Stuttgart 21 Bahn schreibt Filstalbrücke aus

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Der Bau der umstrittenen Brücke bei Mühlhausen rückt näher. Das Projekt ist europaweit ausgeschrieben. Vorher müssen aber noch Eidechsen verschwinden.

Der Bau der umstrittenen Brücke über das Filstal wird fünf Jahre dauern. Foto: DB
Der Bau der umstrittenen Brücke über das Filstal wird fünf Jahre dauern.Foto: DB

Mühlhausen/Stuttgart - Bei der Bahnfahrt im Hochgeschwindigkeitszug von Stuttgart nach Ulm wird es künftig die Attraktion sein. Minutenlang geht es durch dunkle Tunnelröhren, bei Mühlhausen aber erblicken die Bahnreisenden für exakt 7,8 Sekunden das Tageslicht. So lange dauert bei Tempo 250 die Überfahrt über die Filstalbrücke. Jetzt hat die Bahn die Arbeiten für das mächtige Bauwerk europaweit ausgeschrieben.

70 bis 80 Lastwagen am Tag

Die 485 Meter lange und bis zu 85 Meter hohe Bahnbrücke wird die Silhouette von Mühlhausen nachhaltig verändern. Bis es so weit ist, kommt auf die knapp tausend Einwohner eine Großbaustelle zu. Für die Gründung der Widerlager müssen nach den Berechnungen der Bahnplaner 72 000 Kubikmeter Erde ausgehoben und abtransportiert werden. Alle Bohrpfähle kommen zusammengenommen auf eine Länge von 2800 Meter. Die Bahn rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren.

Mühlhausen bleibt skeptisch

„Momentan können wir auf die Bahn nicht schimpfen“, sagt der Bürgermeister Bernd Schaefer,. Das bedeutet nicht, dass der Ort seinen Frieden mit dem Großprojekt gemacht hätte. Bei der Volksabstimmung im Dezember war Mühlhausen die einzige Gemeinde in der gesamten Region Stuttgart, die mehrheitlich für den Ausstieg stimmte. „Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass wir den Mut gehabt haben, das anzukreuzen, was wir denken“, sagt Schaefer. Seine Verhandlungsposition gegenüber der Bahn sieht er durch das Ergebnis gestärkt. Wenn es nun um die Einzelheiten der Umsetzung des Projekts geht, ist die Bahn offenbar darum bemüht, die Ressentiments nicht größer werden zu lassen.

Der Juchtenkäfer vom Filstal ist eine Eidechse

Der offizielle Beginn der Bauarbeiten ist voraussichtlich in einem Jahr. Dann sollen die Fundamente für die Pfähle erstellt werden. Von 2014 an soll dann das eigentliche Brückenbauwerk hochgezogen werden. Ein erster Schritt für das Projekt ist allerdings schon getan. Zwischen Mühlhausen und Wiesensteig wurde ein 9000 Quadratmeter großes Wäldchen gerodet. Auch im Oberen Filstal gibt es eine Art Juchtenkäfer. Eine Zauneidechsenpopulation muss für die Bauarbeiten weichen und wird im Spätsommer in einer neu geschaffenen Wacholderheide unterkommen. Trotz ihres Ärgers haben die Mühlhausener ihren Humor schon wieder gefunden. Bei der Fasnacht wurden „staatlich geprüfte Eidechsenfänger“ gesucht.

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Aufmerksamkeit ist gut, Achtsamkeit ist besser.: Sehr geehrter Aufmerksamer Leser, Ja, mit 80km/h-Schnittgeschwindigkeit eines energetisch sparsamen (Elektro)mobils , mit grundsätzlich besserem Verhältnis von Nutzlast zu Eigengewicht ist man nicht nur ressourcenschonender, sondern auch schneller unterwegs sowohl auf Kurzstrecke (Stgt.-Ulm), als auch auf Mittelstrecke (Stgt.-München). Zwar mögen Sie persönlich vom Bahnhofsturm Stgt. bis Zielbahnhof deutlich schneller sein, aber wenn Sie im Individualverkehr nur 2...3 typische Umsteigevorgänge und Wartezeiten wegen fehlender Abstimmung dazurechnen (z.B. Dienstfahrt Fa. Festo, Berkheim nach Vorort UL (Mü)), braucht ein ICE3 jeweils 1h länger. Schweiz, du hast es mit ITF besser und du rast auch nicht! Ein ICE3 hechelt mit 50 Megawatt ab Kohlekraftwerksturbine (10% Übertragungsverluste und 40% Kraftwerkwirkungsgrad) durchs energiefressende Tunnelgebirge, 400 Autos von morgen ziehen ungefähr halb soviel Leistung ab. Ein ICE3-Konzept unter S21 hat dabei wenig bis keine Optimierungsmöglichkeiten, zerstört und zerschneidet aber kostbarste Naturräume unwiderruflich ‚Lesen Sie weiter aufmerksam!’

Vergesslich?: @Wahlbürger, Sie behaupteten: 'Auch habe ich nirgends gesagt, dass ich schneller in Ulm wäre, sondern nur mit dem halben Energieaufwand der Bahn. Aber dann habe ich noch den Vorteil von Haus zu Haus und die Mobilität in Ulm dazu. Sie müssen schon aufmerksamer lesen.' Zur Erinnerung: Ihre Worte in dem Zusammenhang waren 'ja sogar schneller'.

Wenn sich die Gerichte mit meinen Zahlen beschäftigen müssen, dann lege ich die Bahn. Probieren Sie mal. Die Zahl steht: Energieverbrauch pro Passagier doppelt so hoch wie heute. Dazu der Bahnhof selber mit 270 % mehr Energieverbrauch als der jetzige.: 'APR 13 11:20 Uhr, geschrieben von Aufmerksamer Leser Offensichtlich grober Quatsch @Wahlbürger, es ist mir jetzt zu anstrengend, ihre Zahlen nachzurechnen oder in Relation zu setzen. Sie machen es ja auch nicht, Sie nennen einen Einzelwert und behaupten einfach er sei groß. --- Aber sie machen ja mehrere offensichtliche Denkfehler: Es fahren z.B. auch verschieden Regionalzüge über die NBS. Die fahren ca. 160km/h, haben deswegen zwar eine etwas höheren Luftwiderstand als die Züge auf der Geißlinger Steige zu überwinden, müssen aber nicht so häufig bremsen und wieder beschleunigen, und benutzen eine 15% kürzere Strecke. Sind sind insgesamt gut 20% schneller, bei etwa gleichem Energieverbrauch wie die Züge heute. Wenn sie ausschließlich die Strecke Stuttgart-Ulm betrachten, ist es eben Quatsch, sich auf den HGV zu beschränken. Der HGV konkurriert nicht auf Kurzstrecken mit dem Individualverkehr, der einem die An- und Abreise an Start- und Zielbahnhof erstpart, und so die geringere Maximalgeschwindigkeit auf Kurzstrecken schnell ausgleicht. Der HGV ist (wie in der Schlichtung ja erklärt wurde) z.B. dafür maßgeblich, dem Flugzeug auf Mittelstrecken Konkurrenz zu machen. Dann steigen die Menschen vom Flugzeug in den Zug um, und dann sollten Sie die Energiebilanz ende-zu-ende aufstellen. Die Kosten-Nutzen-Analyse zur NBS Stuttgart-Ulm ist im Bericht der Überarbeitung des BVWP von 2010 enthalten. Sie berücksichtigt Umweltfaktoren, konzentriert sich nicht auf Einzelnutzungen, und bescheinigt eine Kosten-Nutzen-Faktor von bis zu 1,5. --- Außerdem behaupten Sie, man sein in Zukunft mit kleinen leichten Elektromobilen genaussoschell in Ulm wie mit dem 250km/h schnellen ICE: das ist so offensichtlich grober Quatsch, dass es mir schwer fällt, da etwas sinnvolles drauf zu antworten...' Auch habe ich nirgends gesagt, dass ich schneller in Ulm wäre, sondern nur mit dem halben Energieaufwand der Bahn. Aber dann habe ich noch den Vorteil von Haus zu Haus und die Mobilität in Ulm dazu. Sie müssen schon aufmerksamer lesen. Und wenn Sie eine attraktive Schelligkeit des Verkehrssystems Bahn unter dem Strich vor allem unter Einbindung des Regionalaspektes wollen und nicht nur auf den Hochgschwindigkeitsstrecken, dann sind die Hochgeschwindigkeitsstrecken schon wieder ein Flop Ihrerseits, weil sich das nur für 5% der Passagiere auszahlt. Der Rest schaut in Ihrem Tiefbahnhof dann meist seinen Anschlüssen hinterher und muss auf den nächsten warten, weil das Ding nie ITF-fähig sein wird. Ich sage Ihnen, wenn ich aus F vom Flughafen von einem internationalen Flug komme, dann will ich ohne Verzögerung umsteigen und durchfahren, so wie das jetzt geht. Sonst ist die Bahn vor allem spät abends nicht mehr attraktiv für mich. Trotz ICE. Und trotz dem Versprechen der Bahn, mehr REs auf der Filstaltrasse verkehren zu lassen, wie das Sie oder einer von Ihnen hier an anderer Stelle behauptet hat, die Hermann dann wegen S21 überhaupt nicht mehr bestellen kann, weil er kein Geld mehr dafür haben wird. Hat er schön am 27. Nov. 11 in der Liederhalle vorgerechnet. Aber nach der Volksabstimmung hat er das dann 'vergessen'. Ich kann bei Bekannten in F mein Fahrzeug abstellen. Und dann ist dieser Fisch für mich auch geputzt. Ansonsten werden sich die Gerichte mit dem Betrugsvorwurf beschäftigen müssen. Und da gibt es nur noch ein Fenster zur Feststellungsklage: PFA 1.3. Und dann wollen wir einmal sehen, wer hier was behauptet und was das wert ist und ob das Ihr Bahnhof aushält.

Flughafen ist bereits hervorragend angeschlossen. S-Bahn-System gerät wegen S21 aus dem Takt!: Wer will denn eigentlich zum Flughafen? Dies sind nachweislich fast ausschließlich Menschen aus dem Großraum Stuttgart, da die übrigen Fahrgäste die Flughäfen in Baden, Frankfurt, München oder in der Schweiz nutzen. Der Flughafen muss daher regional erschlossen sein, und das ist er bereits. Die Reisenden kommen mit den S-Bahnen direkt unter den Terminals an, komfortabler geht es nicht. Man kann darüber diskutieren, ob man zusätzlich noch eine Sprinter-S-Bahn z.B. über die Gäubahn ohne oder mit nur einem Halt einrichtet. Dies ist ohne weiteres möglich und könnte schon seit Jahren realisiert sein, würde man nicht mit allen Mitteln Gründe für die 'Notwendigkeit' von S21 erfinden. Dafür nimmt man sogar jahrelang Nachteile für die Bevölkerung in Kauf (wie hier: keine Sprinter-S-Bahn, oder auch die verweigerte Wohnbebauung von seit Jahren leerstehender Brachflächen, die man argumentativ ebenfalls S21 zuschlägt). ________________________________________________________________________________ Wie oft wollen die Menschen zum Flughafen? Der überwiegende Teil einmal pro Jahr, wenn es in den Urlaub geht. Viel wichtiger sind optimale Verbindungen für die Berufspendler, die in unserer Wirtschaftsregion tagaus tagein auf pünktlichen und zuverlässigen Nah- und Regionalverkehr angewiesen sind. Mit S21 leidet jedoch der Nah- und Regionalverkehr, weil erstens Regionalisierungsmittel für den Fernverkehr abgezogen werden. Erst kürzlich wurde in der StZ berichtet, dass bis zu 12% der Nah- und Regionalzüge im Land abbestellt werden müssen. Und zweitens gerät mit S21 der S-Bahn-Takt aus den Fugen - er wird aufgrund gemeinsamer Gleisnutzung mit den Fernzügen hochgradig störanfällig. Nicht nur für die täglich zigtausenden Berufspendler, sondern auch für die Betriebe in unserer Region eine Katastrophe. Eine Region, die wirtschaftlich weiter erfolgreich sein will, kann sich unzuverlässige Bahninfrastruktur nicht leisten. S21 gefährdet die Wirtschaftskraft und den Wohlstand in unserer Region.

Wikireal ruder fleißig zurück!: 'Warum stellt sich denn die Bahn dem Betrugsvorwurf nicht und klagt wie angekündigt?' Ich nehme an Sie beziehen sich auf Wikireal: Nun, Wikireal war damals schon zurückgerudert, und hat als Erwiderung geschrieben, Sie hätten nie behauptet, es hätte Anweisungen gegeben beim Stresstest zu manipulieren. Damit dürfte die Bahn zufrieden gewesen sein, den die Bahn möchte bauen, nicht klagen: die Prozesshanselei wird ja in erster Linie von der Gegnerschaft betrieben. --- Wikireal ist übrigens kürzlich weiter zurückgerudert: Es wird nicht mehr behauptet, der finale Simulationslauf hätte nur 3 Tage simuliert und sei deswegen statistisch nicht relevant.

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