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Stuttgart 21
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Stuttgart 21 Mitschöpfer des Bahnhofs zweifelt

Michael Schmidt, vom 19.08.2010 17:28 Uhr
Der 85-jährige Frei Otto sieht derzeit vor allem unkalkulierbare technische Risiken nicht ausreichend berücksichtigt. Foto: Zweygarth
Der 85-jährige Frei Otto sieht derzeit vor allem unkalkulierbare technische Risiken nicht ausreichend berücksichtigt. Foto: Zweygarth
""Wenn ein Entwurf zu lange nicht realisiert wird, dann hat sich die Planung überholt.""
Frei Otto über eines der Probleme des Tiefbahnhofs

Stuttgart - Einer der beiden Gestalter des Tiefbahnhofs für Stuttgart 21 rät zu einem Neubeginn der Planung. Der 85-jährige Frei Otto, der vor mehr als 13 Jahren gemeinsam mit dem Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven die charakteristischen "Lichtaugen" und die Form des neuen Stuttgarter Bahnhofs entworfen hat, sieht derzeit vor allem unkalkulierbare technische Risiken nicht ausreichend berücksichtigt.

Vor allem hat der Architekt und Ingenieur Sicherheitsbedenken und bemängelt, dass sich die aktuelle Kritik in erster Linie an den Kosten orientiert: "Wenn wir damals beim Entwurf den heutigen Informationsstand gehabt hätten, wäre ich bestimmt von der Idee eines Tiefbahnhofs abgerückt." Denn einen zwingenden Grund, weshalb man den Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde legen müsste, sieht er nicht.

Stattdessen tüftelt Frei Otte heute an der Idee eines Hochbahnhofs, um das Nesenbachtal zu queren. "Eine neue Planung könnte rasend schnell gehen, denn es sind ja mittlerweile sehr viel mehr Informationen da, als beim Architektenwettbewerb im Jahr 1997." Die aktuell hart umkämpften Seitenflügel waren hingegen überhaupt kein Thema für den Architekturwettbewerb gewesen.

Geologische Gegebenheiten beeinflussen Arbeit


"Der Sinn der Flügelbauten, die für einen Bahnhof mit Dampflokomotiven wegen deren Ruß- und Rauchentwicklung absolut notwendig sind, hat niemanden weiter beschäftigt. Bonatz' große Geste nach Osten hat kaum jemand empfunden", erklärt Otto. Was ihn deutlich stärker zum Umdenken bewegt hat, sind die Summe der geologischer Widrigkeiten und auch Erkenntnisse und neue, schlimme Erfahrungen über das Verhalten von Menschenmassen in Tunnels.

"Das Hauptproblem bis heute bleibt: wir sitzen mit dem Tiefbahnhof im Grundwasser, und das steigt nach oben. Die 400 Meter lange und 100 Meter breite Betonwanne, in der der Tiefbahnhof sitzt, muss also festgehalten werden, damit sie nicht aufschwimmt. Wie aber kann sie sicher verankert werden?", fragt sich der Emeritus der Universität Stuttgart und Gründer des Instituts für leichte Flächentragwerke angesichts des lehmigen Baugrunds am Schlossgarten.

Frei Otto hat aber auch auf einer anderen Ebene Probleme mit seiner Schöpfung: "Jeder Entwurf hat seine Zeit. Wenn er zu lange nicht realisiert wird, dann hat sich die Planung überholt und wird zerredet. Großen Projekten, die kein Fertigstellungsdatum haben, fehlt die psychologische Stütze", sagt Otto, der mit dem Entwurf für das Münchner Olympiadach in Zusammenarbeit mit seinem Stuttgarter Kollegen Günter Behnisch 1972 Weltruhm erlangt hat.

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Kommentare (86)
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AUG
24
10:09 Uhr, geschrieben von Hugo Spiess
Frei Otto
.. hoffentlich bleibt er noch lange gesund. Zeigt sich doch mal wieder, dass in der baubranche nicht nur Betonköpfe und Baukolonnen Soldaten unterwegs sind, mit Ihrem Kampfschrei, weiterso alles bleibt wie es war. Da zeigt Herr Otto wahre Größe, die vielen Anderen in der Branche mit dem sturen Blick auf das Portemonnai abgeht.
AUG
24
09:13 Uhr, geschrieben von mainzelmännchen
Die besten Fachleute...
...der Welt hatten 15 Jahre Zeit, um sich Untergrundgedanken zu machen. Wohin sind die verschwunden? In welchem Sumpf der gegenseitigen Gefälligkeiten, Vorteilsnahmen und Abhängigkeiten sind die versandet?
AUG
24
09:09 Uhr, geschrieben von volker s.
Hanns-H. Kübler
Ich entnehme seinem Kommentar, dass ihm jemand in die Suppe gespuckt hat. Vielleicht ist es auch nicht die von Ihnen angesprochene Altersweisheit, vielleicht ist es auch Altersstarrsinn. Wer weiß das schon. Ja ich habe den Bericht über den Engelbergtunnel gelesen. Und jetzt? Es wurden Fehler gemacht. Genau wie in Staufen Fehler gemacht wurden. Nein, das Szenario ist nicht lustig. Wenn die Bauarbeiten richtig ausgeführt werden passiert das nicht. Auch das wurde schon oft bewiesen. Dass der ICE im Pulverdinger Tunnel feststeckte ist für die Fahrgäste nicht angenehm, kann aber passieren. Dies aber mit Kaprun zu vergleichen ist wieder mal eine dieser schamlosen Übertreibungen die gerne vorgebracht werden. In meiner Jugend haben wir gerne mal den Spruch gebracht: Wer arbeitet macht Fehler, vermeidet Fehler. Das ist der einzige Weg der den Menschen bleibt wenn sie Fehler vermeiden wollen. Nichts zu tun. Aber ob das besser ist??
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