Stuttgart-Nord Mit Rad und Tat durch Afrika

Von Ina Schäfer 

Clemens Rudolf besucht in Afrika Projektpartner und schult Menschen in Fahrradwerkstätten.

Clemens Rudolf mit seinem Drahtesel, der ihn durch Afrika tragen soll. Foto: Achim Zweygarth
Clemens Rudolf mit seinem Drahtesel, der ihn durch Afrika tragen soll. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart-Nord - Bald geht es los. Am 6. Oktober steigt Clemens Rudolf in den Flieger Richtung Afrika. Die Aufregung steigt, auch wenn der 28-Jährige nicht seine erste große Reise macht. In Afrika aber ist er bisher noch nicht gewesen.

Zudem es ist diesmal mehr als nur eine Reise. Seit April ist er erster Vorsitzender des Vereins Technik und Solidarität. Der Verein hat seinen Sitz in den Wagenhallen, wo die Mitglieder sich vor allem einer Aufgabe widmen: Fahrräder für Afrika zu sammeln. In der Halle hinter dem Tor 12 stapeln sich die Fahrräder bis beinahe unter die Decke. Es gibt ein großes Ersatzteillager, die Mitglieder schrauben in der Werkstatt an den Rädern und machen sie gegebenenfalls wieder fit. „Wir liefern keinen Schrott nach Afrika“, sagt Clemens Rudolf. Denn die Fahrräder werden in regelmäßigen Abständen in Container geladen und dann geht es in Richtung Ghana oder auch nach Äthiopien zu den Projektpartnern.

Ein interkultureller Austausch ist ihm wichtig

Seine Reise unternimmt Clemens Rudolf denn auch sozusagen von Amts wegen. Er wird vor Ort die Partnerorganisationen treffen und Interviews mit Menschen führen, die eine Fahrradspende erhalten haben. Er möchte herausfinden, wie die Fahrradlieferungen angenommen werden und welche Auswirkungen die Räder auf das Leben der Menschen haben. Ein interkultureller Austausch ist ihm wichtig. Nur so, sagt er, könne er Rückschlüsse ziehen darauf, was benötigt wird und die eigene Arbeit in den Wagenhallen den Bedürfnissen noch besser anpassen.

Clemens Rudolf freut sich darauf, die Projektpartner, meist Einheimische, mit denen er bisher nur per E-Mail Kontakt hatte, persönlich kennenzulernen. Er wird sich umsehen, wie die Initiativen vor Ort arbeiten und Fahrradworkshops geben. Denn ein Ziel seines Vereines ist auch, die Menschen dort auszubilden. Sie sollen ihre Räder selbst reparieren und irgendwann unabhängig von Hilfsorganisationen arbeiten können. Eine Fahrradindustrie soll entwickelt werden. „In vielen Ländern Afrikas gibt es wenig Infrastruktur. Viele Strecken werden zu Fuß zurück gelegt. Fahrräder erleichtern das Leben, wenn man für eine Strecke statt fünf Stunden nur anderthalb benötigt“, sagt Clemens Rudolf. Kinder gelangen schneller in die Schule, Gesundheitsarbeiter erreichen mehr Menschen an einem Tag, mit den Räder können außerdem Lasten transportiert werden.

Erste Erfolge in Richtung Selbstständigkeit zeichnen sich in Ghana ab, wo der größte und schon seit zehn Jahren bestehende Partner ProLink agiert. Dort wurde vom Werkstattteam ein Gepäckträger aus stabilem und schwerem Material entwickelt, der vor Ort hergestellt werden kann und der weitere Lieferungen aus Deutschland überflüssig macht.

Das Fahrrad bleibt in Afrika

Ghana ist die erste Station, die Rudolf besucht. In der Hauptstadt Accra wird er die Vertreter von ProLink treffen und einen Workshop anbieten. Danach geht es weiter in Richtung Osten zur Organisation von König Bansah in Hohoe. Die Distanzen legt er – natürlich – mit einem Fahrrad zurück, das ebenfalls eine Spende aus dem Fundus in den Wagenhallen ist. Ein normaler Drahtesel also, aus den Neunzigern, blauer Rahmen, 21 Gänge – es wird Rudolfs einziges Fortbewegungsmittel sein, in den drei bis vier Monaten seines Aufenthalts soll es knapp 3 000 Kilometer zurück legen. Danach bleibt es in Afrika.

Von Ghana geht es nach Kpalime in Togo, zur Organisation Hilfe für Togo. Dann in Richtung Norden nach Burkina Faso in ein kleines Dorf, das Diéle heißt. Dort wird auch der Container ankommen, der Anfang Oktober in den Wagenhallen beladen wird. Eventuell wird Rudolf am Ende noch an die Elfenbeinküste reisen. Er hat Kontakt mit einem dort lebendem Deutschen, der sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Der Kontakt ist über Manager ohne Grenzen entstanden.

Die Erlebnisse von Rudolfs Reise, seine Begegnungen, Interviews und Fotos können auf der Homepage des Vereins verfolgt werden.

Technik und Solidarität:
Wagenhallen, Innerer Nordbahnhof 1, Tor 12, Spendenannahme: donnerstags von 15 bis 18.30, samstags von 11 bis 15 Uhr.

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