Stresstest S-Bahn-Fahrplan Bahnkritiker sehen Betriebsqualität in Gefahr
Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 13.07.2011 10:30 Uhr
S-Bahn-Stopps von 30 Sekunden im Hauptbahnhof sollen genügen: Beim Stresstest plant die Bahn äußerst knapp.  Foto: Steinert
S-Bahn-Stopps von 30 Sekunden im Hauptbahnhof sollen genügen: Beim Stresstest plant die Bahn äußerst knapp. Foto: Steinert
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Stuttgart - Bei dem im Stresstest für Stuttgart 21 erstellten Fahrplan für die S-Bahn nach dem Bau des Tiefbahnhofs kann nach Ansicht der Gegner des Schienenprojekts nicht mehr von einer - wie in der Schlichtung verlangt - guten Betriebsqualität die Rede sein. "Die kommt wegen Anschlussproblemen und zu kurzen Umsteigezeiten unter die Räder", sagt Matthias Lieb, der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Im unterirdischen Hauptbahnhof werde die Haltezeit für alle S-Bahnen mit einer planerischen Untergrenze von 30 Sekunden praktisch mindestens halbiert. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hält die Simulation für die S-Bahn dennoch für eine diskussionswürdige Grundlage. "Das bedeutet aber nicht, dass wir überall einfach einen Haken dranmachen", sagt Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. "Anschlüsse müssen eingehalten werden." Die Fahrplansimulation müsse deshalb in den nächsten zehn Jahren für die betriebliche Praxis noch feinjustiert werden.

Im Stresstest hat die Bahn bei der Simulation des S-Bahn-Verkehrs laut VCD einen kompletten Linientausch vollzogen. So verkehrt die S-Bahn-Linie 1 nicht mehr zwischen Herrenberg und Kirchheim/Teck, sondern künftig nur noch von Kirchheim bis zur Schwabstraße. Auch die Linien S 2 (heute Schorndorf-Flughafen-Filderstadt ) und S 3 (heute Backnang-Flughafen-Filderstadt) enden im Planspiel Stuttgart 21 im Westen. Stattdessen bedient die S-Bahn-Linie 4 die Strecke Backnang- Flughafen-Filderstadt, die S 5 verkehrt zwischen Bietigheim-Bissingen und Herrenberg, und die Züge der S6 rollen zwischen Weil der Stadt und Flughafen.

Eine zusätzliche Haltestelle ist geplant

Diese Veränderung in den über Jahrzehnte eingespielten Verbindungen ist für den Bahnkritiker Lieb durch die zusätzliche S-Bahn-Haltestelle Mittnachtstraße zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt bedingt. "Mit diesem Halt sollte ursprünglich neben der Erschließung des neuen Stadtteils auch die Übereck-Verbindung zwischen den S-Bahnen in Richtung Bad Cannstatt und Nordbahnhof für 20.000 Umsteiger verkürzt werden." Tatsächlich ergebe sich aber eine Fahrzeitverlängerung von rund zwei Minuten für 170.000 S-Bahn-Nutzer . "Außerdem müssen außerhalb des 15-Minuten-Taktes im Berufsverkehr 10.000 Umsteiger länger auf ihre S-Bahn warten", so der Kritiker.

In Herrenberg kommt es laut Lieb zum Anschluss-GAU, wenn die Fahrplansimulation der Bahn zur Wirklichkeit werden sollte. "Dann kommt die S 5 eine Minute später in Herrenberg an, fährt aber bereits eine Minute früher wieder ab. Statt einem 30-minütigen Anschluss besteht dann nur noch ein stündlicher Anschluss an die Ammertalbahn." Auch in Schorndorf, wo es heute gute Anschlüsse an die Wieslauftalbahn gebe, drohe ein Anschlussengpass. "Zudem wird der zeitliche Puffer, der notwendig ist, um Verspätungen ausgleichen zu können, überall kleiner."

Die zu kurzen Haltezeiten werden bemängelt

Lieb bemängelt vor allem die in der Simulation "viel zu kurze Haltezeit von 30 Sekunden" für S-Bahnen im Hauptbahnhof. An normalen Stationen rechne die Bahn in der Simulation sogar mit Haltezeiten von nur 20 Sekunden. "In der täglichen Praxis mit Pannen und Verspätungen funktioniert das niemals." Ohne jeden Praxisbezug ist für den Bahnkritiker auch die Wendezeit von einer Minute in Kirchheim/Teck. "Dort kommt die S 1 zur Minute 28 an und soll in der Minute 29 abfahren. Verspätungen übertragen sich damit direkt auf die nächste Fahrt."

Für die VRS-Nahverkehrsexperten ist klar, dass die S-Bahnen künftig wegen der neuen Haltestelle Mittnachtstraße länger unterwegs sind. "Es muss aber zeitlich vernünftige Anschlüsse im ganzen S-Bahn-Netz geben", fordert Wurmthaler. Wegen der knappen Wendezeit in Kirchheim könnten zusätzliche S-Bahnen und mehr Personal notwendig sein. Daraus resultierende Mehrkosten dürften aber nicht der Region angelastet werden.

Die Bahn äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Kritik an der Fahrplansimulation. Man habe sich mit den Projektgegnern darauf verständigt, dass das Gutachterbüro SMA den Stresstest bewerte, erklärte S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich. "Und daran halten wir uns auch."

Kommentare (123)
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JUL
14
Matthias, 17:10 Uhr

30 Sekunden

Ich erklaere gerne nochmals die Denkweise der Gegner. Ich habe sie schon so oft erlebt. Die Realitaet mit 15 -20 Sekunden lassen wir mal aussen vor. Das spielt gar keine Rolle. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass eine S-Bahn haelt und dann wollen ca. 100 Muetter/Vaeter mit Kinderwagen rein und 500 Muetter/Vaeter mit dem Kinderwagen raus. Dann werden 30 Sekunden knapp. Erschwerend simulieren wir dann noch ein Feuer, einen Bombenangriff und wilde Schiessereien im S-Bahnhof. Wie kommen dann die 600 Vaeter/Muetter in 30 Sekunden raus und das bitte BARRIEREFREI. Das geht NICHT. Ergebnis: Wir stoppen die S-Bahn komplett, bauen die Gleise zurueck und fahren wieder in den Kopfbahnhof ein. In 2 Wochen kommt dann die naechste Studie zur U-Bahn/Stadtbahn und es werden uns die Kritiker darlegen, dass eine Stadtbahn in so einem huegeligen Gelaende wie Stuttgart ueberhaupt keinen Sinn macht. In 3 Wochen kommt dann Monitor vom WDR und zeigt uns, dass Stuttgart eigentlich gar nicht existieren duerfte.

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JUL
14
h.-j. gross, 16:16 Uhr

betriebsqualität... Fakt

also da sind da ja schon mal fakten... mh... sieht so aus als wenn die superplanung und die spitzeidee mit S21..naja... ziemlich unsinnig ist... is aber nur so ne "oberflächige" meinung. diese super-schlau-fraktion von was-weiß-ich-professoren und offensichtlichen bahnkennern weiß das besser... naja... die werden auch den flughafen unter die erde legen... fachleute halt... mit tunnelblick...

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JUL
14
Mein Name tut nichts zur Sache, 14:12 Uhr

LOL

fahren die kritiker überhaupt selber s-bahn? eine haltezeit von über 30 sekunden ist der blanke horror!!! die regel heute sind 10-15 sekunden. und es klappt sehr gut! ich fahre täglich zu den rushhour-zeiten. für mich ergibt sich da kein problem. auch wenn die bahn so vollgestopft ist dass die türen nicht mehr zugehen, sehr selten mehr als 20 sekunden da gestanden. den slebstversuch kann jeder selbst mal machen, ist auch zu empfehlen. mit einer stoppuhr am objektivsten! ----------------- was ich nicht gut finde, die komplette drehung der fahrtwege von s1-s3 zu s4-s6.. irgendwie hab ich den eindruck aus plochingen wollen viel mehr nach zb. herrenberg als zb.b aus weil der stadt.. aber der eindruck täuscht bekanntlich..

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