Stuttgart-21-Protestcamp Polizei stoppt Planungen für Räumung
dapd, 04.01.2012 15:29 Uhr
vorherige Bild 1 von 2 nächste
„Wir schützen nur rechtmäßige Arbeiten“, sagt der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle. Foto: Michael Steinert
„Wir schützen nur rechtmäßige Arbeiten“, sagt der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle. Foto: Michael Steinert
Weitere Artikel
zum Thema

Stuttgart - Die Stuttgarter Polizei hat die Planungen für die anstehende Räumung des Protestcamps gegen „Stuttgart 21“ im Schlossgarten gestoppt. Polizeipräsident Thomas Züfle begründete den Schritt damit, dass nach wie vor ein Fällverbot für die Bäume bestehe. Die Bahn rechnet trotzdem nicht mit Verzögerungen. Der Abriss des Südflügels, mit dem ab Montag (9. Januar) begonnen werden soll, ist davon nicht betroffen. Die Bewohner des Protestcamps richten sich weiterhin auf eine Räumung des Schlossgartens in der kommenden Woche ein.

Laut dem Zeitplan der Bahn soll im Sommer mit den großen Tunnelarbeiten für den geplanten Tiefbahnhof begonnen werden. Dazu müssen der Südflügel des Bahnhofs abgerissen werden und 176 Bäume im Schlossgarten weichen. Während der Abbruch des Südflügels laut Polizeipräsident Züfle nach derzeitigem Stand rechtmäßig wäre, steht den Baumarbeiten ein Fällungsverbot des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) entgegen.

Bereits im Oktober 2010 hatte das EBA der Bahn aufgegeben, vor weiteren Baumfällungen im Schlossgarten zusätzliche artenschutzrechtliche Untersuchungen durchzuführen und Maßnahmen zur Schadensvermeidung und -begrenzung darzulegen. Die Unterlagen seien zwar eingereicht worden, das EBA habe aber eine Aktualisierung gewünscht, sagte ein Sprecher des „Stuttgart 21“-Kommunikationsbüros am Mittwoch. Wann das EBA entscheidet, ist noch unklar.

Bahn rechnet nicht mit Verzögerung bei „Stuttgart 21“

Die Polizei will die Planungen für die Räumung des Protestcamps im Schlossgarten erst wieder aufnehmen, wenn die Bahn „belastbare Grundlagen“ liefert. „Wir schützen nur rechtmäßige Arbeiten“, begründete dies der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Die Bahn rechnet trotz der ausgesetzten Polizeivorbereitungen nicht mit zeitlichen Verzögerungen bei „Stuttgart 21“. „Aufgrund der bestehenden Sach- und Rechtslage gehen wir davon aus, dass es zu keinen zeitlichen Verzögerungen kommt“, sagte ein Sprecher des Kommunikationsbüros am Mittwoch. Man sei zuversichtlich, dass das EBA das Fällverbot abändere.

Die Grünen im Stuttgarter Landtag forderten jedoch von der Bahn, auf „jegliche Bauarbeiten am Bahnhof und im Schlossgarten zu verzichten“, solange kein vollständiges Baurecht vorliege. Fraktionsvize Andreas Schwarz erklärte am Mittwoch: „Bekommt die Bahn kommende Woche kein grünes Licht vom Eisenbahn-Bundesamt, um die Bäume im Schlossgarten zu fällen und umzusetzen, sollte sie auch den Abriss des Südflügels vorerst verschieben.“

Die Bewohner des Protestcamps im Schlossgarten bereiten sich trotzdem auf eine Räumung am 12. Januar vor. „Ich vermute mal, dass die Stadt das durchsetzen wird, wenn der Park nicht voll ist mit Leuten“, sagte Sprecher Niko Zahn der Nachrichtenagentur dapd. Sollten mehrere tausende Menschen den Park besetzen, werde die Polizei vermutlich „warten, bis sich das wieder leert“ und kurze Zeit später räumen.

Einigung über Baumfällungen steht noch aus

Indes ist noch unklar, wie viele Bäume letztendlich verpflanzt werden. Derzeit sprechen sich die Projektpartner noch ab. Die Landesregierung will sich in einer Kabinettssitzung in der kommenden Woche eine Meinung bilden. „Die Empfehlungen der Experten aus dem Stuttgarter Dialogforum sind Grundlage für die Meinungsbildung“, sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet. Fest stehe, dass die Landesregierung die Verantwortung für die Kosten bei der Bahn sehe.

Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) hat laut seinem Sprecher einen Brief mit den Ergebnissen des Dialogforums an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geschrieben. Das Forum, das die Stuttgarter Bürger über den „Stuttgart 21“-Bau informieren soll, hatte am 19. Dezember einen Kompromiss vorgeschlagen. Danach sollen nur  nur 68 der insgesamt 176 betroffenen Bäume verpflanzt werden, weil bei ihnen eine einfachere Verpflanzungstechnik angewandt werden kann. Von den ganz großen Bäumen sollen nur wenige versetzt werden, um Kollateralschäden im Schlossgarten gering zu halten. Auch der Regionalverband Stuttgart will als Projektpartner diese Empfehlung unterstützen, schließt jedoch eine Kostenübernahme über seinen bisherigen Anteil von 100 Millionen Euro aus.

 

Kommentare (60)
Anzeigen
JAN
25
Ursula Kirchner, 12:22 Uhr

Es ist zum Kotzen!

Heute in der Stuttgarter Zeitung: 1. Kurzschluss." Wasser dringt in Erdkabel ein.Wegen des ungewöhnlich milden Winters und der feuchten Witterung sei der Boden zur Zeit ungewöhnlich stark durchfeuchtet."Frage, wie ist das im Schlossgarten, der früher Sumpfgebiet war?. Wie ist das mit dem Grundwassermangement? Wir müssen doch wegen des Klimawandels (!) damit rechnen, dass das noch öfters der Fall sein wird?. 2." Betrug am Südflügel. Verstöße gegen die Versicherungspflicht und die Mindestlohnverordnung beoi 14 Bschäftigten." 3."Hamburg: ICE bleibt stundenlang liegen. 4 Stunden) 10 Minuten vor dem Ziele. Technischer Defekt." Neulich hatte der ICE aus Hamburg Altona kommend, in Stuttgart eine Stunde Verspätung. Unser Zug aus Karlsruhe hatte nur 5 Minuten Verspätung wegen Störung in den Signalanlagen. Das ist gefährlich und darf nicht sein. Wieso darf das Eisenbahnbundesamt genehmigung erteilen, wenn ein Gericht entschieden hat, dass nicht gegen den Artenschutz verstoßen werden darf?.

0
Kommentar bewerten
JAN
11
S.Meier, 01:42 Uhr

Aha?

„Wir schützen nur rechtmäßige Arbeiten“ So wie das letzte mal? Da waren die Demonstranten auf der Seite des Gesetzes und die Polizei auf der Seite der Rechtsbrecher. Dann wird wieder so getan als ob die Polizei mit Wasserwerfer und Reizgas gegen Kinder und Rentner vorgehen. Da werden wohl wieder ein paar Augen fliegen. Stellt schon mal die Unschuldseimerchen bereit um die Hände darin zu waschen.

1
Kommentar bewerten
JAN
10
Ein Stuttgarter der weis wovon er spricht , 09:39 Uhr

Rolf Richard

Zitat: Alle, die heute für die Verschwendung der vielen Milliarden für den Flaschenhalskeller sind, werden sich in 10 Jahren die Haare ob ihrer früheren Dummheit ausreißen. Nun wer sich da ob seiner früheren Dummheit die Haare herausreißen wird werden wohl die Grün verführten Fähnchenschwenker und herangekarrten Protestchaoten sein, denn denen ging es nicht um den Flaschenhalskeller sondern wie immer um planke grüne Rechthaberei. Ihre erste Rechthaberschlappe haben sie durch die Volksabstimmung mit einem klaren ja für S 21 erhalten, die zweite noch größere Schlappe werden sie in 2016 erhalten, denn die Stuttgarter und B/Wger haben ein Langzeitgedächtnis und werden ihnen nicht vergessen was sie aus ihrer friedlichen und sehr sauberen Landeshauptstadt gemacht haben.

6
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite 1  von  20