Wohnungssuche in Stuttgart Studentenbuden bleiben rar

Von Janina Hirsch 

Alle Jahre wieder beginnt das Rennen um die Zimmer der Studentenwohnheime. Nur wenige Bewerber finden einen Platz. Es fehlt bezahlbarer Wohnraum. Ob die studentische Forderung nach mehr Wohnheimplätzen Gehör findet?

Das gemeinsame Kochen in der Wohnheim-Küche ist ein wichtiger Bestandteil des Studentenlebens – und schafft Gemeinschaftserlebnisse. Foto: Studierendenwerk Stuttgart/Christoph Düpper
Das gemeinsame Kochen in der Wohnheim-Küche ist ein wichtiger Bestandteil des Studentenlebens – und schafft Gemeinschaftserlebnisse. Foto: Studierendenwerk Stuttgart/Christoph Düpper

Stuttgart - Die Nachfrage übersteigt wieder das Angebot. Für das diesjährige Wintersemester haben sich 6213 Studenten um einen Wohnheimplatz in Stuttgart, Ludwigsburg und Esslingen beworben. Aber nur 2073 werden im Oktober ihre Zimmer beziehen können. Bezahlbarer Wohnraum für Studenten ist rar, nicht nur in Berlin und München. Auch in beliebten Unistädten wie Stuttgart, Tübingen und Heidelberg ist die Situation prekär.

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Zum Wintersemester verzeichnen die Studierendenwerke Stuttgart, Tübingen-Hohenheim und Heidelberg eine größere Bewerberzahl als zum Sommersemester. „Wir haben im Moment 3725 Bewerber auf der Warteliste für Stuttgart, für Ludwigsburg sind es 415, und in Esslingen bekommen wir alle Bewerber unter“, so Melanie Westphal, Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart. Die Wartezeit betrage sechs bis acht Monate. Die Studenten, die leer ausgehen, müssen sich auf dem privaten Wohnungsmarkt umsehen. Das wird immer schwieriger. Denn dort konkurrieren Studenten mit anderen Wohnungssuchenden. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln belegt, dass die Mieten auch für Studenten steigen. In Stuttgart nahmen die Wohnkosten von 2010 bis 2016 um 43 Prozent zu.

Warum die Mieten in Stuttgart generell so teuer sind, erklärt StuggiTV im Video:

Keine Preissteigerung

Da viele Studenten auf elterliche oder staatliche Unterstützung angewiesen sind, können sie sich die immer teureren Privatwohnungen nicht leisten. Bei den Wohnheimen sieht das anders aus. „Wir kalkulieren unsere pauschalen Warmmieten kostendeckend und nicht gewinnorientiert“, berichtet die Geschäftsführerin des Studierendenwerks Heidelberg, Ulrike Leiblein. Das Studierendenwerk Heidelberg betreibt die Wohnheimstandorte Heidelberg, Heilbronn, Mannheim, Mosbach, Bad Mergentheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall. „Preissteigerungen vergleichbar mit dem privaten Wohnungsmarkt gibt es bei uns daher nicht.“

Nicht nur das günstige Wohnen macht den Wohnheimplatz begehrt. Viele Studenten ziehen fürs Studium weit weg vom Elternhaus. Die Möglichkeit, in ein möbliertes Zimmer einzuziehen, ist verlockend. Und es erspart die Nachmietersuche. Deshalb haben das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim und Heidelberg ähnliche Bewerberzahlen wie Stuttgart.

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Studienanfänger haben gute Chancen

Die Chancen auf einen Wohnheimplatz erscheinen gering, aber sie sind da und können durch Eigeninitiative erhöht werden. „Eine Online-Bewerbung um einen Wohnheimplatz ist bereits vor Erhalt des Zulassungsbescheides oder der Studienbescheinigung möglich“, betont die Pressesprecherin des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim Nicole Lang. Sobald einer dieser Bescheide vorliege, sollte dieser sofort nachgereicht werden. Somit ist sichergestellt, dass man auf der Bewerberliste einen vorderen Platz einnimmt. Positiv bei der Vergabe wirkt sich zudem aus, wenn der Heimatort weiter als 80 Kilometer vom Hochschulort entfernt ist und ist der Bewerber Studienanfänger. Eine Platzgarantie bedeutet das nicht. So werden im Oktober in Tübingen und Hohenheim Notunterkünfte eingerichtet, damit leer Ausgegangene ein Dach über dem Kopf haben.

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„Man braucht Geduld“, sagt Felix Wolff vom Vorstand der Studierendenvertretung der Uni Stuttgart (Stuvus). „Viele pendeln am Anfang noch, aber das wird auf Dauer stressig“, meint der Student. Im letzten Jahr seien verzweifelte Erstsemester mit ihren Müttern bei ihm vorbeigekommen. Aber Stuvus könne keine Wohnungsbörse sein. „Wir brauchen auf jeden Fall mehr Wohnheime auf dem Vaihinger Campus, aber auch in der Stadtmitte – mit so vielen Plätzen wie möglich“, meint Wolff. Für mehr Wohnheime kämpfen auch die Studierendenwerke und der Dachverband Deutsches Studentenwerk. In Hohenheim soll zum Wintersemester 2018/19 ein neues Wohnheim mit 253 Plätzen entstehen. Beim Studierendenwerk Stuttgart beginnen bald die Planungen für drei neue studentische Wohngebäude, am Allmandring sind sieben Neubauten vorgesehen. Inzwischen wird eine Anzeigenkampagne und Kooperation mit dem Haus- und Grundbesitzerverein mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums gestartet. Die Vereinsmitglieder sind aufgerufen, Wohnraum auch an Studenten zu vermieten.

Das Land investiere erheblich in den Ausbau, so ein Ministeriumssprecher. Im Deutschlandvergleich stehe das Land mit einer Unterbringungsquote von 12,46 Prozent auf dem vierten Platz. „Für das Jahr 2018 sind weitere 471 Wohnplätze in Planung“, so Schönmann. Auch darüber hinaus seien weitere Projekte geplant.