Stuttgart 21 Drexler tritt zurück
dpa, 17.09.2010 09:30 Uhr
Stuttgart - Der Sprecher des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21, Wolfgang Drexler, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. "Die Sprecherfunktion ist nicht mehr vereinbar mit der Haltung der SPD im Land und im Bund", teilte der 64-jährige SPD-Landtagsabgeordnete am Freitag in Stuttgart mit. Die SPD tritt für einen sofortigen Baustopp ein, um den Boden für einen Volksentscheid zu bereiten. Als Projektsprecher müsste Drexler aber die weiteren Bauarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof verteidigen.

Drexler hatte Ende Juli 2009 sein Amt angetreten. Er vertritt die Projektträger Bahn, Land und Stadt Stuttgart. Als Nachfolger ist Christoph Walther im Gespräch, der bis 2001 Kommunikationschef bei DaimlerChrysler war.

SPD-Landeschef Nils Schmid hatte am Donnerstag gefordert, dass die Bagger bis zu einer Entscheidung über eine Volksbefragung ruhen müssten. Drexler hatte dann am Abend im SWR-Fernsehen zu der Frage eines Rückzugs erklärt: "Ich denke seit heute Nachmittag darüber nach. Ich werde demnächst eine Entscheidung bekanntgeben." Es gehe ihm vor allem darum, glaubwürdig zu bleiben.
Kommentare (73)
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SEP
21
mara, 19:16 Uhr

UNheimlich UNglaubwürdig

zu dem argument, drexler will glaubwürdig bleiben, musste ich nun aber doch sehr schmunzeln... um das nicht falsch zu verstehen, ein später rücktritt ist in meinen augen immer noch besser als gar kein rücktritt und krampfhaftes durchboxen diesen milliardengrabs. aber glaubwürdig macht sich der gute drexler durch seinen rücktritt bestimmt nicht - wenn man verfolgt hat wie er vor einigen Tagen (und auch nils schmid und der rest der partei) FÜR S21 war, jetzt die 180 grad wendung dreht und behauptet, es habe NICHTS mit den protesten zu tun..haha...aber da muss man doch herzhaft lachen. nein, die spd knickt nicht ein, weil sie angst vor der nächsten landtagswahl hat (aufgrund der s21-gegner) und nein, natürlich tritt auch herr drexler sicher nicht aus diesem grunde zurück... herrje und er will seine glaubwürdigkeit nicht verlieren??? Wie wär's dann mal mit faktischer Ehrlichkeit und Erkenntnis? Mann Mann Mann. Denkt der denn, die Bevölkerung ist soooo dumm???

SEP
18
Dr. Tobias Engelhardt, 22:19 Uhr

Für S21 Flagge zeigen

Die Diskussion um Stuttgart 21 wird in der Öffentlichkeit von denen bestimmt, die gegen das Projekt sind. Die Projektgegner vereinnahmen die gesamte Bevölkerung für sich. Protestdemos heißen dann auch nicht mehr so, sondern wie heute im Schloßgarten „Volksversammlungen“. Es geht nur um „das Volk“ gegen „die da oben“ – Projektbefürworter in der Bevölkerung kommen in der Vorstellungswelt der Gegner nicht mehr vor. Das ist auch nicht überraschend, denn die Befürworter in der Bevölkerung haben sich bis auf erste Ansätze (z.B. der Lauf der Befürworter jeden Donnerstagabend vom Leuze zum Rathaus) bisher nicht artikuliert. Viele würden sich aber gerne artikulieren – die Frage ist nur wie? Ich hatte dazu heute folgendes Erlebnis: ich habe mir einen Button „Für S21“ besorgt und beim Einkauf in der Stadt getragen. In rd. 3 Stunden wurde ich von etwa 10 Leuten angesprochen, wo es die Buttons zu kaufen gäbe. Man sei ja auch für das Projekt und wolle die Diskussion ja keinesfalls den Gegner überlassen. Die Reaktionen auf den Button waren darüber hinaus mehr als aufschlussreich. Schade, dass keine „versteckte Kamera“ dabei war: Eine junge Frau rollte demonstrativ die Augen – wahrscheinlich, weil ihr seit langem bewusst wurde, dass es auch Projektbefürworter gibt. Ein Tisch von Projektgegnern in einem Café in der Innenstadt konnte es auch kaum fassen, dass einer für das Projekt ist und auch sich dazu bekennt ("guck mal den"....) . Generell zog der Button die Blicke der Projektgegner magisch an. Den Menschen, die mich ansprachen, habe ich versprochen, künftig Buttons dabei zu haben. Hier scheint es einen großen Bedarf zu geben. Ich weiß natürlich, dass es – wie immer im Leben – Vor – und Nachteile eines solchen Großprojekts gibt, die auch kontrovers diskutiert werden müssen. Persönlich bin ich überzeugt, dass wir einen Schnellbahn-Anschluss an die Magistrale Paris – Bratislava brauchen und zwar so schnell wie möglich. Ende der 70 er Jahre habe ich die Diskussion um die Schnellbahnstrasse nach Mannheim hautnah mitbekommen, gegen die es damals auch starken Widerstand gab. Man überlege sich nur, was passiert wäre, wenn die Trasse nicht gebaut worden wäre. Wir würden heute noch rd. 2 Stunden mit dem Zug nach Frankfurt brauchen. Es gäbe keine schnelle Anbindung an den Frankfurter Flughafen usw. Die Alternativ-Planungen von K21 halte ich insbesondere hinsichtlich der Strecke bis Obertürkheim, die Trassenführung (welche genau?) bis Denkendorf und die mangelhafte Anbindung des Flughafens für nicht plausibel. Auch der zusätzlche Zeitbedarf für die Fertigstellung von 10 oder eher 20 Jahren wird dem Wirtschaftsstandort Stuttgart nicht gerecht. Selbstverständlich respektiere ich andere Meinungen. Was mir nur völlig auf den Zeiger geht und dies ist letztlich auch der Auslöser dieses Kommentars, ist die Arroganz der Projektgegner die Bevölkerung für sich zu vereinnahmen, selbst zu definieren, was Demokratie ist und was nicht, die eigene Meinung an Stelle von mehrheitlich getroffenen politischen Entscheidungen und die von Gerichten zu setzen. Hinzu kommen schlimme verbale Entgleisungen (z.B. das Schild „Sie verlassen den demokratischen Sektor Stuttgarts am Bauzaun am Hbf-Nordflügel“ oder „Todesstreifen“ vor den zu fällenden Bäumen im Schloßgarten). Ich möchte das als Bürger den Projektgegner nicht durchgehen lassen und daher „Flagge zeigen“. Ich freue mich auf Nachahmer!

SEP
17
Ernst Häberle, 22:19 Uhr

Danke Herr Drechsler!

Ehrlichen Dank dafür, dass Sie so lange aufrecht blieben, wo alle sich wegduckten – und das trotz Beleidigungen und Bedrohungen gegen Ihre Person und Ihre Familie. Sie waren der erste, der Standhaftigkeit bewies. Bis die eigene Partei Ihnen das Genick brach. Als ehemaliger Grünen Anhänger hätte ich diesmal Sie gewählt. Jetzt bleibt mir nur noch Tanja Gönner – eine Frau mit Überzeugung und Mut, wie sich in jüngster Zeit herausstellt. Wer hätte das gedacht.

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