcourage bis zum Eintreten für den Rüstungsstopp schlagen.

Einer ausdrücklichen Anstiftung zur konsequenten Friedensarbeit hat es freilich bei Roland Blach nicht bedurft. Aufgewachsen in Kornwestheim, absolvierte er nach dem Abitur und dem Zivildienst eine Ausbildung zum Mediator und war mit 25 Jahren bundesweit der Jüngste seines Fachs. Seit 1996 ist Blach in den Reihen der Friedensbewegung zu finden, wo er sich schwerpunktmäßig um Fragen der atomaren Abrüstung kümmert. Die Geschäftsführung des insgesamt 800 Mitglieder zählenden Landesverbands hat er vor zwölf Jahren übernommen.

Was sich nach einer zügigen Laufbahnplanung anhört, hat indes eine Vorgeschichte mit ganz spezifischer persönlicher Einfärbung. Die Eltern ­kamen als Heimatvertriebene aus Schlesien, der Vater, ein Mechanikermeister, war kirchlich engagiert und unter christdemokratischem Vorzeichen auch gewerkschaftlich „verortet“, wie es Roland Blach rückblickend ausdrückt. Der Wertkonservatismus im Sinne des Bewahrens war also quasi familiär angelegt, doch als Heranwachsender tastete sich der Jungspund erst einmal durch eine zunehmend unruhiger werdende Zeit und Welt. Schlagworte wie Nato-Doppelbeschluss und das Kalte-Krieg-Geklingel vom Gleichgewicht des Schreckens geisterten durch die Medien, als Antwort auf die sowjetischen SS-20-Mittelstreckenraketen brachte der Westen die Pershing II ins Gespräch – und dann bald auch in Stellung.

Tschernobyl verändert viel bei ihm

Mit den Raketenplänen wuchs freilich auch der Widerstand unter der Bevölkerung. Als sich im August und September 1983 von Heinrich Böll bis Walter Jens, von Günter Grass bis Helmut Gollwitzer prominente Denker aus der ganzen Republik vor den Toren der Mutlanger Heide versammelten, um mit Tausenden von Demonstranten gegen die dortige Stationierung der amerikanischen Pershing II zu protestieren, da gingen die Bilder um die ganze Welt. „Damals war ich ein 14-jähriger, pubertierender Fußballfan des VfB“, sagt Roland Blach.

Und somit bringt er rückblickend auch mit dem 22. Oktober desselben Jahres, als 400 000 Nachrüstungsgegner zwischen Stuttgart-Vaihingen und Neu-Ulm eine Menschenkette bildeten, hauptsächlich den für die Stuttgarter Ballkünstler triumphalen Sieg über die Konkurrenz aus München in Verbindung. Gleichwohl, so Roland Blach, habe ihn schon damals die atomare Bedrohung „innerlich beschäftigt und aufgewühlt“, zumal der vier Jahre ältere Bruder mit „grünen Ideen“ die häuslichen Debatten von Fall zu Fall zusätzlich belebt hatte. Spätestens mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 münzt Roland Blach das „unsichere Gefühl“ in eine Handlungsmaxime um, nämlich dem atomaren Schreckensszenario in jedweder Form aktiv, aber gewaltfrei zu begegnen.

Aus dem Mediator wird der Koordinator. Als Geschäftsführer des Friedensbewegung-Landesverbands bringt Roland Blach ein ganzes Geflecht aus Kampagnen und Aktionen auf den Weg, wobei es für Außenstehende nicht immer einfach ist, die Organisationsstrukturen zu durchschauen. Je nach Thematik finden sich unterschiedliche Friedensgruppierungen zusammen und bilden sogenannte Trägerkreise und Bündnisse. Allein 50 Gruppen aus der ganzen Republik stehen etwa hinter der Kampagne „Atomwaffenfrei jetzt“, die – koordiniert von Roland Blach – schon seit zwei Jahren läuft und bis 2015 andauern soll.

Knackpunkt und Prüfstein sind dabei mindestens 20 taktische Atomwaffen, die nach Einschätzung dieses Friedensbündnisses auf dem Gelände eines deutschen Militärflugplatzes im rheinland-pfälzischen Büchel gelagert, von Amerikanern bewacht und unter Verschluss gehalten werden.

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