Stuttgart 21 Abriss des alten IHK-Baus beginnt

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Das Gebäude an der Jägerstraße, in dem einst die Stuttgarter Industrie- und Handelskammer untergebracht war und das ursprünglich erhalten werden sollte, muss dem Tunnelbau für Stuttgart 21 weichen.

Der Altbau der IHK an der Jägerstraße verschwindet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 12 Bilder
Der Altbau der IHK an der Jägerstraße verschwindet.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Mit einem 140-Tonnen-Bagger sind Abrissspezialisten am späten Mittwochvormittag der ehemaligen Zentrale der Industrie- und Handelskammer(IHK) an der Jägerstraße zu Leibe gerückt. Das Gebäude aus dem Jahr 1956 steht einem Tunnelbauwerk für Stuttgart 21 im Wege. Zwar hätte man die Röhren auch unter dem sieben Geschosse hoch aufragenden Gebäude hindurch bauen können. Doch die dafür nötigen Sicherungsmaßnahmen wären aufwendig gewesen. Schließlich lägen zwischen Tunneldecke und Kellerboden des Gebäudes gerade einmal zwei Meter Abstand. Nach zähen Verhandlung entschied sich die IHK, das Kaufangebot der Bahn anzunehmen. Gebäude und Grundstück wechselten für 7,2 Millionen Euro den Besitzer. Seit Mitte Dezember liefen die vorbereitenden Arbeiten an dem Gebäude, das bis zu einem Teilabriss im Jahr 2010, der nichts mit Stuttgart 21 zu tun hatte, Denkmalschutzstatus genoss. Damals fiel ein Anbau, um Platz für den im vergangenen Jahr eröffneten Neubau der IHK zu machen. Damit war aber das vom Architekten Hans Volkart entworfene Ensemble nicht mehr vollständig – der Denkmalschutz erlosch.

Als der Bagger am Mittwochvormittag zubiss, stand nur noch ein Gerippe des Bauwerks. Kein Fenster war mehr zu sehen, die Einrichtung längst verschwunden. Dafür lagern im Kellergeschoss mehrere Tonnen Kies. Die verleihen dem Abrisskandidaten Stabilität gegenüber dem an der Gebäuderückseite steil ansteigenden Weinberg.

Bis Ende März soll das Gebäude verschwunden sein

Ende März soll von dem ursprünglich als Niederlassung der Schwäbischen Treuhand AG gebauten Haus nichts mehr zu sehen sein. Die bereits jetzt erkennbare Baugrube für die S-21-Tunnel nach Feuerbach und Bad Cannstatt wird dann an der rückwärtigen Seite mehr als 20 Meter tief sein. An dieser so genannten Anschlagwand entstehen nur Tunnelstummel. Die eigentliche Arbeit an den Röhren wird durch Zugangsstollen vom Nordbahnhof und dem Pragtunnel erledigt. Vier Gleise sollen hier einmal nebeneinander unter der Erde liegen. Wenn S 21 in Betrieb ist, kann auch das Grundstück wieder bebaut werden. Einzig die Sichtachse zur Wengertstaffel, die den IHK-Weinberg durchzieht, muss frei bleiben. Bis dahin hat der Abrissbagger noch viel zu tun. Am Mittwochmorgen gab er nur den symbolischen Startschuss. Aus Rücksicht auf im IHK-Gebäude laufende Prüfungen beginnen die schweren Arbeiten erst am Donnerstagmorgen so richtig.

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11 KommentareKommentar schreiben

Stuttgart 21 Abriss des alten IHK-Baus beginnt: Find ich gut. Schließlich hat die IHK so sehr für das Objekt S21 geworben. Von Rücksicht auf dessen Denkmalschutz keine Spur. Nach "zähen Verhandlungen" hat die IHK das Angebot der Bahn angenommen. Von wegen. Ist ja logisch, daß die Bahn einem Verfechter ihres Projektes gerne Geld zukommen läßt. Und mit diesem Geld läßt sich seitens IHK gut etwas Neues finanzieren. Die IHK hat wirtschaftlich kalkuliert und die Bahn wenig verloren. Man stelle sich nur den Aufwand vor hätte sich die IHK gesperrt. Also weg mit dem alten Schmodder und her mit schlecht geplanter, unnötiger Materie. Ich freue mich so auf unseren Neubau und die ersten Pannen. Und sollte es nur so eine harmlose Oberleitungsgeschichte wie gestern sein. Dann - aber wer wird denn hier den Teufel an die Wand malen wollen

Absolut nicht erhaltenswert...: ... Trotz der reißerischen Textes der STZ (mal wieder) ist dieses Gebäude beliebig und kein bißchen erhaltenswert. Die IHK sollte froh sein, daß sie diesen alten Kruscht losgeworden ist. Wer weiß, was das für Sanierungskosten über die kommenden Jahrzehnte erzeugt hätte.

Da bin ich froh: dass das jemand ausspricht: ein grässlicher Betonbunker, der keinerlei Schutzes, erst recht keines Denkmalschutzes, würdig ist. Ich hatte eher mit mehr Meckereien wie "Und wieder wurde der Denkmalschutz in Stuttgart mit Füßen getreten" gerechnet, - gell Herr Schmid...... :)

erneute Bebauung?: An der Stelle existiert kein Bebauungsplan. Ob und ggf was da wieder gebaut werden darf, das ist völlig in den Sternen. So ein Schandfleck wie dieses Gebäude und in der Höhe auf jeden Fall nicht mehr. Die IHK geht davon aus, dass bestenfalls die Hälfte der bisherigen Nutzfläche in einem Neubau zur Verfügung steht, wenn der überhaupt genehmigt wird. Dazu ist das Einvernehmen mit dem Gemeinderat nötig.

Denkmalschutz: Und wieder wurde der Denkmalschutz in Stuttgart mit Füßen getreten. Wir reissen erst mal ein kleines Stück ab, damit verliert das Ganze den Denkmalschutz und weg damit. Und alles hat nichts mit S21 zu tun? Warum wird nochmal das Gebäude abgerissen? War da nicht was mit einem Tunnel? Aber die Stuttgarter Zeitung übernimmt einfach den Text der Bahn und Fragen werden nicht gestellt

Nochmal lesen, Herr Schmid: Der Denkmalschutz wurde aufgehoben, ohne dass dies etwas mit S21 zu tun hatte. Es sind genau diese nahezu pathologischen Reflexe, mit denen die Gegner ihre Restglaubwürdigkeit verspielen. Siehe auch Frau Fuchs zum angefahrenen Hydranten.

Denkmalschutz: Stimmt, es sind alles nur Zufälle und hat alles nichts mit S21 zu tun. Da will die Bahn Geld sparen und lieber mit einer offenen Grube arbeiten. Dafür sollte sogar die Bahndirektion vollkommen platt gemacht werden. Jetzt seht da auch noch die alte IHK im Weg und leider ( warum auch immer ) unter Denkmalschutz. Dann darf man einen kleinen Teil abreißen und plötzlich ist der Denkmalschutz weg. Die Bahn kauft und darf den Rest auch noch abreißen. Hat aber nichts mit S21 zu tun, gell

Stimmt : Die Aufhebung des Denkmalschutzes 2009 hatte mit S21 nichts zu tun. Genau darauf hatte ich hingewiesen. Schön, dass Sie es jetzt auch erkannt haben.

tunnelbau?: wird irgendwo ein tunnel gebaut?

Tunnel: natürlich nicht. Die Bahn hat nicht mal ihr existierenden Tunnel im Griff. Selbst da werden stundenlang S-Bahn-Fahrgäste gefangen gehalten.

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