Stuttgart 21 Augen zu und durch

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Die SSB AG baut ab März neue Stadtbahntunnel vom Haupt- zum Nordbahnhof. Ohne S 21 wären Teile der Trasse unnötig, aber weiteres Abwarten wäre laut SSB sinnlos.

Die Vorbereitungen sind offensichtlich. Im März beginnt die eigentliche Arbeit an der neuen Trasse zwischen Haupt- und Nordbahnhof. Foto: Achim Zweygarth
Die Vorbereitungen sind offensichtlich. Im März beginnt die eigentliche Arbeit an der neuen Trasse zwischen Haupt- und Nordbahnhof.Foto: Achim Zweygarth

S-Mitte - Karl-Stephan Quadt sieht es so: „Es wird einem ganz warm ums Herz, dass hier endlich mal was passiert.“ Quadt sitzt für die Sozialdemokraten im Bezirksbeirat Mitte. Dort ist seine Freude keineswegs mehrheitsfähig. Die mit Abstand größte Fraktion stellen die Grünen. Die Gemeinschaft von SÖS und Linken zählt ebenso viele Köpfe wie die der Sozialdemokraten.

Quadt ist ein Freund von Stuttgart  21. Ihn nervt, dass die Bahn ihr Großprojekt nicht auf die Reihe bekommt, und seine Freude gilt der Tatsache, dass eine Baustelle am Bahnhof sauber durchgeplant ist – von der SSB AG, nicht von der Bahn. Es geht um den Neubau, der teils unter-, teils überirdischen Stadtbahn-Strecke für die U 12 zwischen Haupt- und Nordbahnhof, deren Hauptbauwerke zwei Tunnelröhren und eine 145 Meter lange Brücke über die Wolframstraße sind.

Laut SSB ist bauen tatsächlich billiger als ein Verzicht

Vor allem die Grünen im Bezirksbeirat empfinden wie zu erwarten beim Blick auf die Pläne anders als Quadt. „Wäre es denkbar, dass die U 12 fährt, wenn Stuttgart 21 wesentlich später in Bau geht oder gar nicht kommt?“, fragt Annegret Breitenbücher. Auf der untersten kommunalpolitischen Ebene, wo Parteienzank allenfalls im Ausnahmefall eine Rolle spielt, bekommt sie darauf die Antwort: „Wir machen das jetzt nach dem Motto Augen zu und durch, unabhängig davon, was passiert.“ So sagt es Winfried Reichle, der bei den Straßenbahnern für die Bauplanung zuständig ist. Die SSB sei tatsächlich über den Punkt hinaus, an dem „es günstiger ist zu bauen, als die beauftragten Firmen zu entschädigen“.

Eine kommunalpolitische Ebene höher, im Gemeinderat, ist die Sprachregelung eine andere. Dort gilt das Argument, dass Zuschüsse für das Projekt nur fließen, wenn die gesamte geplante Stadtbahn-Trasse verwirklicht wird. Die beginnt in Vaihingen und endet in Remseck. Ungeachtet dessen wären große Teile der neuen Strecke vom Hauptbahnhof in Richtung Nordbahnhof unnötig, sollte der Tiefbahnhof tatsächlich nicht gebaut werden. Die bisherige Röhre des Stadtbahntunnels ist schlicht dem Neubau der Bahn im Weg. Außerdem soll mit der verlegten Strecke das hinter dem Hauptbahnhof geplante Stadtquartier erschlossen werden.

Nach jüngstem Stand des Zeitplans soll die U 12 vom Jahr 2016 an auf der neuen Trasse fahren. Die Baustelle wird vorbereitet, was seit einigen Wochen an den Baken und verschwenkten Spuren auf der Heilbronner Straße offensichtlich ist. Im März soll die eigentliche Arbeit beginnen.

Bisher hatten Termine eine begrenzte Gültigkeit

Gemessen an den Erfahrungen der Vergangenheit haben Termine bei dem Projekt allerdings eine begrenzte Gültigkeit. Ursprünglich wollten die Straßenbahner im Jahr 2011 mit dem Bau beginnen. Wegen des Zoffs ums Großprojekt verschoben sie den Start auf den Sommer 2012, dann auf den Herbst 2012 und zurzeit eben auf den März 2013. Gründe für die jüngste Verspätung sind laut Reichle die Probleme der Bahn mit der Genehmigung des Grundwassermanagements. Außerdem solle die Bahn den Aushub der SSB-Baugruben abtransportieren. Die Logistik dafür stehe aber noch nicht zur Verfügung. „Ohne Stuttgart 21 könnten wir heute anfangen“, sagt Reichle.

Womöglich wird bei einer der nächsten Sitzungen des Bezirksbeirats Mitte ein wieder neuer Planungsstand verkündet. Ursprünglich wollte die Bahn den Lokalpolitikern am 4. Februar Auskunft über ihren aktuellen Stand der Planung zu S 21 geben. Das Unternehmen hat den Termin abgesagt, „aus nachvollziehbaren Gründen“, meint die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Am 5. März will der Aufsichtsrat des Unternehmens beraten, wie das Großprojekt trotz massiver Mehrkosten fortgeführt wird.

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11 KommentareKommentar schreiben

Die anderen zahlen ja: Schon interessant für die Trasse längst angebundene Stadtviertel gibt es Zuschüsse, während andere abgehängt bleiben, sich dort die Schüler/innen in übervolle SSB-Busse quetschen - Hausen ist so ein Beispiel. Eine echte Freude wird das im Tunnel zu fahren, dort wo gar nicht benötigt, Tageslicht nur für eine autogerechte Stadt, schon erstaunlich. Der Durchstich über den Hallschlag, eine alte Idee, erst abgebaut, jetzt neu aufgelegt. Wir haben es ja, nein, unsere Kinder haben es ja im Überfluss, die Schulden in der Zukunft. Die Verkehrsprobleme bleiben, die Freischneidungen durch die Gäubahn, die zukünftig fehlen. Warum man in Paris seine Ost - West, Nord- und Südbahnhöfe beibehalten hat? Wie sieht man es dort mit dem schnellen ICE? Wo können die ICE´s ungebremst durchfahren? Bei der Ausgestaltung des Hauptbahnhofes Stuttgart 21 wie auch des Berliners wird die zunehmend ältere Bevölkerung ausgegrenzt. Der ebenerdige Wechsel, das geruhsame Aufsuchen eines Sitzplatzes wird zum hektischen Wechsel mit Hindernislauf, Familie mehrköpfig darf man gar nicht sein, der Anschlusszug kann nicht stehen bleiben. Wer hat ein Interesse daran dieses Prestigeobjekt zu bauen, der muss die Kosten auch vertreten und bezahlen können. Mehdorn hat sich profiliert, indem er Steuerzahlermittel aus dem Nahverkehrbudget Berlins gezogen hat, um sie dann als Ausschüttung an die Aktionäre zu verwenden. Im Umkehrschluss also wäre es nur recht und billig, diese Mittel zurück zu fordern, allen voran, die Großaktionäre. Schon geschehen? Und wenn Trouble Maker feststellt, wer hier zufrieden ein pro-21-Plakette trägt, dann steht dort fest, daß der ein oder andere bestimmt nicht mehr zu der Generation zählt, die das alles finanzieren soll, ob Enkel vorhanden sind? Die Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr fraglich, im jetzt und später. Die Rente, Pension bereits sicher in der Tasche. Die anderen zahlen ja.

Bauen ist billiger?: Also irgendwie bin ich im falschen Film. Bei der SSB soll bauen billiger sein, wie die Baufirmen für den Vermögensschaden (=entgangener Gewinn) zu entschädigen. Die Baufirmen haben keinen Anspruch auf den Umsatz, sondern nur auf den kalkulierten Ertrag. Zusätzlich können die Aufwendungen geltend gemacht werden. Das weiß aber jeder, der mit öffentlichen Ausschreibungen zu tun hat.

Falsches Bild: Ihre Abbildung zu den Vorbereitungen ist 'offensichtlich' falsch, denn sie steht zwar im Zusammenhang mit der U12, hat aber nichts mit den Tunnelbaumaßnahmen zu tun: Im Bild ist die Baustelle des U12-Astes Löwentor-Hallschlag. Dieser geht breits im September dieses Jahres über Friedhofstraße und Nordbahnhof in Betrieb, ist also erst einmal unabhängig vom Tunnelbau zu betrachten. Also besser gar kein Bild oder eben ein Motiv aus der Heilbronner Straße, wenn man die dortigen Vorbereitungen, um die es in dem Artikel ja geht, illustrieren möchte.

Ich hätte von einem Journalisten, Herr Schieferecke,: erwartet, daß er mir erklärt, was mit dem Tunnel passiert, wenn Schrott 21 wirklich geknickt wird. Ist der Tunnel dann halt da und nur überflüssig - oder störte er gar? ##### @ Degerlocher & Dr. Horst-Kevin: Machen Sie das bei Ihrem Häusle auch so? Erst bohren, Wände einreißen - und dann überlegen, wer's bezahlt und ob's überhaupt nötig ist? Dann möchte ich nicht in Ihren Hütten hausen... Und was den Herrn Quadt angeht, seine Parteifreunde Schmiedel, Schmid, Blind und wie die Nichtg'scheitdemokraten alle heißen: Demnächst werden Sie sich in Stuttgart, wenn überhaupt, nur noch mit hochrotem Kopf zeigen! Neben der sachlichen Dummheit, für Schrott 21 zu trommeln, dürfen Sie sich dann für Ihre politische Dummheit schämen. Schrott 21 hätte die CDU auch ohne ihre Mithilfe durchdrücken können - als Opposition hätte man schon aus politischem Kalkül dagegen sein müssen. Ist man's nicht, landet man halt in Stadt und Land weit hinter den Grünen und darf bestenfalls am Katzentisch Platz nehmen...

Bombastischer Mischmasch: Es wäre hilfreich, wenn die StZ dazu beitragen könnte, die Probleme etwas zu differenzieren. Die Verlegung der Strecke zwischen Bürgerhospital und Hauptbahnhof ist wegen S21 notwendig und trifft nicht (nur) die Linie 12 sondern alle Verbindungen zum Pragsattel. Hier hat die SSB wohl abgewartet, ob S21 kommt oder nicht, um unnötige Kosten zu vermeiden (die aber von der Bahn bezahlt werden). Darauf aufbauend müsste die Abzweigung der U12 (unter der Bibliothek durch) an die jeweilige Ausführung der vorgenannten Tunnel angepasst werden. Das heisst, ohne Entscheidung über die Tunnelverlegung kann der Abzweig nicht gebaut werden. Genau auf diese Abzweigung scheint sich die Aussage der SSB zu beziehen, dass schon sehr viel investiert worden sei und ein Abbruch teurer sei als ein Weiterbau. Dieser Schlenker bedient auch die neue Haltestelle 'Budapester Straße'. Das ist wohl der einzige Bezugspunkt zur Rentabilität des Schlenkers, da ansonsten nur die Entlastung der Friedhofstraße als Plus in der Rechnung stünde. Allerdings, ist es sinnvoll, heute eine Haltestelle zu bauen, die im besten Fall erst in 16 Jahren genutzt würde? Fertigstellung S21 vermutlich 2024, dann zwei Jahre Abbauphase und Bodensanierung, zwei Jahre Bauzeit für das Gelände A2. Soweit mir bekannt, war die Begründung für die Förderung der U12 auch die bessere Anbindung des Hallschlags an S21 (und an den Flughafen). Daher ist es sinnvoll und wahrscheinlich für den Erhalt der Fördergelder notwendig, den östlichen Ast der U12 bis Remseck fertig zu bauen. Allerdings, aber das ist meine persönliche Meinung, wäre es effektiver gewesen, die U12 durch Münster zu führen und über das Laustergelände und die Gnesener Straße Richtung Cannstatt zu führen.

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