Stuttgart 21 Zweifel an den Fluchtwegen

Von Thomas Braun 

Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante unterirdische Durchgangsstation auch in Bezug auf die Fluchtwege zu gering dimensioniert ist. Kritiker werfen der Bahn vor, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Porjektkritiker haben das Fluchtwegekonzept der Bahn bei Stuttgart 21 abermals einer Prüfung unterzogen. Foto: Michael Steinert
Porjektkritiker haben das Fluchtwegekonzept der Bahn bei Stuttgart 21 abermals einer Prüfung unterzogen.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Der geplante Tiefbahnhof ist nicht nur für die angepeilten Zugzahlen in Spitzenzeiten, sondern auch für die zu erwartenden Personenströme nicht ausreichend dimensioniert. Zu diesem Ergebnis kommt der Analyst und Physiker Christoph Engelhardt in einer im Auftrag der Gemeinderatsfraktion SÖS/Linke verfassten Studie. Laut der Expertise bringt die unterirdische Durchgangsstation deutliche Verschlechterungen im Bereich der Fluchtwege sowie des Reisekomforts. Engelhardt wirft namentlich dem Regionalchef der DB Station und Service, Sven Hantel, vor, den Technischen Ausschuss des Gemeinderats in der Sitzung vom 24. Juli 2012 mit falschen und unvollständigen Angaben getäuscht zu haben.

Viel mehr Menschen auf den Bahnsteigen als behauptet

Engelhardts Untersuchung geht davon aus, dass sich in Spitzenzeiten deutlich mehr Menschen auf einem Bahnsteig aufhalten als von der Bahn behauptet. Diese geht laut Engelhardt pro haltendem ICE maximal von etwas mehr als 1000 ein- und aussteigenden Personen aus. Bei einer Doppelbelegung des Gleises mit zwei Regionalzügen rechnet der Analyst dagegen mit bis zu 2500 Reisenden an der Bahnsteigkante. Die von der Bahn selbst gesetzten Qualitätsstandards könnten so nicht eingehalten werden. Im Brandfall sei somit die von der Bahn mit 20 Minuten angesetzte Evakuierungszeit völlig unrealistisch. Die Bahn habe in der Ausschusssitzung die Zeit für die Räumung eines Bahnsteigs mit vier Minuten angegeben. Dies verstoße gegen eine bahneigene Richtlinie für Personenbahnhöfe, die dafür zweieinhalb Minuten veranschlage.

Das S-21-Kommunikationsbüro nannte die Vorwürfe haltlos, man werde den Inhalt der Studie aber detailliert prüfen. Die Behauptung, die Bahn habe den Gemeinderatsausschuss vorsätzlich getäuscht, werde aufs Schärfste zurückgewiesen. Ein Sprecher räumte ein, dass es – wie im Ausschuss dargestellt – an einzelnen Zugängen zu mäßigen bis starken Behinderungen kommen könne. Eine Gefährdung von Reisenden sei aber ausgeschlossen.

Die Studie von Christoph Engelhardt finden Sie hier!