Streit um den Bildungsplan Mindestens 18 Verletzte bei Demos in Stuttgart

Von red/dpa 

Tausende Menschen haben in Stuttgart für und gegen den Bildungsplan demonstriert. Dabei kam es zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten, auch Pfefferspray kam zum Einsatz.

Bei den Demonstrationen für und gegen den Bildungsplan kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Foto: www.7aktuell.de 33 Bilder
Bei den Demonstrationen für und gegen den Bildungsplan kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.Foto: www.7aktuell.de

Stuttgart - Zwei Wochen vor der Landtagswahl ist es bei Demonstrationen von Gegnern und Befürwortern der grün-roten Landespolitik zur Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen zu Rangeleien gekommen. Die Polizei setzte am Sonntag in Stuttgart nach eigenen Angaben vereinzelt Pfefferspray gegen linke Demonstranten ein, die gegen die konservative „Demo für alle“, die zunächst auf dem Schillerplatz stattfand, protestierten.

Bei Blockadeversuchen des Marsches der Bildungsplan-Gegner kam es zu einigen Verletzten, auch bei der Polizei, sagte ein Polizeisprecher. Zu der Demonstration des konservativen Aktionsbündnis’ „Für Ehe und Familie - Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“ kamen nach ersten Angaben der Polizei 4500 Menschen - etwas weniger als zur letzten Kundgebung im Oktober.

Werben für Vielfalt

Schon vor Beginn der „Demo für alle“ hatten sich an verschiedenen Orten in der Stuttgarter Innenstadt Gegendemonstrationen versammelt, zu denen mehrere linke Gruppen und der Landesfrauenrat aufgerufen hatten. Dorthin kamen einige hundert Personen, genaue Zahlen konnte die Polizei nicht nennen.

Mit einem Kulturfest vor der Oper warben die württembergischen Staatstheater und Künstler vieler anderer Institutionen für Toleranz und Weltoffenheit. Vor der Fassade der Oper wurde ein Plakat in Regenbogenfarben ausgerollt, auf dem „Vielfalt“ stand. Verschiedene Redner auf der Kundgebung der Bildungsplan-Kritiker riefen dazu auf, die grün-rote Landesregierung abzuwählen.

Polizei im Einsatz

Linke Demonstranten stellten sich derweil vor die Zugänge zum Schillerplatz und riefen Parolen wie „Eure Kinder werden so wie wir“ und zeigten Plakate mit Aufschriften wie „Zurück ins Mittelalter? Nein Danke!“. Um zu verhindern, dass einige Demonstranten die Absperrungen überkletterten, setzte die Polizei auch Pfefferspray ein. Einige der Linken warfen Konfetti auf die Gegner des grün-roten Bildungsplans. Demonstrationsteilnehmer beider Seiten zeigten sich gegenseitig ihre Mittelfinger.

Auch auf der Hauptstätter Straße in Richtung Wilhelmsplatz, wo der Demonstrantionszug der Bildungsplan-Gegner entlang führte, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Linke Demonstranten versuchten, die Straße zu blockieren. „Sie haben massiv Aggressionen abgebaut. Das war schon krass“, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten setzten deshalb auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Nach bisherigen Erkenntnissen sind drei Polizisten sowie 15 linke Demonstrationsteilnehmer verletzt worden. Ein Polizist erlitt mehrere Fingerbrüche.

Zuvor hatten Demonstrationsteilnehmer drei Busse, in denen Teilnehmer der "Demo für alle"-Kundgebung nach Stuttgart gereist waren, mit Steinen beworfen. Zwei Tatverdächtige konnten gefasst werden.

Diskriminierung unterbinden

Die Organisatoren der „Demo für alle“ wollen verhindern, dass die Regierung den Bildungsplan heimlich vor der Wahl beschließt. Das Kultusministerium wies dies zurück: Die Öffentlichkeit sei an der Reform beteiligt worden. Das Inkrafttreten werde lediglich noch durch einen Aktenvermerk besiegelt, hieß es.

Die Landesregierung hat einen Aktionsplan für Vielfalt und Toleranz beschlossen, der die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung in der Gesellschaft unterbinden soll. Der neue Bildungsplan sieht vor, dass vom kommenden Schuljahr an im Unterricht stärker über das Thema sexuelle Vielfalt gesprochen wird.

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77 KommentareKommentar schreiben

Hmmmm: Dass wir hier eher bei den Randthemen so abdrehen, erstaunt: Bahnhof, kropfunnötige Bildungsplanschrauberei und so.

John Lennon: Kennt den Jemand? Ich denke schon und nun hört ihn an mit seinem Lied " IMAGINE" nur so um mal abzuschalten vom Alltag.

Hui: da konnten sich die ganzen Ewiggestrigen in den Kommentaren aber mal so richtig austoben. Ja, man muss auch mal Luft ablassen, nicht? Interessant wieder, wie diese sich als die feinen Demokraten hinstellen, sind sie es doch, die gegen Vielfalt und Akzepten anschreien. Ganz großes Kino, was diese Minderheit hier so ab lässt und dabei in Ihrer Erregung und Echauffiertheit mal wieder die absurdesten Thesen und Verdrehungen darnieder schreibt - und ganz nebenbei mal wieder genau das macht, was sie anderen vorwirft. :)

Ewiggestrig: .... und ganz nebenbei mal wieder genau das macht, was sie anderen vorwirft. :) Prügeln für Vielfalt und Toleranz. Da konnten sich die ganzen Ewiggestrigen in den Straßenschlachten mit der Polizei aber mal so richtig austoben. Ja, man muss auch mal Luft ablassen, nicht? Interessant wieder, wie diese sich als die feinen Demokraten hinstellen, sind sie es doch, die für Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz alle Anderen verprügeln.

Wie: originell, Herr Seyfried. Geprügelt hat wohl eher die Polizei. Oder gab es etwa verprügelte Demo-für-(nicht)Alle-Teilnehmer? Wenn ja, von wem wurden die denn verprügelt? Können Sie sicher glaubhaft belegen. Und wenn sie nun auf verletzte Polizisten hinweisen, so ist seit dem 30.09.2010 allseits bekannt, dass da nicht nur bei den Zahlen sondern auch bei den Verletzungen gerne mal etwas gemogelt wird. So wie bei der Angabe der verletzten Gegendemonstranten (sie sollten mal den Bericht der Demosanitäter lesen). Natürlich gibt es auch ein paar unbelehrbare Krawallmacher unter den Demonstranten, keine Frage. Aber sie scheren mal wieder alle über einen Kamm. Und wer weiß, ob der Beamte mit den angeblich gebrochenen Fingern nicht versehentlich vom Kollegen den Schlagstöck draufbekommen hat? Ansonsten sollten Sie etwas kreativer in Ihren Gegenkommentaren werden und vielleicht auch mal den Begriff 'ewiggestrig' nachschlagen. Oder meinen Sie vielleicht gar nicht die Gegendemonstranten? Schmunzeln musste ich dennoch über Ihre 'Einlassung'.

Zeitliche Trennung solcher Aktionen nötig:: Wie man leider immer wieder sieht haben sich weder rechts noch links bei solchen parallel stattfindenden Demos im Griff. Am Ende waren es immer die anderen die provoziert, aufeinander losgegangen sind. Warum verbietet man nicht generell zeitgleiche Demo & Gegendemo und lässt solche Gegendemos immer + 1 Tag später stattfinden.

Es ist weit verbreitet, der Staat sei auf dem rechten Auge blind: aber wenn man sieht, was der Staat den vermummten rechten Randalierern durchgehen lässt, dann drückt er dort alle Augen zu. Es werden Autos von Demonstranten angezündet und straffrei gedroht, bei Massnahmen der Polizei gegen die "Autonomen" jeweils einen Sachschaden von einer Million zu erzeugen. Unglaublich aber wahr. Daß diese linken Gruppierungen übrigens kräftig vom Staat alimentiert werden und damit solche gewalttätigen "Gegendemos" finanzieren können, ist auch kein Geheimnis.

Sie meinen wohl : "den vermummten linken Randalierern".

Vermumte Linke: ich war vor Ort, habe aber keine vermummte Linke gesehen? Sie etwa? Abgesehen davon herrscht auf Demos Vermummungsverbot und Sie können davon ausgehen, dass in Baden-Württemberg, dies bei einer Linken-Demo ausnahmlos durchsetzt. Bei Pegida war man da viel toleranter..

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