Stuttgart 21 Pendler müssen bald Umweg machen

Von Jörg Nauke 

Am 12. August wird im Stuttgarter Hauptbahnhof der Abgang zur S-Bahn gesperrt. Grund sind die beginnenden Arbeiten am Trog für den Durchgangsbahnhof bei Stuttgart 21. Die Alternativroute für Pendler führt ins Freie.

Die Tage des Abgangs zur S-Bahnebene am Hauptbahnhof sind gezählt. Foto: Gottfried Stoppel
Die Tage des Abgangs zur S-Bahnebene am Hauptbahnhof sind gezählt.Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Die Bahn hat im Technischen Ausschuss des Gemeinderats über die Sperrung des Zugangs zur S-Bahn in der Gleishalle des Hauptbahnhofs informiert; außerdem wurde berichtet, was sich für Pendler ändert und wie diese über die Änderungen der Wegeführung über die Klett-Passage zu den Nahverkehrsstationen informiert werden. Das neue Konzept unterscheidet sich von jenem, das dem Gremium 2012 präsentiert worden war.

Die Ursache

Am 5. August dieses Jahres, knapp vier Jahre nach dem Baustart, soll mit dem Aushub der Grube für den Tiefbahnhof begonnen werden. Deshalb muss der zwischen Gleis 3 und 4 gelegene und für tausende Pendler praktische Abgang zum S-Bahnsteig geschlossen werden. Ihnen bleibt in den kommenden Jahren nichts anderes übrig, als die verbliebenen Eingänge in der Klett-Passage zu benützen. Auch die Wegeführung von den Fernbahnsteigen zur Bahnsteighalle wird angepasst. Zwei je zehn Meter breite Brücken werden die Trogbaustelle überspannen. Derzeit wird jene zwischen Gleis 15 und 16 gebaut. Weil die Gleise um 120 Meter in Richtung Bad Cannstatt verlegt wurden, verlängert sich die Wegezeit für Pendler von neun auf 13 Minuten. Für viele bedeutet das, entweder einen Fern- oder Regionalzug früher oder eine S-Bahn später nehmen zu müssen.

Die Personenströme

Vor zwei Jahren hat die Bahn die Pendlerströme quantifiziert; auf diese Präsentation verwies in der Sitzung Nikolaus Hebding, Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart, auf die Frage nach aktuellen Zahlen. Damals gab die Bahn an, rund 4300 Pendler würden in der morgendlichen Spitzenstunde nach der Sperrung den Mittelausgang und die Große Schalterhalle nutzen. Ein Auf- und Abgang zum S-Bahnsteig in der Klett-Passage würde weiter von rund 4400 Fahrgästen genutzt, bei dem anderen steige wegen des Wegfalls der Verbindung zwischen Gleishalle und Bahnsteig die Frequenz von 4400 auf etwa 8000. Beide hätten dann nur noch die Qualitätsstufe E – es treten Behinderungen auf, und „die Kapazität wird erreicht.“ Stets betont wird, dass für Mobilitätseingeschränkte der Aufzug zur S-Bahn vor der Kleinen Schalterhalle weiter genutzt werden kann – er bleibt die kürzeste Verbindung.

Neue Präsentation

Bahnhofsmanager Hebding hat im Technikausschuss für eine Überraschung gesorgt, indem er eine neue Alternativroute präsentierte, die im alten Konzept aus gutem Grund keine Rolle gespielt hatte: der Weg ums Bahnhofsgebäude herum. „Nachteil: 20 Meter am Nordausgang sind nicht überdacht“, heißt es in der Präsentation, die die Strecke zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Rampe in die Klett-Passage beschreibt. Von Vorteil sei, dass unabhängig von der Lage der beiden Stege über die Grube die Gehrichtung für die Pendler immer gleich bleibe. In der Klett-Passage selbst gebe es – vorausgesetzt die Leute hielten sich an die Empfehlung – „wenig Kreuzungsverkehr“. Die Hoffnung sei, dass der hochfrequentierte Mittelausgang entlastet würde.

Neue Wege durch den Hauptbahnhof - für eine größere Ansicht klicken Sie auf die Grafik

Information

Die Bahn sieht eine statische und eine dynamische Wegeleitung vor. Info-Tafeln, Leitsäulen, Piktogramme , Max-Maulwurf-Banner, Bodenaufkleber und Deckenschilder sollen den Weg weisen. „Reisendenlenker“ sollen zudem die Fahrgäste informieren. Dafür würden neben Stammpersonal und Auszubildenden auch 20 Zeitarbeiter verpflichtet.

Reaktion

Während die Projektbefürworter von SPD, FDP und Freien Wählern die Bahn für ihre Präsentation lobten, fand CDU-Fraktionschef Alexander Kotz ungewöhnlich kritische Worte: „Ich will nicht warten, bis sich vor dem Nordausgang ein Stau bildet, weil die Pendler erst ihre Schirme aufspannen müssen. Es muss doch möglich sein, den Weg zu überdachen, zumal dieses Provisorium x Jahre benötigt wird.“ Derzeit geht die Bahn noch von einer Fertigstellung im Jahr 2021 aus. Er glaube auch nicht, dass das viele Personal in den Hauptverkehrszeiten benötigt werde, so Kotz. Die Pendler wüssten genau, wie sie zum Bahnsteig kommen. Angesprochen werden müssten jene, die nur selten die Bahn benützen. Grünen-Sprecher Jochen Stopper kritisierte die Bahn dafür, dass sie keine neuen Personenstromzahlen präsentieren wollte. Wegen der längeren Wegezeiten würden viele Pendler ihre Anschlusszüge verpassen. Er zweifle daran, dass das neue Wegekonzept funktionieren werde. Schlecht sei auch die Beschilderung beim Ausgang zum Mittleren Schlossgarten. Vor allem Auswärtige könnten sich in den Anlagen nicht orientieren. Ein Umstand, vom dem Hebding sagt, er könne ihn nicht optimieren. Er sei nur für den Bahnhof zuständig, für den Park sei das Land verantwortlich, das er auf den Missstand aufmerksam machen wolle. Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold sagte, die S-Bahnabgänge seien Engstellen. Nicht nur der Komfort sei eingeschränkt, sondern auch die Funktion.

15 Kommentare Kommentar schreiben

Im Ernst: Die 20 Meter bezogen sich auf den NICHT ÜBERDACHTEN: was wollen sie jetzt damit sagen? meine güte.

Schrittzähler für Frau Theissen: Sehr geehrte Frau Theissen, nein - ich wollte nicht lustig sein - ich wollte wirklich für einen Schrittzähler sammeln gehen! Denn wenn man Ihnen vormachen kann, dass 200 Meter in Wirklichkeit 20 Meter sein sollen - bei einer Strecke, die Sie persönlich gut kennen und nur nachgeschrieben haben, was Sie gelesen haben - dann wäre so ein Gerät sinnvoll!!! --------------- Im Ernst: Die 20 Meter bezogen sich auf den NICHT ÜBERDACHTEN

Dieter Schütze, 12:39 Uhr: Ich denke nicht, das es zulässig ist, bei so einem dicht gedrängten und langen Bahnsteig, nur noch an einem Ende die Flucht zu ermöglichen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- es sind noch drei ausgänge da. das scheint zu reichen. zumindest hat die branddirektion stuttgart keinen einspruch eingelegt.

und die Rolltreppen stehen: auch heute morgen wieder ausser Betrieb von der Klett-Passage zur S-Bahn und genau dort, passiert das öfters auch über längeren Zeitraum. Wie das Leute mit Kindern und Kinderwagen noch berwekstelligen sollen ist mir ein Rätsel. Von körperlich eingeschränkten ganz zu schweigen und kommt mir nicht mit dem einen Aufzug. Noch wesentlicher finde ich die Frage des Brandschutzes und der Fluchtwege. Ich denke nicht, das es zulässig ist, bei so einem dicht gedrängten und langen Bahnsteig, nur noch an einem Ende die Flucht zu ermöglichen. Eine Panik will ich mir da gar nicht ausmalen. Aber da kennt sich ein Herr OB Kuhn, der auffällig abgetaucht ist, wohl besser aus, siehe Fernsehturm. Oder legt er sich nur mit den "kleineren" an und nicht mit der mächtigen Bahn.

Dumme Frage: Dumme Frage: In den StN sagt Kefer: "Am 5. August beginnen wir mit der Baugrube Nummer 16", und die ist im Schlossgarten. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-baustart-fuer-bahnhof-trotz-fehlender-genehmigung.48893d38-36b4-4ab9-9985-7643fb7da495.html Wieso müssen die den Zugang zur S-Bahn sperren, wenn sie doch auf der anderen Bahnhofsseite buddeln wollen?

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