Stuttgart 21-Planfeststellung in Leinfelden-Echterdingen L.-E. sieht Zuverlässigkeit der S-Bahn bedroht

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Im Planfeststellungsantrag für Stuttgart 21 auf den Fildern stoßen die Stadt L.-E. und ihre zu Rate gezogenen Experten auf zahlreiche Ungereimtheiten.

Auf zusätzlichen Lärm durch Bauarbeiten und neue Zugarten müssen sich Anwohner beim Streckenausbau für S 21 vor allem in Leinfeldens Ortsmitte einstellen. Foto: Norbert J. Leven
Auf zusätzlichen Lärm durch Bauarbeiten und neue Zugarten müssen sich Anwohner beim Streckenausbau für S 21 vor allem in Leinfeldens Ortsmitte einstellen.Foto: Norbert J. Leven

Leinfelden-Echterdingen - Die Stadt Leinfelden-Echterdingen wird in ihrer Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren für den Stuttgart-21-Streckenabschnitt zwischen Rohr und Flughafen den von der Bahn geplanten Mischverkehr von S-Bahn, Regionalverkehrs- und Fernverkehrszügen ablehnen. Sie befürchtet, wie bereits 2012 im Filderdialog dargestellt, erhebliche nachteilige Auswirkungen im S-Bahn-Verkehr. Dies macht die Kommune unter anderem in einer fünfseitigen Zusammenfassung ihrer geplanten Stellungnahme deutlich, über die am Montagabend der Gemeinderat und der Arbeitskreis S 21 in einer gemeinsamen Sitzung beraten haben.

Die Gremien stützen sich dabei auf Erkenntnisse, welche die von der Großen Kreisstadt hinzugezogenen Berater bei der Auswertung der Planfeststellungsunterlagen gewonnen haben. Demzufolge sind unter anderem „erhebliche negative Auswirkungen auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der S-Bahn zu erwarten“, heißt es in dem Papier, das ohne nennenswerte Änderungen für die weiteren Beratungen freigegeben wurde. Die Stadt sieht durch den geplanten Mischverkehr auf ihre Bürger entlang der Bahnstrecke auch zusätzliche Belastungen durch Schienenverkehrslärm, Erschütterungen und so genannten sekundären Luftschall zukommen.

Störungen bei der S-Bahn programmiert

Moniert wurde von den städtischen Beratern, dass die Unterlagen der Bahn beispielsweise zum geplanten Betrieb auf der Strecke unvollständig und teilweise widersprüchlich seien. Der Wissenschaftler Uwe Steinborn vom Institut für Bahnsysteme und Öffentlichen Verkehr der Technischen Universität Dresden verwies auf unterschiedliche Angaben zu den Zahlen der verschiedenen Zugarten. Er machte auch deutlich, dass Störungen des S-Bahn-Betriebs programmiert seien.

Verantwortlich dafür sind aus Steinborns Sicht die geplante Form der Rohrer Kurve mit niveaugleichen Überleitungen und die Station Terminal (heutige S-Bahn-Station) unter dem Flughafen. Dort soll künftig für die S-Bahn nur noch ein Gleis zur Verfügung stehen. Am zweiten würde nach einem Umbau der Regional- und Fernverkehr abgewickelt. Steinborn bezeichnete die Station als „Engpass“. Die Stadt sieht dadurch auch den bereits nach Neuhausen geplanten Ausbau und damit die Zukunftsfähigkeit der S-Bahn gefährdet. Die Stadt macht deshalb deutlich, dass der von den Projektpartnern aus finanziellen Gründen bereits verworfene Filderbahnhof plus unter der Flughafenstraße gegenüber der Antragsvariante die „eindeutig bessere Lösung“ darstellt.

Forderung nach Lärmmanagement

Unvollständig und fehlerhaft ist aus Sicht der Stadt die von der Bahn im Planfeststellungsantrag vorgelegte Untersuchung zum Lärmschutz entlang der Strecke. Lücken bemängelt sie auch in der Untersuchung zum Baulärm. Gefordert wird ein Bauzeitenplan und ein Lärmmanagement für die Bauphase. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Grenzwerte, insbesondere in den Nachtstunden, eingehalten werden. Beim künftigen Betrieb geht die Bahn davon aus, dass die Veränderung des Gleisabstands keine wesentliche Änderung an der Strecke darstellt und daher kein Anspruch auf Lärmschutz besteht. Das sieht die Stadt anders. Ihr Experte Michael Koch hat für verschiedene Bereiche in Oberaichen und in der Leinfeldener Ortsmitte „deutliche Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte“ ermittelt.

Der Experte der Stadt für Erschütterungsschutz und sekundären Luftschall, Christian Angerer vom Büro Accon, kritisierte, dass die Planfeststellungsunterlagen keine aussagekräftigen Untersuchungen zur Erschütterungsthematik enthalten. Laut Angerer werden aber Regional- und Fernzüge wegen ihres höheren Gewichts auch „höhere dynamische Energie in den Boden einbringen“ und dadurch die Erschütterungssituation zum Negativen verändern. Die von der Stadt gemeinsam mit der Bahn und dem Land finanzierte Studie zur Erschütterungssituation ist offenbar nicht hilfreich. Angerer spricht von „etwas seltsamen Ergebnissen“. Der Gutachter habe offenbar „einen Mechanismus implementiert, der extrem niedrige Werte liefert“.

Feuerwehr „am Ende der Belastung“

Die Freiwillige Feuerwehr sieht sich überdies nicht in der Lage, die Sicherheit in künftig zwei unterirdischen Bahnhöfen am Flughafen zu gewährleisten. „Wir sind von der Belastung her bereits am Ende“, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister Werner Kuttler und regte die Übertragung der Aufgaben an eine Werksfeuerwehr an. Für die Bauzeit will die Stadt erreichen, dass Baustellenverkehr nicht durch Wohngebiete abgewickelt wird.

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6 Kommentare Kommentar schreiben

Lieber Markus Hitter: Es gab vielleicht während des Filderdialogs eine Mehrheit ("Beim dritten Treffen der Bürgerbeteiligung votierten [...] 63 Teilnehmer für die Gäubahnvariante und 44 Teilnehmer für die Variante, die einen Bahnhof unter der Flughafenstraße vorsieht. Zwei Teilnehmer enthielten sich."), eine Mehrheit stellt aber noch lange keinen Konsens dar. Insbesondere, da zwei der Finanzierungsinstanzen, nämlich die DB sowie der Flughafen dabei nicht mitzogen. Es ist natürlich auch leicht zu behaupten, dass die Variante günstiger wäre - wie natürlich alle Alternativplanungen zu S21 (Vorsicht Ironie). Aber lassen wir uns doch einfach mal die Kostensituation ansehen (vgl. Folie 14 der Vorabuntersuchung für die Variante der Flughafentrasse: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/dialog/filder-dialog/variante-flughafenstrasse/) __________________________________________________________________________ Dort werden für die Antragstrasse ca. 536 Mio Euro veranschlagt. Beim Bau der Gäubahnvariante entfallen dann die Umbaukosten für die Station Terminal, die Rohrer Kurve und die Flughafenkurve, zusammen für ca. 126 Mio Euro. Sie behaupten nun, für diese 126 Mio Euro den Ausbau des Bahnhofs Vaihingen, ggf. die Renovierung der Gäubahn ansich und die Gäubahnschleife mit den unterirdischen Verzweigungsbauwerken zur Einbindung der P-Option in den Tunnel nach Bad Cannstatt zuzüglich Planung zu bekommen. Dabei ist jedoch noch nicht einmal berücksichtigt, welche Verzögerungen sich durch die Absicht ergeben, einen weiteren Tunnel unter Stuttgart mit den entsprechend komplizierten Planfeststellungen zu erstellen. _________________________________________________________________________ Ja die Bahn stellt sich quer, da (a) Verzögerungen vorproammiert wären, (b) die Kosten deutlich höher zu kalkulieren wären, (c) die Variante nicht ins Betriebskonzept passt, (d) ein Geldgeber (der Flughafen) seinen Finanzierungsanteil zurück schrauben würde und (e) die Gäubahntrasse für ganz andere Verkehrsprojekte wegfallen würde (Stichwort S-Bahn-Nordkreuz, vgl. http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/details/s21-neuordnung-bahnknoten-stuttgart/erweiterungsoptionen/).

Schrecklich schrecklich: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgend eine Meldung kommt, dass das Projekt Stuttgart 21 schief läuft. Und wir haben noch nicht mal richtig angefangen - entgegen der Meinung von Herrn Dietrich, der ja schon Spritzbetonarbeiten in einem Tunnel, in dem nicht gebohrt werden darf, als "Es wird kräftig gebaut!" verherrlicht. Nebenbei hat die DB noch marode Brücken am Hals. Und wenn Väterchen Frost noch die ICEs still legt, ist die Stimmung sowieso auf dem Nullpunkt. Es ist zum Verzweifeln. Arme Bahn...

Verhältnismäßigkeit: Tausende brauchen täglich die S-Bahn, um damit zur Arbeit zu fahren. Diese sind offensichtlich weniger wert als ein Dutzend Leute im Jahr, die zum Flughafen wollen.

alter Kaffee: Die Probleme wurden aufgezeigt und die Bahn hat sie nicht gelöst. Aber weil sie wahr sind muß man die doch nicht auch noch der DB vorhalten, pfui. Beim Stresstest hat die Öffentlichkeit gelernt, daß das im Kreis fahren doch so toll ist. Außer dem im Kreise drehen gibt es keinen Vorteil, also drehen wir uns eben weiter bis zum erbrechen.

Lieber @Holger Scheu: Es ist richtig, dass sich Argumente durch Wiederholung nicht verbessern. Sie verschlechtern sich aber auch nicht, d.h. sie bleiben weiter gültig. - - - Der Konsens auf dem Filderdialog war, auf Mischverkehr zu verzichten und die Fernzüge weiterhin über die Panoramastrecke in die Stadt zu fahren. Das ist auch finanziert, da für weniger Geld als die aktuell geplante Lösung zu haben (incl. Anschluss an den Tiefbahnhof). Nur die Bahn stellt sich aus bislang nicht näher erkennbaren Gründen quer. - - - Mehr Trassen für weniger Geld sind im Zweifel immer die bessere Lösung. Nicht unbedingt für Immobilienspekulanten, aber auf jeden Fall für den Bahnverkehr.

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