Stuttgart 21 Bonatz-Enkel bezweifelt Turmstabilität

Von Thomas Braun 

Eichenholz oder Eisenbeton? – Der Streit über das Material der Gründungspfähle schwelt seit Jahren. Der Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz fordert von der Bahn nun einen definitiven Nachweis, um den Bahnhofsturm zu schützen.

Peters Dübbers warnt davor, dass der Bahnhofsturm gefährdet sein könnte. Foto: Michael Steiner
Peters Dübbers warnt davor, dass der Bahnhofsturm gefährdet sein könnte.Foto: Michael Steiner

Stuttgart - Steht der Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf Eichenholz- oder auf Eisenbetonpfählen? Diese Frage treibt den Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz nach wie vor um. In einem Brief an die Fraktionen im Gemeinderat warnt Peter Dübbers vor der „Gefährdung des verbliebenen Bahnhofstorsos – insbesondere des Bahnhofsturms“ durch die im Rahmen der Baumaßnahmen für den Tiefbahnhof vorgesehene Grundwasserabsenkung. Der Hintergrund: Eichenholzpfähle, die dabei mit Sauerstoff in Kontakt kommen, könnten faulen und die Stabilität des Bauwerks gefährden. Dübbers fordert die Stadträte auf, unabhängig von ihrer grundsätzlichen Haltung zu S 21 bei der Bahn den Nachweis der „absoluten Standsicherheit“ anzumahnen.

Der Streit über das Material der Gründungspfähle schwelt seit Jahren. Die Bahn selbst hatte zur Verwirrung beigetragen. Noch im September 2010 fand sich auf der Homepage des S-21-Kommunikationsbüros der Hinweis, dass der 1916 fertig gestellte, 56 Meter hohe Bahnhofsturm von 290 Eichenholzpfählen gestützt werde. Nach der Aktualisierung der Homepage war davon nichts mehr zu lesen. Schon im Januar desselben Jahres hatte der ehemalige S-21-Chefplaner Hany Azer in einem StZ-Interview die Existenz der Eichenholzpfähle indirekt bestätigt. Eine Risiko für den Turm bestehe wegen der Grundwasserabsenkung nicht, so Azer: „Der Reichstag in Berlin steht übrigens auch auf Holzpfählen.“ Dübbers selbst kann nur auf entsprechende Aussagen seines Großvaters verweisen – Dokumente liegen ihm nicht vor.

Ingenhoven hat Existenz von Holzpfählen bestritten

Der Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven sowie der Tragwerksplaner Werner Sobek hatten die Existenz von Holz als Baumaterial bei der Gründung des Turms stets bestritten. Sie verwiesen zum Beleg dafür auf Probebohrungen unter dem angrenzenden, mittlerweile abgerissenen Südflügel des Bonatz-Baus. Dabei sei man ausschließlich auf Betonpfähle gestoßen, erklärten die Bahnhofsplaner unisono.

Im Zuge der Schlichtungsgespräche Ende 2010 legte die Bahn dann erstmals eine Statikplanung aus dem Jahr 1914 vor – dem Jahr, in dem der Bau des Turms begann. Darin hieß es: „Die gesamte Turmlast von 10 300 Tonnen wird durch 189 Eisenbetonpfähle auf den Boden übertragen.“ Einen echten Beweis blieb der Bahn allerdings schuldig: Die Anregung der StZ, unter dem Turm eine Probebohrung vorzunehmen, das Ergebnis zu veröffentlichen und so alle Zweifel auszuräumen, verschwand in den Schubladen des Kommunikationsbüros. Peter Dübbers fordert nun erneut eine solche Sondierungsbohrung.

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Alter Demokrat, 00:16 Uhr: Ich nehme an, Sie haben mich gemeint (ohne mich zu nennen) : Die Geschichte der Autobahnen kannte ich in der Tat nicht so genau. Inzwischen ist die Diskussion weiter: Die Nazis haben Vorhandenes aufgegriffen und weiter entwickelt, oft übersteigert, oft pervertiert. Die Autobahnen gelten noch als das Harmloseste, obwohl viele Menschen auf ihnen sterben; aber auf anderen Straßen sterben noch mehr. So sind wir: Die Sicherheitsbestimmungen verbieten neuerdings z.B. im Tübinger Schlosshof Konzerte, weil die Fluchtwege nicht ausreichen. Im geplanten Tiefbahnhof machen sie wahrscheinlich Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro notwendig. Aber auf den Straßen, auf denen seit Bestehen der Bundesrepublik mehr als 50.000 Menschen starben, darf man immer noch über 20 km/h fahren. – Die Diskussion zu Bonatz möchte ich jetzt nicht mehr aufrollen. Einig war sich die kleine Runde, dass man Bonatz Biografie zur ästhetischen Beurteilung des Hauptbahnhofs nicht heranziehen muss oder soll.

Die BürgerInnen drehen sich weg.: Wer will mit denen schon was zu tun haben? "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder" - das wusste FJD. Wer derart täuschen muss, hat anderes verdient. Z.B. § 263 StGB - Betrug. So sehe ich das.

@Alter Demokrat: Erfindung der Autobahnen: Sie schreiben völlig richtig, daß die Idee der Autobahnen schon in den 1920er Jahren in Deutschland entwickelt wurde und auch in dieser Zeit das Gros der Planungen entstand. Was einigen vielleicht neu erscheinen dürfte: Die erste Autobahn in Deutschland wurde schon in den 1920er Jahren begonnen und bereits 1932 eingeweiht, nämlich von Köln nach Bonn. Daß die Autobahnen bis heute im kollektiven Gedächtnis mit den Nazis verbunden sind, ist eher als Ironie der Geschichte und als Nachwirkung der Propaganda des N. zu sehen.

Autobahnen-eine Entstehungsegende hält sich hartnäckig: Eine kleine,aber nicht unwesentliche Korrektur meinerseits zu Ihrer höchst lobenswert-sachlichen Diskussion mit dem nicht minder seriösen Foristen "Architekt":Da die Idee der Autobahnen von dem Obernazi Hitler stammt..."( Ihr Diktum ).Die Planungen von sog. "Nur-Kraftfahrstrassen " stammen aus den späten 20er-Jahren des 20 .Jahrhunderts-ganz ohne Nazibeteiligung.Der Autofan Hitler-selbst führerscheinlos-hat sie nur als startegische Rollbahnen für überwiegend militärische Zwecke weiterentwickelt, nicht ohne Zutun der Generalität und nebenbei durch binnenkonjunkturellen Anreiz Arbeitslose von der Straße geholt mit hohem propagandistischen Effekt, auch wenn die Quantität dieses Effekts kontrovers diskutiert wird.Ähnliche Effekte des Bauens um seiner selbst Willen im gesamtgesellschaftlichen Raum sollten ja auch S21 und die NBS erzeugen. Alter Demokrat, einer der Unternehmer-gegen- S 21.

AUG 17 Eisenbahner pro S21, 17:11 Uhr Keine Lernfortschritte bei Ihnen: Es ging nicht um Inhalte,sondern darum, dass sie im Kreis argumentieren. A kommt nicht, weil B fehlt und B fehlt weil A nicht kommt. Ich weiß, das logisch argumentieren nicht ihre Stärke ist, vielleicht hören sie ihrem Souffleur @Aufmerksamer Leser besser zu oder lassen ihn gleich selber schreiben.Dazu passt auch, dass sie die falsche Methodik bei Stresstest und PSA nicht erkennen. Zu ihrer Info: Stresstest wurde von der Landesregierung nur quantiitatiiv (bei DEM Modell möglich) nicht qualitativ anerkannt.

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